08.02.2017 - 18:38 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Ursula von der Leyen begrüßt Oberviechtacher Soldaten Händedruck bei Stippvisite

Oberstleutnant Christoph Huber war am Dienstagabend in Großaufnahme in den TV-Nachrichtenmagazinen zu sehen. Der Kommandeur der Oberviechtacher Grenzlandkaserne leitet die Stationierung der Nato-Truppe in Litauen. Zum Auftakt der Mission kam die Ministerin vorbei.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und die Präsidentin von Litauen, Dalia Grybauskaite (links), begrüßen Christoph Huber, den Kommandeur des multinationalen Gefechtsverbandes. Bei ihrer Stippvisite machte die Ministerin rund 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt klar, dass die Nato ihre Mitglieder schützen werde.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Es ist kalt in Litauen. Bis minus 12 Grad zeigt das Thermometer diese Tage an und auch tagsüber hat der Frost den Militärstützpunkt Rukla im Griff. Fast täglich kommt neues Personal und Material in der Kaserne an. Am Dienstag war es Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die aus dem neuen Transportflugzeug A400M stieg und Kommandeur Oberstleutnant Christoph Huber die Hand schüttelte. Beim Truppenbesuch war auch die Präsidentin von Litauen, Dalia Grybauskaite, dabei.

Im Kern des Heeres

Über 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs lautet der Auftrag: Präsenz zeigen. Die Nato reagiert damit auf den Wunsch der baltischen Länder, die den Einfluss Russlands fürchten und schickt eine rund 1000 Soldaten starke Kampfgruppe (Battle Group) auch nach Litauen. In Rukla, etwa 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, befindet sich das Panzergrenadierbataillon 122 im "Kern des deutschen Heeres", wie es Bataillonskommandeur Christoph Huber beim Neujahrsempfang am 12. Januar formulierte. Von den insgesamt mehr als 450 deutschen Soldaten werden die Oberviechtacher mit rund 300 Soldaten die überwiegende Mehrheit stellen. Eine Woche später, am 19. Januar, fand der Verabschiedungsappell statt. Seither wird Material und Personal in mehreren Schüben in die Kaserne nach Litauen verlegt. Oberstleutnant Christoph Huber, für ein halbes Jahr der Kommandeur des multinationalen Gefechtsverbandes, war einer der Ersten. Ab 24. Januar startete der Aufbau der Battle Group, die bei der von der Allianz beschlossenen "Enhanced Forward Presence" zur Abschreckung gegenüber Russland beitragen soll.

Auch am Mittwoch, 8. Februar, bestiegen 59 Oberviechtacher Grenadiere den Flieger in Nürnberg. Ziel war der Flughafen Kaunas, 25 Autominuten von Rukla entfernt. Nächste Woche werden weitere Soldaten folgen. Der Plan sieht vor, dass die Verlegung bis Ende der achten Kalenderwoche abgeschlossen ist. Als letztes werden am 21. Februar die Panzer in Grafenwöhr verladen (22 Marder der Grenzlandkaserne Oberviechtach und 6 Kampfpanzer Leopard 2 aus der Oberpfalzkaserne Pfreimd).

In Oberviechtach wartet derzeit noch jede Menge Material auf den Transport ins Baltikum. "Alles ist verladungsfähig und wird erst einen Tag vorher nach Grafenwöhr gefahren", sagt Oberstleutnant Lars Obst im Gespräch mit der Lokalredaktion von Oberpfalz-Medien. Als stellvertretender Bataillonskommandeur hält er die Stellung in der Grenzlandkaserne - in ständigem Kontakt mit seinem Chef. "Alle sind gut angekommen. Sie sind jetzt mit dem Entladen und dem Auspacken der Ausrüstung beschäftigt", berichtet Obst, "und sie kriegen viel Besuch." Doch das sei zu Beginn der Mission ganz normal.

"Team Heimat" schrumpft

Oberstleutnant Lars Obst weiß wovon er spricht. Als Kontingentführer war er mit 50 Soldaten des Panzergrenadierbataillons 122 im Sommer 2016 bei der Ausbildungsmission in der Mongolei eingesetzt. Auch ein kurzer Einsatz in Litauen ist denkbar: "Gegebenenfalls als Unterstützung bei einer größeren Übung." Doch derzeit ist der stellvertretende Kommandeur in der Grenzlandkaserne beim "Team Heimat" gefragt. Das Bataillon ist zwar um etwa die Hälfte geschrumpft, doch Grundbetrieb und Ausbildung laufen weiter. Im späteren Frühjahr sind weitere Soldaten für den Einsatz im Kosovo (KFOR) angefordert.

Die nach Litauen verlegten Grenadiere sind währenddessen zusammen mit Soldaten aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden bei gemeinsamen Übungen gefordert. Im Spint haben sie eine spezielle Kälteschutzausstattung. "10 Grad minus sind für Oberpfälzer kein Problem. Bei uns war es ja im Januar ähnlich kalt", sagt Oberstleutnant Obst. Und er ergänzt: "Auch bei der Ausbildung müssen unsere Soldaten bei Minusgraden im Freien übernachten."

Bei den Bildern, die am Dienstagabend über die Mattscheibe flimmerten, fiel nicht nur Kommandeur Huber auf, sondern auch die dick eingemummten litauischen Scharfschützen. Präsidentin Dalia Grybauskaite war mit Fellmütze und Handschuhen deutlich wärmer angezogen als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die ohne Kopfbedeckung und im taillierten Mantel angereist war. Während der Reden fegte dann auch ein eisiger Wind über das Kasernengelände.

Ein Video der litauischen Streitkräfte zum Besuch:

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