26.08.2013 - 00:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Eisenbarth-Forschung bemüht sich seit 150 Jahren ein klares Bild des Wundarztes zu zeichnen Schmähgesang trübt den Blick

Sein Grabstein war der Auslöser: Ausgehend von diesem Fund in der Mitte des 19. Jahrhundert begann die Auseinandersetzung mit dem "realen" Eisenbarth in Form von biographisch-medizinhistorischen Abhandlungen. Somit kann die Forschung heuer auf rund 150 Jahre zurückblicken, in denen Eisenbarth zum Gegenstand ernsthafter Abhandlungen wurde.

von Autor SLUProfil

Die erste, 66-seitige Monographie mit dem Titel "Eisenbart im Leben und im Liede" von Arthur Kopp erschien im Jahr 1900. Vier Jahre später veröffentlichte Paul Mitzschke einen längeren Beitrag in Band 48 der "Allgemeinen Deutschen Biographie", der jedoch weitgehend auf den Erkenntnissen von Kopp beruhte.

Arzt der Landstraße

Es sollte mehr als 70 weitere Jahre dauern, bis die erste umfassende Darstellung von Leben und Wirken Eisenbarths auf den Markt kam, und zwar eine Bildbiographie von Eike Pies aus dem Jahr 1977, überschrieben mit "Ich bin der Doktor Eisenbarth. Arzt der Landstraße". Auf der Grundlage von Kopp und Mitzschke stützte sich Pies auf Originalquellen aus einer Fülle unterschiedlicher Archive. Dadurch dass das Werk über keinen Fußnotenapparat verfügt, ist es jedoch eher im Bereich der populärwissenschaftlichen Eisenbarth-Literatur anzusiedeln.

In der Zeit zwischen den Publikationen von Kopp und Pies wurde zwar eine immense Anzahl von Abrissen über den durch den Schmähgesang nach wie vor sehr bekannten Wundarzt veröffentlicht, jedoch war der wissenschaftliche Wert der Mehrzahl von ihnen von geringerer Natur, denn erstens erschienen viele von ihnen in Zeitungen oder Zeitschriften. Zweitens wurde nicht immer sauber zwischen dem "fiktionalen" und dem "realen" Eisenbarth getrennt, und drittens ergaben sich darin nur relativ selten neue Erkenntnisse. Gleichwohl wurde die Eisenbarth-Forschung in dieser Zeit durch Arbeiten kompetenter und zum Teil namhafter Autoren und Experten bereichert, die sich bemühten, ein objektives und vorurteilsfreies Bild von Eisenbarth zu zeichnen.

Archivalien unter der Lupe

In erster Linie sind hier Heinz Schauwecker (1962), Ute Selbmann (1967), Heinz Egon Kleine-Natrop (1971) Wolfram Kaiser (1976) und Karl Brethauer (1977) zu nennen. Später kamen noch Werner Pohl (1984), H. Schmid / W. W. Meyer (1998) und Jürgen Konert (z. B. 2002) dazu. Von Oberviechtacher Seite waren es Hans Forstner, Erich Mathieu, Karl Foißner und Josef Hasenbach, die Eisenbarth aus verschiedenen Blickwinkeln fachmännisch beleuchteten. Die umfangreichen Archivalien dafür wurden von Georg Neuber, dem "Motor" der örtlichen Eisenbarth-Forschung und späteren Bürgermeister, besorgt.

Eine Zäsur stellte das Jahr 2002 dar, als Karl Hieke seine Dissertation "Der Landarzt und Arzneimittelfabrikant Johann Andreas Eisenbarth (1663-1727), dargestellt anhand seiner Werbemittel und anderer zeitgenössischer Quellen" in Buchform herausgab, denn dies war die bis dahin umfangreichste streng wissenschaftliche Studie.

Mit keiner Silbe erwähnt


2004 folgte eine überarbeitete und erweiterte Neuauflage des "Klassikers" von Eike Pies, und zwei Jahre später präsentierte der damalige Regisseur des Oberviechtacher Eisenbarth-Festspiels, Uwe Niederdräing, seine Diplomarbeit mit dem Titel "Johann Andreas Eisenbarth - Von der Sage zur Biographie", in der er die Bipolarität der Wahrnehmung Eisenbarths in der Literatur einer Untersuchung unterzog. Darüber hinaus erschienen einige Schriften und Aufsätze von Ludwig Schießl und Reiner Reisinger.

Dagegen wird Eisenbarth in der 6. Auflage des Werkes "Geschichte der Medizin. Fakten, Konzepte, Haltungen" aus dem Jahr 2009 von Wolfgang U. Eckart mit keiner Silbe erwähnt, und auch in einer "Liste bedeutender Mediziner und Ärzte" von A-Z im Internet ist zwar unter dem Buchstaben E von Dorothea Christiane Erxleben (1715-1762), der ersten deutschen promovierten Ärztin und Zeitgenossin Eisenbarths, die Rede, aber nicht von diesem.

Welch einer Tatsache dies geschuldet ist, ob Standesdünkel oder Ignoranz, sei dahingestellt. Bedauerlich ist es allemal, andererseits aber bietet dieses Manko die Möglichkeit, das vorhandene Vakuum auf Oberviechtacher Initiative hin mit entsprechenden fundierten Beiträgen zu füllen.

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