29.08.2006 - 00:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Professor Richard Finke (98) ist der älteste Bürger der Eisenbarth-Stadt Phänomenales Gedächtnis

Auch mit 98 Jahren hat sich Professor Richard Finke seine jugendliche Ausstrahlung bewahrt. Als dritter Bürgermeister Heinz Weigl am Sonntag nachmittag im Pfälzer Weg klingelt, holt der Jubilar flugs den Sekt vom Nebenzimmer. "Ich könnte noch die Geschichtsprüfung ablegen", sagt er beim Zuprosten und schon rattert er einige Daten der deutschen Geschichte herunter.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Dazu gibt's dann noch einen Trinkspruch auf französisch. "Sein Gedächtnis ist phänomenal", freut sich Sohn Achim. Der Oberamtsrat im Forstministerium Thüringen ist mit Gattin Ruth aus Weimar angereist. Doch den Gastgeber spielt der Jubilar, immerhin ältester männlicher Bürger der Eisenbarth-Stadt, noch selbst.

Ein kurzer Husten. "Aber sonst bin ich mobil", wirft Finke sofort in die Runde und seine Augen blitzen spitzbübisch. Über soviel Vitalität staunt auch dritter Bürgermeister Heinz Weigl, der die Glückwünsche der Stadt überbringt.

Geboren in Schlichtingsheim in Niederschlesien studierte Finke in Berlin und siedelte nach dem Krieg nach Karlshafen an der Weser. Hier unterrichtete er an einem Gymnasium. Seine große Leidenschaft aber gehörte der Jagd. In den Wäldern erforschte er von 1961 bis 1966 frei lebende Wildschweine und publizierte seine Forschungen in Fachmagazinen. 1971 stand dann ein erneuter Umzug in die Oberpfalz an. Im Alter von 72 Jahren erarbeitete er eine Dokumentarausstellung über seine Arbeit mit dem Schwarzwild. Seit 32 wohnt er nun mit Ehefrau Karin in Oberviechtach. Das Wohnzimmer ist voll mit Erinnerungen vom Maler, Jäger und Verhaltensforscher Richard Finke. Ölbilder, Aquarelle und Federzeichnungen sowie Jagdtrophäen erzählen von den Wänden: Ein spannendes Leben, geprägt von Kunst und Natur, liegt hinter dem 98-Jährigen.

Mit Stolz in der Stimme erzählt Finke dann von seinen zwei Enkelkindern (33 und 26 Jahre). Langeweile kennt er nicht. Auch mit 98 Jahren malt er seine Schwarzkittel und schneidet Zeitungsartikel fürs Archiv aus. Auf dem Schreibtisch liegt das "Leben der Finkes", Veröffentlichungen und Korrespondenz, abgeheftet in zahlreichen Ordnern. Auch Beten gehört für ihn zum Tagesablauf und dies besonders, nachdem seine 20 Jahre jüngere Ehefrau Karin einen Krankenhausaufenthalt gut überstanden hat. "In meinem Leben hat sich die göttliche Fügung schon oft bestätigt", betont Finke.

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