Konzert in Oberviechtach
Stimmgewaltige Domspatzen

Die Rokoko-Altäre der Stadtpfarrkirche bildeten den idealen Hintergrund für den stimmungsvollen Vortrag der Advent- und Weihnachtslieder der 60 Regensburger Domspatzen. Bilder: lg (2)
Kultur
Oberviechtach
18.12.2016
329
0
 
Kaplan Martin Popp, einst selbst ein Domspatz, fand die passenden Dankesworte für die jungen Sänger und Domkapellmeister Roland Büchner.

15 Konzerte geben die Domspatzen im Advent - am Samstag gastierten sie in der Stadtpfarrkirche Oberviechtach. Die hellen, klaren Sopranstimmen der jungen Sänger kamen besonders bei den Soloeinlagen zur Geltung. Das Konzert vermittelte einen Eindruck, wie die Faszination des Chors zu erklären ist.

Viele Stühle mussten zugestellt werden, als am Samstagabend der wohl älteste Knabenchor der Welt ein vorweihnachtliches Konzert in der Stadtpfarrkirche gab. "Für uns ist heute schon Weihnachten", freute sich Dekan Alfons Kaufmann, als er die 60 Regensburger Domspatzen mit Domkapellmeister Roland Büchner willkommen hieß. Kaplan Martin Popp - selbst ehemaliger Domspatz - hatte es möglich gemacht, dass dieser berühmte Chor bei einem seiner 15 Konzerte der Adventszeit 2016 in Oberviechtach Station macht.

Gestik und Mimik

Mit dem Hymnus "Gott, Heiliger Schöpfer aller Stern" eröffneten sechs Männerstimmen das Konzert im Altarraum, während die übrigen Domspatzen durch den Mittelgang der stimmungsvoll mit Kerzen beleuchteten Kirche einzogen. Der Auftakt machte gleich das vielfältige Programm deutlich, als auf "Ecce virgo concipiet" des Renaissance-Komponisten Jacobus Gallus aus dem 16. Jahrhundert das Hoffnung spendende moderne vierstimmige Stück "O Oriens" von Vytautas Miskinis (geb. 1954) folgte und dann das volkstümliche "Joseph, lieber Joseph, mein" von Joseph Birkl die Herzen der Zuhörer öffnete. Hochkonzentriert verfolgten die 60 Sänger des Domspatzen-Gymnasiums jede Regung ihres Dirigenten, der mit einer ausgeprägten Gestik und Mimik - und hierbei mit einem gewaltigen Körpereinsatz - die Gesangsdarbietungen lenkte. Zwischen den Beiträgen war für die vortragenden Domspatzen "rührt euch" erlaubt. Das heißt, man durfte sich kratzen, räuspern oder durch Haare fahren. Auch das Publikum gab sich äußerst diszipliniert und beschränkte das Husten und Räuspern auf die kurzen Pausen zwischen den Gesangsbeiträgen.

Nach adventlichen Stücken, unter anderem von Max Reger, ließ das klanggewaltige achtstimmige "Lux Aurumque" aufhorchen, das der zeitgenössische amerikanische Komponist Eric Whitacre 2010 komponierte. "Licht, warm und schwer wie reines Gold, und die Engel singen sanft für das neu geborene Kindlein", heißt es dort in lateinischer Sprache, während das "Little Town of Bethlehem" von Ralph Vaughan Williams die Atmosphäre der Geburtsstadt thematisierte. Mit dem sechsstimmigen Barockwerk von Heinrich Schütz "Das ist je gewisslich wahr" ging es in eine kurze Pause, die die Sänger im benachbarten Sitzungssaal des Rathauses verbrachten. Während dieser Zeit zog der Organist der Stadtpfarrkirche, Paulinus Lesser, die Eisenbarth-Orgel unter anderem mit Improvisationen zu Bachs Kirchenlied "Wachet auf" souverän in das Konzert ein.

Alles auswendig

Sololieder mit Klavierbegleitung, unter anderem von Bach und Reger, sowie die volkstümliche Weise "Bist einmal kommen", vorgetragen als Duett, bestimmten das Programm nach der Pause. In diesen Solodarbietungen kamen die hellen, klaren Sopranstimmen der jungen Sänger besonders ausgeprägt zur Geltung. Bewundernswert auch, wie die Mitglieder des berühmten Regensburger Chores alle Lieder auswendig interpretierten, vom lateinischen Hymnus über die englischsprachigen Werke bis hin zu den populären Weihnachtsliedern. Carl Thiels "Adeste Fideles" bildete das offizielle Schlusslied. Anschließend durften alle Besucher unter dem Dirigat des Domkapellmeisters in das bekannte Lied "Macht hoch die Tür" einstimmen, bevor mit der Zugabe "Heilige Nacht" das für Oberviechtach herausragende Konzert beendet wurde.

Nach Standing Ovations auch zahlreicher auswärtiger Besucher, unter ihnen Landrat Thomas Ebeling, fand der Initiator des Konzerts, Martin Popp, die passenden Dankesworte an die jungen Sänger und an Domkapellmeister Roland Büchner, der ein Eisenbarth-Elixier mit auf den Weg bekam. Durchhalten ist angesagt für die Domspatzen. Vor der Mitgestaltung der Weihnachtsgottesdienste im Dom stehen noch Konzerte im Audimax der Regensburger Universität sowie in München an.

1000 Jahre jungSeit über 1000 Jahren singen in Regensburg die Domspatzen. Als Bischof Wolfgang im Jahr 975 eine eigene Domschule gründete, stand neben dem allgemein bildenden Unterricht auch die musikalische Ausbildung im Focus. Der liturgische Gesang in der Bischofskirche zählte ausdrücklich zu den Aufgaben der Schüler. Daraus leitet sich ab, dass die Domspatzen wohl der älteste Knabenchor der Welt sind, der alljährlich zahlreiche Konzerte national und international absolviert. Aber auch heute noch gehört die liturgische Gestaltung der Gottesdienste im Regensburger Dom zu den Hauptaufgaben der jungen Sänger. Die Höhepunkte sind hierbei unter anderem die Pontifikalämter an Weihnachten und an Silvester. (lg)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.