Mehrwert mit Poesie

Im Atelier von Künstler Heiko Herrmann (Zweiter von links) bekamen Landrat Thomas Ebeling (Vierter von links) und seine Mitarbeiter sowie die Bürgermeister und Verwalter von Fördertöpfen einen Eindruck davon, was moderne Kunst im ländlichen Raum bewegen kann. Bilder: Bugl (2)
Kultur
Oberviechtach
16.12.2016
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Bei der Sitzung des Kunstvereins im Sommer hat Künstler Heiko Herrmann schon mal ein Styropor-Modell präsentiert, nach dem man eine Skulptur fertigen könnte.

Hingucker sollen es sein, und zwar witterungsbeständige: Zehn Skulpturen hat der Kunstverein Pertolzhofen für den Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg anvisiert. Wie die Region davon profitieren könnte, verriet Vorsitzender Heiko Herrmann bei einem Runden Tisch mit Behördenvertretern.

/Pertolzhofen. Für das Betonfundament, auf dem die Skulpturen stehen, haben der Niedermuracher Bürgermeister Martin Prey und sein Oberviechtacher Kollege Heinz Weigl bereits Unterstützung signalisiert. In einer großen Runde mit LAG-Managerin Stephanie Wischert, Leader-Koordinator Hans-Michael Pilz und Vertretern des Landratsamtes ging es für den Kunstverein nun um das finanzielle Fundament. Auch Landrat Thomas Ebeling hörte aufmerksam zu, als der stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins, Altbürgermeister Rainer Eiser, das Konzept vorstellte.

"Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar", zitierte Eiser den Künstler Heiko Herrmann und verwies auf die Früchte der künstlerischen Aktivitäten im ländlichen Raum, vom jährlichen Symposium "Kunstdingertage" bis hin zur "Kunsthalle", einem Container mit wechselnden Ausstellungen, der auch mal auf Reisen gehen kann. Der Gedanke, mit Kunst in die Welt zu gehen, habe auch den Plan für einen Kunstpfad am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg beflügelt.

Zehn Standorte

Zehn Standorte hat der Kunstverein nun für Skulpturen auf der Strecke zwischen Niedermurach und Oberviechtach im Visier. "Manns- oder frauhoch sollten sie schon sein, von der Straße aus gut sichtbar, am besten an Schnittpunkten", verdeutlichte Herrmann. Außerdem mit genügend Raum dazwischen, damit das Auge des Betrachters sich auf neue Sichtweisen einlassen könne. Das sei wie in der Musik: "Die Pausen sind das Wichtigste." Der rund 100 Mitglieder zählende Kunstverein von Pertolzhofen rechnet pro Skulptur mit Kosten in Höhe von rund 10 000 Euro, das wären dann 100 000 Euro für den kompletten Pfad. Ein Zehntel würde der Verein selbst stemmen

60 Prozent der Netto-Kosten könnte sich LAG-Managerin Stephanie Wischert als Anteil aus den Fördertöpfen vorstellen. "Aber eine Förderung über die LAG allein wird nicht genügen", gab der Landrat zu bedenken. Als Partner für die Förderung in Mischform hat der Kunstverein nun die Schwarz-Stiftung im Visier, von der die Stadt Oberviechtach seit Jahren profitiert.

"Die Idee selber gefällt mir gut, das kann nur ein Pluspunkt für die Gegend sein", meinte Bürgermeister Weigl, "wenn es Mitstreiter gibt, dann rechnet sich das". Die Stiftungsverwalterin Erika Odemer habe auf jeden Fall viel übrig für Kunst. Allerdings müsse man die Entscheidung im Gremium abwarten, und das Projekt dürfe nicht mit dem Planetenweg auf der Strecke kollidieren.

Dass der Kunstpfad auch regionale Themen aufnehmen müsse, um in den Genuss einer Förderung zu kommen, gab Leader-Koordinator Pilz zu bedenken. "Da ist Poesie gefragt", merkte der Kulturreferent des Landkreises, Franz Pfeffer, an und schlug vor, zur Inspiration erst die Standorte anzubieten. Allzu augenfällig sollten die Skulpturen aus verkehrsrechtlichen Gründen nicht an der Straße stehen, wandte der Landrat ein und versprach, dies mit der Straßenverkehrsbehörde abzuklären.

In Vorleistung

Auch Sponsoren aus der Wirtschaft zieht der Kunstverein in Erwägung, um die Finanzierungslücke von 30 000 Euro zu schließen. Sie dürften zwar genannt werden, ein Werbeschild an den Skulpturen sei aber nicht zulässig, warnte der Leader-Koordinator. LAG-Managerin Wischert wies darauf hin, dass der Verein bei dem Projekt auch in Vorleistung gehen müsse und riet zu einem Überbrückungskredit.

"100 000 Euro hört sich furchtbar viel an, aber dieser Tag könnte ein Geburtstag sein", machte sich der Niedermuracher Bürgermeister Martin Prey Hoffnungen nach dieser Weichenstellung - mit Hausaufgaben für alle Beteiligten.

AuswahlZur Auswahl der zehn Skulpturen plant der Kunstverein einen Wettbewerb, zu dem 20 bis 30 Bildhauer eingeladen werden. Eisen, Stein, Beton, Edelstahl, Bronze oder Hartholz kommen als witterungsbeständige Materialien in Frage. Gefordert wird eine Haltbarkeitsgarantie von zwölf Jahren. Die Auswahl trifft eine Jury mit Museumsvertretern. (bl)
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