Besuchergruppe beim Bezirk Oberpfalz
Von Therapie bis Theater

Eine Besuchergruppe aus dem Landkreis Schwandorf, darunter viele Frauen aus Oberviechtach, informierten sich in Regensburg über die Aufgaben und Leistungen des Bezirks Oberpfalz. Bild: exb
Politik
Oberviechtach
12.10.2017
73
0

Neurologie, Psychiatrie und soziale Fürsorge sind Aufgaben, die ein Landkreis nicht alleine stemmen kann. Der Bezirk Oberpfalz unterstützt und bietet ein breites Leistungsspektrum an. Aber auch das kulturelle Leben wird gefördert. Eine Gruppe aus Oberviechtach machte sich in Regensburg ein Bild.

Oberviechtach/Regensburg. Über fünfzig Frauen und Männer aus dem Landkreis Schwandorf, darunter viele Mitglieder der Frauen-Union Oberviechtach, waren auf Einladung des Teublitzer Bezirksrats Thomas Brandl nach Regensburg gekommen, um sich über die Aufgaben und Leistungen des Bezirks Oberpfalz zu informieren. Brandl machte deutlich, dass der Bezirk Oberpfalz in den Bereichen Neurologie und Psychiatrie sowie soziale Fürsorge Aufgaben übernimmt, die für einen Oberpfälzer Landkreis alleine nicht zu stemmen sind.

Als Beispiel nannte er die medizinischen Einrichtungen des Bezirks, die an sechs Standorten in der Oberpfalz Kliniken, Tageskliniken, Ambulanzen und Heime betreibt. Mit rund 3 200 Beschäftigen in den Klinken, der Verwaltung und den Einrichtungen zählt der Bezirk auch zu den großen Arbeitgebern in der Oberpfalz. Thomas Brandl erläuterte auch den Bezirkshaushalt, der in diesem Jahr insgesamt rund 411 Millionen Euro umfasst.

Großer Arbeitgeber

Über 94 Prozent werden davon für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung aufgewendet. Mit den Leistungen im Sozialbereich finanziert der Bezirk direkt oder indirekt rund 7 500 Vollzeitarbeitsplätze in Behinderten- und Altenhilfeeinrichtungen sowie bei Sozialdiensten mit. "Deutlich geringer, aber mit großer Wirkung, sind die Ausgaben für das Kulturleben in der Oberpfalz ", sagte Brandl und zählte die zahlreichen Fördermaßnahmen von der Denkmalpflege über Zuschüsse für Musikvereine zum Instrumentenkauf bis zur Unterstützung der Oberpfälzer Festspiele auf. Für die Förderung des Kulturlebens wendet der Bezirk 2017 rund sechs Millionen Euro auf. Spannend und aufklärend war der Einblick in das gesunde und erkrankte menschliche Gehirn mit Prof. Dr. Thomas Baghai, medizinischer Direktor der Medbo (Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz). Der Facharzt gab einen Überblick über die unterschiedlichen Krankheitsbilder aus den Fachbereichen der Psychiatrie und Neurologie, die an den sechs Medbo-Standorten in der Oberpfalz behandelt werden. Neben der Diagnose und Therapie stellte der Psychiater exemplarisch auch die neuesten Forschungsergebnisse vor, die das Zusammenspiel von Gehirn und Darm untersuchen. Beeindruckt waren die Besucher von der Größe der Medbo mit über 3000 Beschäftigten und dem stetigen Wachstum an allen Standorten.

Vollzug und Gedenkstätte

Dieser flächendeckende Einsatz für die Gesundheit der Oberpfälzer wird insbesondere auch deutlich beim Projekt Tempis. Ein Schlaganfall kann durch die Verstopfung eines Blutgefäßes oder eine Blutung im Gehirn verursacht werden: Ärzte in einer Oberpfälzer Klinik, in der der Patient liegt, arbeiten über Telemedizin mit den Medbo-Experten aus der Neurologie zusammen, um über die lebensentscheidend richtige Diagnose und Behandlung zu befinden. Im zweiten Teil informierte Dr. Kirsten Lange, Leitende Oberärztin der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirksklinikum Regensburg, über den Maßregelvollzug. Dort werden straffällig gewordene Patienten mittels zahlreicher Therapieformen, wie Arbeitstherapie, Beschäftigungs- und Sporttherapie, behandelt. Die Besucher konnten sich auch von den hohen Sicherheitsmaßnahmen überzeugen.

Zum Abschluss besichtigte die Gruppe die neu gestaltete T4-Gedenkstätte beim Zugang zur Krankenhauskirche St. Vitus. Diese erinnert an das Schicksal der 641 psychisch kranken und behinderten Menschen, die 1940/41 aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz deportiert und dort ermordet wurden. Diese Patienten wurden Opfer der im Nationalsozialismus angeordneten T4-Vernichtungsaktion, die sich damals gegen menschenverachtend bezeichnete "unnütze Esser" richtete. Die neu gestaltete Stätte nimmt die bisherige Gedenktafel auf und gibt den damaligen Patienten Gesicht und Würde.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.