03.03.2004 - 00:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Geschäftsführer Wolfgang Hermann kritisiert Reformdschungel - Steigende Mitgliederzahlen Schere zwischen Arm und Reich

Sehr kritische Worte gegenüber der rot-grünen Bundesregierung fand am Sonntag VdK-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Hermann bei der Jahreshauptversammlung Gasthaus Pösl. "Wer findet sich in dem Dschungel der Renten- und Gesundheitsreformen noch zurecht", kritisierte er.

von Christof FröhlichProfil

"Den Hilfsbedürftigen, Sozialschwachen und alten Menschen wird das Geld aus der Tasche gezogen." Das mache die Menschen rat- und hilflos, aber auch wütend, da sich dadurch die Schere zwischen sehr Arm und sehr Reich immer mehr vergrößere.

Für Hermann ist dies einer der Gründe, weshalb die Mitgliederzahlen beim VdK in den letzten Jahren nach oben geschnellt sind. 2003 waren im Landesverband 20000 Eintritte (nun gesamt 472000 Mitglieder) und im Kreisverband 202 (Gesamt 7700) zu verzeichnen. Hauptursache des Rekordzuwachses sei der sprunghaft wachsende sozialrechtliche Beratungsbedarf. "Die seitens der Bundesregierung so viel gepriesene Gesundheitsreform ist nichts anderes, als ein Kostendämpfungsgesetz, das alleine die alten und chronisch kranken Menschen zur Kasse bittet", sagte der Kreisgeschäftsführer.

50000 Medikamente

Zumindest werde nun die elektronische Gesundheitskarte eingeführt, die teuere Doppel- und Dreifachuntersuchungen ersparen soll. Hermann machte deutlich, dass es in Deutschland nicht 50000 verschiedene Medikamente geben müsse: "Viele andere Länder kommen mit weniger als 10000 Medikamenten aus." Die Zuzahlung zu den Arzneimitteln und die seit Jahresbeginn eingeführte Praxisgebühr bezeichnete er als "reine Abzocke des Patienten", die vor allem chronisch Kranke und alten Menschen empfindlich treffe. Zwei Millionen Rentner müssten nun doppelt so hohe Krankenversicherungsbeiträge wie bisher zahlen. Ab April 2004 komme der volle Beitrag für die Pflegeversicherung dazu. Von den Versprechungen der Krankenkassen, die Beiträge zu senken, sei dagegen bisher nichts zu merken.

Mit der erneuten Nullrunde für Rentner sei die finanzielle Schmerzgrenze längst überschritten. "Doch wie die Bundesregierung einzuschätzen ist, ist das Ende der Fahnenstange längst noch nicht erreicht", schimpfte Hermann. "Die Dummen sind die, die für ihr Alter vorgesorgt haben und weitere Renten bekommen. Ihnen wird ein großes Stück davon abgezwackt." Durch immer langsamer steigende Renten werde das Rentenniveau von bisher 53 Prozent des Bruttolohnes bis 2030 auf nur noch 43 Prozent abgesenkt. Die Durchschnittsrente bei Männern beträgt derzeit 900 Euro (30 Prozent haben etwa nur 700 Euro). Bei einer Befragung sehen sich 90 Prozent in ihrer Meinung besstärkt, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.

Kundgebung am 29. März

Zwar sei der Bürger bereit, den Gürtel enger zu schnallen, doch müsse es gerechter zugehen. Hermann rief alle VdK-Mitglieder auf, am Mittwoch, 29. März, an den Protestaktionen und an der Abschlusskundgebung in München teilzunehmen.

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