03.11.2017 - 15:04 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Ludwig Schießl beleuchtet Hausnamen der Stadtgemeinde Oberviechtach Michlbauer und Mülgirgl

Hausnamen sind heute noch beliebt, wenn sie zur Unterscheidung von gleichlautenden Nachnamen dienen. Ludwig Schießl beleuchtete im Kulturzentrum einige Besonderheiten.

Im Oberviechtacher Museum ist den Hausnamen eine eigene Abteilung im Obergeschoss gewidmet. Bild: slu
von Autor SLUProfil

Als eine "spannende" Angelegenheit bezeichnete der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises, Dr. Ludwig Schießl, den Gegenstand seines Vortrags, den er als Beitrag seines Vereins zum 50-jährigen Jubiläum des Museums im Kulturzentrum in der Marktmühle hielt.

Auf der Basis von rund 247 zu diesem Zweck in 29 Ortschaften und Gehöften erhobenen Belegen, beschäftigte sich der Referent mit dem Thema: "Hausnamen der Stadtgemeinde Oberviechtach: Sozialgeschichtlicher und sprachlicher Befund". Als Einstieg wies Schießl auf die regelrechte Renaissance hin, die Hausnamen in den vergangenen Jahren erfahren haben, und erläuterte in diesem Zusammenhang das Konzept der Abteilung "Handwerk und Hausnamen" im Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum. Zugleich zeigte er anhand eines Beispiels auf, wie praktisch Hausnamen als Mittel der Unterscheidung von Zeitgenossen mit einem gleichlautenden Namen auch heute noch sein können.

Mit dem Begriff und der Geschichte der Hausnamen sowie den gängigen Wortbildungsmustern leitete er zum Kern seines Vortrags über und stellte die Ergebnisse seiner Analyse und Auswertung vor. Sein Hauptaugenmerk galt dabei jenen Hausnamen, die eine Berufsbezeichnung als Wortbildungskomponente aufweisen, wie etwa Naibeck, Michlbauer, Mülgirgl, Schneindermichl, Schouster, Schousterhias, Spangler, Weechmacher und Wonger aus der Ortschaft Eigelsberg. Als einen der interessantesten Befunde insgesamt nannte Dr. Schießl die hohe Anzahl von 27 Hausnamen mit der Berufsbezeichnung für Landwirt, nämlich "-bauer". Im Vergleich dazu tauchen in dem Korpus von 133 Hausnamen der Altstadt von Oberviechtach, die 2015 in einem Vortrag beleuchtet wurden, nur drei derartige Belege auf.

Diese Untergruppe diente ihm auch Beispiel für die Veranschaulichung der Wortbildungsmuster, die in den Hausnamen unter anderem zum Tragen kommen, so wird "-bauer" an Vorname, Familienname, weiterer Beruf und Tiername angehängt.

Im zweiten, wenn auch wesentlich kürzeren Teil seines Vortrags, ging der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises, der seit 30 Jahren eine enge Kooperation mit dem Oberviechtacher Museum pflegt, auf den sprachlichen Aspekt der Hausnamen ein. Anhand einer Übersicht über die Hauptmerkmale des Nordbairischen zeigte er auf, welche dialektalen Charakteristika in den Hausnamen widergespiegelt werden, wie etwa die gestürzten Diphthonge ou und ej. Als Belege nannte er unter anderem Oudl (Schönthan) und Hejdwoierer (Obermurach).

Mit einem Dank an die Gewährsleute, die ihm die untersuchten Hausnamen geliefert hatten, schloss Schießl seinen Vortrag. Der Vorsitzende des Museumsvereins, Altbürgermeister Wilfried Neuber, dankte dem Referenten und lud zu den beiden letzten Vorträgen des Veranstaltungszyklus im Jubiläumsjahr ein.

Weitere Veranstaltung zu 50 Jahre Museum

Zum 350. Geburtstag von Johann Andreas Eisenbarth (1663 bis 1727) im Jahr 2013 wurden der Eisenbarth-Forschung neue Impulse verliehen. Unter anderem wurden von dem Medizinhistoriker Prof. Dr. Dr. Werner E. Gerabek, einem der Mitautoren der Eisenbarth-Monographie von Dr. Ludwig Schießl, an der Universität Regensburg drei Themen für Dissertationen vergeben, die sich mit dem Wundarzt und Arzneimittelherstellen beschäftigen. Eine davon ist die Arbeit der Zahnärztin Dr. Daniela Schießl. Sie hat sich mit der Rezeptionsgeschichte Eisenbarths auseinandergesetzt.

Darüber wird sie am Samstag, 11. November (290. Todestag des Wanderarztes), ab 19 Uhr im Kulturzentrum in der Marktmühle einen Vortrag ("Das Eisenbarth-Bild vom Ende des 17. bis zum Beginn der 20. Jahrhunderts") halten. Daniela Schießl wird dabei auf der Basis einer Reihe von Originalquellen die Wahrnehmung beleuchten, die in der Öffentlichkeit trotz der großen Fähigkeiten als Okulist, Bruch- und Steinschneider vorherrscht. Im Anschluss wird Band 3/2017 der Reihe "Oberviechtacher Museumsschriften", der die Dissertation beinhaltet, offiziell vorgestellt. An die Bevölkerung ergeht Einladung. (slu)

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.