23.01.2004 - 00:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Georg Leitermann referiert beim Schweinekontrollring - Stressfreies Schlachten "Wellness im Schweinestall"

Da läuft vielen das Wasser im Munde zusammen. Schweinebraten mit Knödel, der Klassiker am sonntäglichen Mittagstisch, darf auf keiner gutbürgerlichen Oberpfälzer Speisekarte fehlen. Doch kaum jemand macht sich Gedanken, wie viel Mühe und Arbeit dahinter steckt, bis das saftige Stück Fleisch auf dem Teller liegt.

von Michaela Lowak Kontakt Profil

Am Mittwochvormittag trafen sich im Gasthof Sporrer die Mitglieder des Schweinekontrollrings Cham, um sich über die aktuelle Situation auf dem Markt zu informieren. "Die Schweineproduktion ist zur Zeit kein rosiger Betriebszweig", sagte Vorsitzender Anton Scherr.

Georg Leitermann vom Landwirtschaftsamt Schwandorf/Nabburg präsentierte als fachlicher Leiter der Erzeugerorganisationen die Ergebnisse des abgelaufenen Jahres. Während sich bei der Ferkelerzeugung die Produktion ausgeweitet habe, sei in der Mast ein Abbau der Bestände erkennbar. Schwer zu schaffen macht dem Markt die Kaufzurückhaltung Russlands, der starke Euro und die Billigimporte aus Brasilien.

Mit 19,5 aufgezogenen Ferkeln je Sau und Jahr liegt der Schweinekontrollring Cham um 0,4 Ferkel unter dem Durchschnitt der Oberpfalz. Dies entspricht einem fehlenden Einkommen von etwa 13 Euro pro Zuchtsau. Auch in der Mast ist das Leistungsniveau mit 678 Gramm täglich deutlich unter dem Niveau von 709 Gramm. "Datenerfassung, Auswertung und Leistungsvergleich sind für jeden Betrieb überlebensnotwendig", sagte Leitermann. Nur so könnten Schwachstellen erkannt werden.

Mit seinem Schlagwort "Wellness für die Sau" brachte Georg Leitermann die Versammlung ein wenig zum Schmunzeln. "Das ist ganz einfach", sagte er. "Versetzen Sie sich einmal in die Sau hinein. Sie muss sich im Stall wohlfühlen. Nur so ist das Tier leistungsbereit."

Über die Arbeit der Schlachterzeugergemeinschaft referierte Geschäftsführer Georg Sellerer. Mit vielen Bildern zeigte er den Weg vom Transport bis hin zum bratfertigen Stück Fleisch auf. Ziel sei es, das Schwein möglichst stressfrei vom Stall in den Schlachthof zu bekommen. "Wir gehen mit den Tieren inzwischen ganz anders um, als vor 20 Jahren", sagte er. Selbst beim Ausladen laufe alles ganz ruhig ab. "Einen Stock benutzt niemand mehr." Danach dürfen sich die Schweine eine Stunde lang erholen, werden mit einer Art Dusche berieselt. Mittels einer Betäubungsfalle bekommt das Tier einen 400-Volt-Stoß versetzt. "Das Schwein spürt gar nichts", so Sellerer.

Während früher das Blut aufgefangen und weiter verwendet wurde, fließt es jetzt ab und ist Sondermüll. "Wir zahlen für die Entsorgung 120000 Euro im Monat." Der Bauer zahle mit, nicht der Verbraucher. "Jammern hilft nichts, wir müssen weiter machen", sagte Sellerer. Seine Prognose für das Jahr 2004 fällt jedoch gar nicht so negativ aus: "Fleisch ist wieder im Kommen", machte Georg Sellerer Mut. "Allerdings nur mageres, Fett ist out."

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