04.09.2004 - 00:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Kaum bekannt: Professor Richard Finke (96) als Porträtmaler - Bildergalerie im Wohnzimmer "Verflucht fein beobachtet"

Im Flur lehnt ein lebensgroßer Hirsch und die Wände im Wohnzimmer dienen als Galerie für Porträts, Tier- und Landschaftsbilder. Der Maler sitzt davor am Schreibtisch und ordnet sein Lebenswerk. Erst vor wenigen Tagen feierte Professor Richard Finke in geistiger und körperliche Frische seinen 96. Geburtstag.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Richard Finke hat viele Talente. Bekannt wurde er mit der Erforschung einer frei lebenden Wildschweinrotte und als Autor des Buches "Auf Tuch- und Borstenfühlung". Eine weitere Gabe ist die Malerei.

Ein Apfel vom Kunstlehrer

Während sich Finke einen Namen als Jagdmaler machte, sind seine Porträts kaum bekannt. Biograph Dr. Eberhard Aurich schreibt dazu in der Laudatio zu Finkes 90. Geburtstag im "Neuen Glogauer Anzeiger": "Mit psychologischem Einfühlungsvermögen und großer künstlerischer Gestaltungskraft hat er von Jugend an Porträts geschaffen von denen, die ihm nahestehen".

Fast ein ganzes Menschenleben sind seit dem ersten Selbstbildnis, sechs Wochen vor dem Abitur, vergangen. In stiller Mitternachtsstunde, am 13. Januar 1927 saß er dazu bei Lampenlicht im Wohnzimmer des Elternhauses. "Der 13. eines jeden Monats blieb lebenslang mein Glückstag", betont Finke und erzählt vom Beginn des Wintersemesters an der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin. Er zeichnete das Bildnis der "Frau Pudak", die in der Zeichenklasse des Professors Greve Kopfmodell saß. Nach lange schweigend prüfendem Vergleich des Ölkreideporträts mit dem Modell urteilte der berühmte Meister launig und leise: "Verflucht fein beobachtet!".

"War in dem ungewöhnlichen Lob vielleicht ein feiner Tadel verborgen, weil Zeichnen die Kunst des Weglassens ist?", fragt sich Finke noch heute. Jedenfalls lud der große Professor den "kleinen Studenten" spontan zum Besuch seines Privatateliers in der Hochschule ein und teilte mit ihm beim Empfang einen Apfel. "Welch unerwartet glücklicher, verheißungsvoller Auftakt für das vierjährige Studium bis zum Staatsexamen mit Prädikat". Mit etwas zittriger Hand deutet Richard Finke, selbst Professor und stolze 96 Jahre alt, auf die Elternbildnisse an der Wohnzimmerwand.

Radieren gelernt

Diese folgten zunächst 1928 als Zeichnungen und dann, als er bei Professor Reifferscheid, dessen Meisterschüler er wurde, radieren gelernt hatte, als Kaltnadelarbeiten und Ätzungen. Für die in ihren Grauwerten fein abgestufte "malerische" Bleistiftzeichnung brauchte der Vater nur eine Stunde stillzuhalten; die Mutter für ihr Ölkreidebildnis fünf Minuten länger.

Die Silberstiftzeichnung "Baronin Barbara Freifrau von Schlichting" ist gleichzeitig ein Dokument der Verbundenheit der seit 1705 alteingesessenen Schlichtingsheimer Familie Finke mit dem Gründergeschlecht der Freiherren Von Schlichting über drei Jahrhunderte. Die kunstinteressierte Baronesse Barbara von Schlichting schaute dem "jungen Heimatmaler" öfters über die Schulter. 50 Jahre später, im Sommer 1982, bei ihrem dreiwöchigen Besuch bei Finkes in Oberviechtach, zeichnet Richard Finke mit Silberstift die 72-jährige Baronin, die inzwischen selbst eine gute Malerin geworden ist. Das ausdrucksvolle Bildnis beweist, dass er in all den Jahren nichts an Beobachtungsschärfe des Auges und künstlerischer Gestaltungskraft eingebüßt hat.

Ruhelos und sensibel

Mit dem Altersporträt von 1984 in Kohle stellte sich Finke den Besuchern seiner Dokumentarstafel-Ausstellung über sein Leben mit den Wildschweinen im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum in München vor.

Bekannt in der Öffentlichkeit wurde er aber mit Tiergemälden. Die "Deutsche Jagd-Zeitung" veröffentlicht im August 1989 die Ölstudie "Kämpfende Rehböcke" und schreibt über den Jagdmaler Finke: "Sensibel, aber immer auch ein wenig streitbar sind die Bilder dieses ruhelosen, vor Aktivität sprühenden Mannes. Im Januar 1990 erscheint Finkes "Beresowka-Keiler". Das Original des Ölgemälde befindet sich im Besitz des Schwarzwildexperten Werner Klotz in Bad Driburg und schmückt die Titelseite dessen Buches "Lebenskeiler fallen nicht vom Himmel".

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