19.08.2014 - 00:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Bestand im Landkreis nimmt zu - Sensible Waldbewohner verlieren Scheu vor Menschen Für Schwarzstorch kein weißer Fleck

Er lässt sich nur sehr selten ins Familienleben schauen. Dennoch ist der Landkreis Schwandorf für den Schwarzstorch längst kein weißer Fleck mehr. Häufiger werdende Beobachtungen aus der Bevölkerung sind ein Indiz dafür, dass der Bestand zunimmt und dass der sensible Waldbewohner zunehmend die Scheu vor den Menschen verliert.

Eine äußerst seltene Begebenheit: Fünf Schwarzstörche - zwei Altvögel mit ihren drei Jungen (erkennbar an den braun-beigen Füßen und Schnäbeln) - machen Rast auf einer Scheune in den Wiesenauen von Oberviechtach. Bild: Bianca Reil
von Georg Köppl Kontakt Profil

Früher waren auch die Weißstörche sehr scheue Vögel, weiß Storchenexpertin Oda Wieding vom Landesbund für Vogelschutz. Das hängt damit zusammen, dass Störche beispielsweise als Fischräuber lange verfolgt und auch getötet wurden.

Gutes Storchenjahr

Weißstörche haben diese Scheu weitgehend verloren, sie suchen mittlerweile die Nähe zum Menschen. Ihr Bestand ist mit den Horsten lückenlos dokumentiert und auch über den Nachwuchs wird genau Buch geführt. Deshalb weiß Oda Wieding, dass sich im Landkreis heuer auf elf Horsten Storchenpaare (ein Paar mehr als 2013) niedergelassen haben und 2014 mit 18 Jungen ein ganz gutes Storchenjahr ist.

Beim Schwarzstorch sieht es allerdings ganz anders aus. Im Landkreis laufen zwar über die Untere Naturschutzbehörde Untersuchungen über den Schwarzstorch. Daten werden vorwiegend aus Beobachtungen von Naturinteressierten, Landwirten, Jägern und Förstern gesammelt. Laut Pressesprecher Franz Pfeffer gibt es wiederkehrend auch Meldungen, dass sich Altstörche im Landkreis aufhalten. Konkrete Kartierungen über Bestandszahlen und Horste laufen aber nicht. Diese wären auch zu aufwendig.

Schwierige Erfassung

"Schwarzstorchbestände sind schwierig zu erfassen", weiß auch Oda Wieding. Bayernweit nimmt die Anzahl jedenfalls zu. Die größten Chancen, auf diese geheimnisvollen Tiere zu treffen, besteht übrigens in Nord- und Ostbayern. Das sei daraus zu schließen, dass die Meldungen über gesichtete Schwarzstörche aus der Bevölkerung kontinuierlich zunehmen. Aber dies ist wohl auch einem anderen Phänomen zu verdanken. Die typischen Waldbewohner verlieren offenbar ihre Scheu und begeben sich bei der Nahrungssuche zunehmend in Menschennähe.

Weitaus schwieriger ist es laut Wieding, die Horste der Baumbrüter auszumachen. Bei Schwarzstörchen, die mit Sendern ausgestattet waren, habe man festgestellt, dass die Vögel vom Horst aus teilweise über zehn Kilometer weit auf Futtersuche fliegen. Bereits entdeckte Horste werden übrigens wie exakte Beobachtungsorte geheim gehalten, um keinen "Ökotourismus" auszulösen, der die seltenen und geschützten Tiere in ihrem Lebensraum unnötig beunruhigen könnte.

Vor diesem Hintergrund kann man schon von einem seltenen Naturschauspiel sprechen, das die Familie Reil aus Oberviechtach beobachten konnte. Eine ganze Schwarzstorchfamilie - zwei Altvögel mit ihren drei Jungen - war am Wochenende in den Oberviechtacher Auwiesen auf Nahrungssuche unterwegs und konnte von Bianca Reil auf einem Scheunendach zur Dokumentation im Bild festgehalten werden.

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