30.08.2014 - 00:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Happy-End nach vielen Jahren: NT-Mitarbeiter Christoph Fröhlich trifft in den USA mit ... Auf Suche nach Wurzeln Familie gefunden

"Really crazy", wirklich verrückt, das hörte ich immer wieder, wenn ich in den USA meine Geschichte erzählte. Nur mehreren Zufällen ist es zu verdanken, dass ich mit 68 Jahren zum ersten Mal ein Bild meines leiblichen Vaters in Händen halten kann und einen Teil meiner Familie im Städtchen Jim Thorpe im Staat Pennsylvania kennenlernen durfte.

In diesem alten Gefängnis, das nun ein Museum ist, hat Clayton L. Meckes, der Vater von Christoph Fröhlich, als Sheriff gearbeitet. Zum Gedenken ist ihm darin ein eigener Raum gewidmet.
von Christof FröhlichProfil

Den Stein ins Rollen gebracht hatte der frühere Oberviechtacher Zigarettenhändler Michael Reisinger. Eines Tages war am Café-Tisch das Thema "Besatzungskinder" zur Sprache gekommen. Ich sagte damals, dass ich wohl nie wissen werde, wer mein Vater gewesen ist. Denn trotz oftmaliger Nachfrage hat es mir meine Mutter nicht gesagt und dieses Geheimnis mit ins Grab genommen. "Ich weiß, wer dein Vater ist", warf Reisinger plötzlich vom Nachbartisch aus ein. Er habe "Meckes" geheißen und er könne sich noch gut an ihn erinnern, da dieser im Lager der US-Soldaten, das sich neben Reisingers Elternhaus befand, immer die Pferde beschlagen hatte. Ich war bei diesen Worten wie vom Donner gerührt, schließlich hatte ich schon alle Hoffnungen aufgegeben, meine Wurzeln noch kennenzulernen.

Mit diesem Wissen, auch wenn es nicht recht viel war, wandte ich mich an die Fernsehsendung "Vermisst". Doch 18 Monate rührte sich nichts, ehe mir wieder der Zufall zu Hilfe kam: Meine Frau Simone pflegte beruflich eine ältere Dame; als sie von meinem Schicksal erfuhr, empfahl sie ebenfalls, mich an "Vermisst" zu wenden. Als sie hörte, dass wir das schon erfolglos getan hätten, bat sie um alle Unterlagen und einige Bilder von mir, denn ihre Enkelin sei mit Moderatorin Julia Leischik gut befreundet. Prompt meldete sich nach einer Woche der Fernsehsender und versprach zu helfen. Drei Wochen später rief der Sender erneut an, und hatte gute Nachrichten: Es sei gelungen, meinen Vater, Clayton Meckes, in den Vereinigten Staaten von Amerika, in der Stadt Jim Thorpe (Bundesstaat Pennsylvania) zu ermitteln. Und ich hätte Geschwister dort.

Sensationelle Ähnlichkeit

Ich habe dann Kontakt mit meiner "neuen" Halbschwester Darlene aufgenommen. Sie reagierte zunächst mit Skepsis und wollte wissen, wieso ich mich erst im Alter von 68 Jahren melde und nicht schon früher wegen meines Vaters tätig geworden bin. In einem längeren Brief schilderte ich ihr, dass ich vorher nie die Chance dazu hatte, da ich eben den Namen meines Vaters erst durch einen Zufall erfahren hatte.

Diesem Brief hatte ich auch einige Bilder von mir beigelegt. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die Ähnlichkeit mit ihrem Vater sei sensationell, schrieb Darlene zurück. In einem 16-seitigen Brief berichtete sie mir einiges über ihn und teilte mit, dass sie sich sehr über einen Besuch freuen würde und dass sie demnächst ihren 63. Geburtstag feiere. Da ich bei diesem Anlass unbedingt dabei sein wollte, entschlossen sich meine Frau und ich, vom 19. Mai bis zum 11. Juni nach Jim Thorpe zu reisen.

Der Flug nach Amerika und die Anreise mit einem Leihwagen klappten reibungslos, und was wir dann in diesen drei Wochen erlebten, kann in wenigen Zeilen nicht beschrieben werden. Meine Frau und ich sind dort von unseren Verwandten und ihren Freunden mit einer Herzlichkeit empfangen worden, die wir nie für möglich gehalten hätten. Ich konnte feststellen, dass ich dort eine Schwester, zwei Brüder, eine Tante und drei Onkel, einen Neffen und 20 Cousins habe, von denen ich einige kennenlernen und besuchen durfte. Und alle Verwandten, die mich sahen, sagten immer wieder: "Das ist der zweite Clayton Meckes." Ein DNA-Test, zu dem ich bereit gewesen wäre, erübrigte sich damit. Bei der Überwindung der Sprachbarrieren halfen mir meine Frau Simone und eine ehemalige Frankfurterin, die schon über 50 Jahre in den USA lebt.

Emotionale Erlebnisse

Es war ein einschneidender Moment für mich, am Grab meines Vaters zu stehen, der bereits 1985 verstorben war. Ganz besonders in Erinnerung bleibt auch die Herzlichkeit, mit der uns in diesen über drei Wochen alle gegenübergetreten sind und wie viel Mühe sich alle gaben, damit es uns dort gefällt.

Nicht erst beim Abschiedsdinner mit einem 25-Pfund-Truthahn gab es auf beiden Seiten viele Abschiedstränen. Ich habe dort eine große Familie und viele liebe Menschen gefunden. Nun, da ich auch meine Wurzeln väterlicherseits kenne, bin ich zufriedener geworden, und schon im kommenden Jahr werden wir uns in Amerika wiedersehen, auch Gegenbesuche sind geplant. Hätte ich diese Geschichte nicht selbst erlebt, würde ich sie wohl nicht glauben.

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