26.01.2018 - 15:46 Uhr
OberviechtachSport

Nikolai Welnhofer tanzt nicht nur im Fasching: Schauspieler auf dem Parkett

Wo Anfänger nur auf die Schuhe schielen, praktiziert er das "Spiel mit dem Feuer" - und das auch noch ziemlich professionell: Nikolai Welnhofer aus Oberviechtach tanzt "Latein" und hat dabei auch gute Noten im Blick.

Tanzen unter dem kritischen Blick fachkundiger Augenpaare: Für viele ist das ein Horror. Nicht so für Coletta Braun und Nikolai Welnhofer, hier bei einem Turnier in Rosenheim. Bilder: Bugl/exb (2)
von Monika Bugl Kontakt Profil

Oberviechtach/Regensburg. ( bl) Vor fünf Jahren hatte Nikolai Welnhofer schon einmal den Marsch durch die Leistungsklassen des Tanzsports im Visier, damals noch mit Partnerin Bettina Hottner (wir berichteten). Seit gut einem Jahr führt er die Regensburger Jura-Studentin Coletta Braun durch komplizierte Figurenfolgen in der C-Klasse der lateinamerikanischen Tänze, die im Fachjargon nur "Latein" genannt wird. Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba und Jive gilt es da zu beherrschen, in der nächsthöheren B-Klasse kommt auch noch Paso Doble dazu.

"Da fehlt nicht mehr viel", sagt der 30-Jährige und strahlt angesichts des näher rückenden Aufstiegs. Doch davor liegen harte Trainingsstunden, dreimal wöchentlich beim Tanzclub Blau-Gold Regensburg. Und jede Menge Turniere, bei denen das Paar Punkte sammeln muss. Denn was für Laien so spielerisch aussieht, ist in Wirklichkeit harte Arbeit. Jede Geste, jede Nuance zählt. "Wer im Finale nur mal kurz schief dasteht, der verliert", weiß Welnhofer: "Die Juroren wollen sehen, ob ein Paar harmoniert." Da beginnen die kritischen Blicke bereits auf dem Weg zur Tanzfläche und sie hören nicht auf, wenn der letzte Ton verklungen ist.

Mit Hüftschwung

Anders als bei Standardtänzen, wo das Paar als Gesamtheit perfekt durch den Raum schweben soll, ist bei lateinamerikanischen Tänzen Hüftschwung gefragt und viel Interaktion. "Standardtänze haben immer so eine etwas steife, preußische Note", erklärt der Oberviechtacher sein Faible für "Latein". "Außerdem ist die Musik viel schöner", schwärmt der 30-Jährige. "Rumba zum Beispiel: Das ist ein Spiel mit dem Feuer, da ist auch viel Schauspielerei gefragt." Ist dann auch Lächeln ein Muss? "Nicht unbedingt", schränkt Welnhofer ein, "so ein Paso Doble ist ja mehr wie ein Stierkampf".

Keinen Stierkampf, aber eine Menge Wettkämpfe hat das Tanzpaar mit dem Team-Namen "Nicoletta" (zusammengesetzt aus Nikolai und Coletta) schon hinter sich. "Wir haben uns ganz gut zusammengerauft", meint Welnhofer, der privat anderweitig gebunden ist und die Frau fürs Tanzen über die Trainer beim Tanzclub fand. Angela Bode, ehemalige Bayerische Meisterin, und Rudi Grabon sorgen dafür, dass die Technik passt und jede Gewichtsverlagerung auch perfekt im Rhythmus ist.

Mehr mutige Männer

Und wenn das Paar aus dem Takt kommt, wird dann gestritten? "Manchmal diskutieren wir schon", räumt der Oberviechtacher ein, meistens sei ja auch der Mann schuld. "Aber die Dame muss sich eben auch führen lassen und wissen, was sie tut." Die Faschingssaison ist im Übrigen nicht unbedingt ideal zum Üben. "Leistungssport ist etwas ganz anders als Breitensport", schränkt Welnhofer ein, der sich trotzdem daheim in Oberviechtach "nur zum Vergnügen" auf die Tanzfläche begibt. Seinen Geschlechtsgenossen würde er da mehr Mut wünschen. "Discofox kann jeder", ist er überzeugt. "Und Frauen findet man nicht mit zweieinhalb Promille an der Bar, sondern auf der Tanzfläche." Es muss ja nicht jeder ein Profi sein. "Wenn man zu gut tanzt, kann es sein, dass man einen Korb bekommt, weil sich die Dame nicht traut."

Meistens ist der Mann schuld, wenn es mit dem Tanz nicht klappt. Aber die Dame muss sich eben auch führen lassen und wissen, was sie tut.Nikolai Welnhofer
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