Nummern- und Musikkabarett: Atomkraft, Facebook und Raucher - Hervorragende Spielszenen
"Creme Bavarese" serviert Menü

Lokales
Oberviechtach
26.04.2013
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Nicht nur ein Dessert, sondern ein volles Menü servierte das Kabarett-Duo "Creme Bavarese" bei den Freunden der Kunst im Emil-Kemmer-Haus mit seinem Programm "Organisiertes Versprechen". Sebastian Schlagenhaufer und Ferdinand Maurer sind in der Münchner Kabarett-Szene keine Unbekannten mehr - darauf verwies Monika Krauß bei der Eröffnung der Veranstaltung, die bis auf den letzten Platz ausgebucht war.

Die pünktliche Begrüßung der Vorsitzenden war bereits Programmpunkt, denn ein etwaiger Jurist im Publikum könnte aus einem verspäteten Beginn einen Strick drehen, so Ferdinand Maurer, der freilich andererseits das Zuspätkommen seines Kollegen kritisierte. Von Anfang an entfalteten die beiden Künstler, die aus München in das "strukturschwache Oberviechtach" gekommen waren, ein breitgefächertes Nummern- und Musikkabarett, das das Publikum in seinen Bann zog. Der geplante Oberviechtacher Kreisverkehr, das Windhund-Verfahren bei der Vergabe der Presseplätze im NSU-Prozess und die Abschaltung der Atomkraftwerke mit ihrem fragwürdigen Sicherheitspersonal waren Eingangsthemen, die mit Schwung und Esprit präsentiert wurden. Die Pointen saßen, das Publikum ging begeistert mit und fand die eigenen Erfahrungen bestätigt, als es um die vielfältigen Versprechungen ging, mit denen die Menschen täglich konfrontiert werden.

Tägliche Inkonsequenz

Die neuen Kommunikationsmedien mit den Facebook-Bekanntschaften als "virtuelle Spanner" durften nicht fehlen. Selbst Hitler, als medial vielfach vermarktete Figur kritisiert, war Programmpunkt. Einigen Zuschauern blieb das Lachen im Halse stecken, als Sebastian Schlagenhaufer als redegewandter Manager im Leopardenfellmantel den "Kassenschlager Hitler" präsentierte.

Akkordeon und Gitarre

"Wo war der Staat ohne Raucha?", lautete die aufgeworfene Stammtisch-Frage angesichts der milliardenschweren Tabaksteuer. "Raucher teeren nicht nur ihre Lungen, sondern auch unsere Straßen", war die schlüssige Folgerung zur Verwendung dieser Steuergelder. Nach einer "Studie" über den Weltraum-Schrott von 6000 Tonnen Müll bot Ferdinand Maurer in einer hervorragend gespielten Rolle als kritischer und angepasster Ehemann Einblicke in die alltägliche Inkonsequenz.

Nicht nur bei der Zugabe "Bella Ciao" offenbarten die beiden ihr Gesangstalent und den virtuosen Einsatz von Akkordeon und Gitarre, was zweifellos zur Rhythmisierung des Abends im doppelten Sinne beitrug. Dass die Technik klappte, dafür sorgten Florian Raab und Christian Schneider von der Oberviechtacher Festspieltechnik.

Fazit: Ein erfrischendes, sprachlich ausgefeiltes Kabarett, das nicht dem "Mainstream" gehorchte, aber eben deshalb gut ankam.
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