18.08.2017 - 15:08 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Robert Bergschneider hielt vor 45 Jahren die Gebietsreform im Bild fest Als Oberviechtach nach Schwandorf kam

"Schauen Sie sich die Details genau an!", rät Robert Bergschneider, der vor 45 Jahren Land und Leute der Heimat in ein farbenfrohes Gemälde einarbeitete. Dem Betrachter eröffnet sich eine bildliche Schilderung zu einem markanten geschichtlichen Ereignis. Etliche dunklen Wolken haben sich seither verzogen.

Das Gemälde liefert eine collagenartige Zustandsschilderung der Landkreise Oberviechtach und Schwandorf im Jahr der Gebietsreform 1972. Bilder: lg (2)
von Georg LangProfil

Die große bayerische Gebiets- und Verwaltungsreform von 1972 jährt sich heuer zum 45. Mal. Der Dieterskirchener Kunstmaler Robert Bergschneider hielt diesen Einschnitt für den Landkreis Oberviechtach vor mehr als vier Jahrzehnten auf einem über zwei Meter langen Gemälde im modernen Stil künstlerisch fest. Dieses Kunstwerk erscheint heute in seiner Art als einmaliges zeitgeschichtliches Dokument zur Gebietsreform. In zahlreichen Details sind auf diesem Bild die Menschen, die Landschaft, die Wirtschaft und die Geschichte der Region collagenartig miteinander verbunden.

Stacheldraht bis Kartoffel

Der Kalte Krieg, der 1972 das Leben an der Grenze bestimmte, äußert sich am rechten Bildrand im Wachturm, im Stacheldraht und im Schlagbaum. Die Schwarzach als Grenzbach bei Stadlern ist ebenfalls eingearbeitet und selbst das Dorf der Vertriebenen von Bügellohe ist im Hintergrund neben dem Reichenstein angedeutet. Die Düsternis des Himmels unterstreicht die prekäre politische Situation an der Grenze zur damaligen Tschechoslowakei und ist vom Künstler bewusst als Kontrast zur hellen Sonne im Westen gestaltet.

Die Noch-Kreisstadt Oberviechtach erscheint neben den Gebäuden des Hütgrabens mit den Türmen der katholischen und evangelischen Kirche. Eine neue Zeit sieht der Kunstmaler mit dem Bau des Gymnasiums angebrochen und den Bildungsmöglichkeiten für die Schar der Jugendlichen generell in der Schulstadt, aber auch dem Geburtsort von Doktor Eisenbarth, der natürlich nicht fehlen darf. Eine Bäuerin bei der Kartoffelernte im Vordergrund verweist auf die traditionelle Landwirtschaft, während sich aber andererseits auch schon zukunftsorientierte neue Berufe abzeichnen. "Haus Murach" in der Peripherie gehört als prägendes Element zur Bildkomposition dazu.

Der Mittelpunkt des Gemäldes ist mit den herausragenden Wappentieren Panther und Löwe der bayerischen Geschichte gewidmet, die aber natürlich unmittelbar die Geschichte der Oberpfalz und deren Landkreise mitprägt. Der blaue Panther mit der Pfalzgrafenkrone, der auf die pfalzgräfliche Linie der Ortenburger zurückgeht, repräsentiert heute noch im bayerischen Staatswappen die Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern. Auf Bergschneiders Gemälde übergibt er das Wappen des Landkreises Oberviechtach (Wappen von Murach, ebenfalls auf eine Linie der Ortenburger zurückgehend) an den bayerischen Löwen, der die königliche Krone trägt. Die Wappen der übrigen Landkreise die ihre Selbständigkeit verloren haben - Nabburg, Neunburg und Burglengenfeld, oder im Falle Rodings, der Teile an Schwandorf abgeben musste - liegen am Boden. Für die Menschen bricht eine neue Zeit unter dem Zeichen der weißen Friedenstaube an.

Nicht ins Dienstzimmer

Der aufnehmende Landkreis Schwandorf steht für Technik und Verkehr. Der einstige Wackersdorfer Braunkohleabbau mit dem riesigen Schaufelradbagger und dem Kraftwerk Dachelhofen im Hintergrund entspricht der westlichen Industrieregion, positiv konnotiert durch die strahlende Sonne, die bildkompositorisch auch auf den Bildmittelpunkt zielt. Vor der Marktplatzsilhouette Schwandorfs mit der Kreuzbergkirche im Hintergrund mäandert die Naab als langsam fließendes Gewässer. Die Menschen am unteren linken Bildrand repräsentieren die Vielschichtigkeit der Berufe im neuen Großlandkreis Schwandorf.

Das farbenfrohe Gemälde, das sich heute in Privatbesitz befindet, ist ein aufschlussreiches künstlerisches Zeitdokument. Der Eiserne Vorhang, der die Menschen im Landkreis Oberviechtach von seinen östlichen Nachbarn trennte, ist 1989 gefallen. Wackersdorf hat sich nach dem Kampf gegen die WAA in den achtziger Jahren als markanter Industriestandort entwickelt, so wie es Bergschneider unter anderen Vorzeichen bereits vor Jahrzehnten ausgewiesen hatte.

"Die Initiative für dieses Bild ging seinerzeit von der Oberviechtacher CSU aus", erinnert sich Robert Bergschneider. Das Gemälde sollte als Vorlage für einen Wandteppich im Dienstzimmer von Landrat Josef Spichtinger dienen.

Der erste Landrat des Großlandkreises Schwandorf wurde aber dann Hans Schuierer (SPD). Das Gemälde selbst verblieb beim Künstler und geriet in der Folgezeit in Vergessenheit, bis es im vergangenen Jahr bei einer Ausstellung einen geschichtsinteressierten Käufer aus dem Oberviechtacher Altlandkreis fand.

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