06.09.2014 - 00:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Studentin sammelt Ideen für ehemaliges Müller-Gelände - Bürgerbeteiligung als Bachelor-Arbeit Vom Wohnen bis zum Freizeitpark

Zunächst gab es Beifall für den Mut, in eine Art Bürgerversammlung die Meinung der Oberviechtacher einzuholen. Jacqueline Hötzel wohnt in der Schönseer Straße und will sich in ihrer Bachelor-Arbeit um das Thema "Bürgerbeteiligung im Stadtentwicklungskonzept am Beispiel Konversationsfläche Web- und Textilbetrieb Müller" kümmern. Rund 30 Interessierte folgten der Einladung ins Café Weigl.

So sieht es aktuell auf der Industriebrache aus. Nach Abbruch der Hallen steht viel Platz für verschiedene Projekte zur Verfügung. Bilder: frd (3)
von Christof FröhlichProfil

Die junge Dame, die vor drei Jahren mit einem guten Abitur das Ortenburg-Gymnasium verlassen hat, leistet damit einen großen Beitrag zur Fortentwicklung ihrer Heimatstadt. Sie gibt Bürgern in einer Art "Oberviechtacher Pilotprojekt" die Chance, sich schon im Vorfeld aller Planungen darüber zu äußern, wie sie sich die Neugestaltung des ehemaligen "Müller-Areals" vorstellen.

Vieles möglich

Nachdem Jacqueline Hötzel dem anwesenden Bürgermeister Heinz Weigl gedankte hatte, dass er sie mit Fakten zum Thema unterstützt, zeigte sie die unterschiedlichen Formen der Bürgerbeteiligung auf. Dabei soll die Meinung der Bürger gehört und auf ihre Machbarkeit geprüft werden. Dies beinhalte die Chance, dass ein Projekt am Ende von den Bürgern mitgetragen wird, da sie die Möglichkeit hatten, daran mitzuarbeiten.

Die künftige Landschaftsarchitektin mit dem Schwerpunkt Städteplanung zeigte in der Versammlung auf, dass dieses Projekt im Stadtentwicklungsprogramm geplant wird, wobei eine insgesamt 3,2 Hektar große Fläche, davon 2,6 Hektar zur Umstrukturierung, zur Verfügung stehen. Im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben und Einschränkungen sei so gut wie alles möglich, deshalb könnten die Anwesenden zunächst einmal ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Alle Anregungen werden gesammelt und auf ihre Machbarkeit geprüft.

Wenn diese dann die Mehrheit im Stadtrat finden und die Finanzierung sichergestellt werden kann, sei eine Verwirklichung auch möglich. Jacqueline Hötzel zeigte zunächst anhand mehrerer Projekte auf, wie und wo Bürgerbeteiligungen zu guten Ergebnissen geführt haben. Hier stellte sie zwei Beispiele eines genossenschaftlichen Bauens vor. In diesen Projekten sei das selbstorganisierte Bauen und Leben mit einer großen Sicherheit für die Beteiligten verwirklicht worden (siehe Kasten).

Wie Bürgermeister Heinz Weigl zu dem zu planenden Objekt auf dem ehemaligen Müller-Gelände ausführte, sei es wünschenswert, wenn für dieses und weitere Projekte im Rahmen der Stadtentwicklung eine "Städtebau GmbH" gegründet werden könnte und sich genügend Investoren fänden, die bereit sind, ihr Geld anzulegen.

Die Studentin ermunterte dann die Anwesenden, ihre Ideen, Gedanken und Vorschläge zur Neugestaltung des Ortseingangs kundzutun. Vielfach wurde vorgebracht, Projekte zu suchen, die in der ländlichen Region und an vergleichbaren Orten bereits verwirklicht worden sind und die mit einigen Änderungen auch auf Oberviechtach zugeschnitten werden könnten. Im Stadtgebiet werden bezahlbare Wohnungen für Singles und junge Paare (Zeit- und Berufssoldaten, Referendare) in Größenordnungen von 30 bis 80 Quadratmeter Wohnfläche benötigt. Weiterhin müsse es das Ziel sein, die Ebenheit dieser Fläche so zu nutzen, dass hier auch ein alters- und behindertengerechtes Wohnen möglich wird. Hier kam ein "Mehrgenerationenhaus" ins Gespräch. Einig war man sich aber auch, dass nicht die gesamte Fläche einer Wohnbebauung dienen sollte, sondern dass ein größerer Teil auch in Erholungsflächen umgestaltet werden sollte. In die Vorschlagsliste wurden ein Feststadel, ein Kulturzentrum mit überdachten Sitzplätzen, ein Freizeitpark und sogar ein Erfinderzentrum eingebracht.

Vorschläge prüfen

Jacqueline Hötzel wird die Anregungen in einer Teamarbeit von Kommilitonen in die verschiedensten Richtungen prüfen und ausarbeiten. Was dabei herauskommt, wird in einer weiteren Bürgerbeteiligung vorgestellt.

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