02.01.2018 - 17:50 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Als es noch keine Kühlanlagen fürs Bier gab Wenn die Eiserer ausrücken

Nach Weihnachten beginnt die Hauptsaison für die Eiserer. Jedenfalls war das früher so, als es noch keine Kühlanlagen gab. Die Einlagerung von Natureis war eine wichtige Aufgabe für Bierbrauer und Wirte. Im Altlandkreis Oberviechtach wurden zwei Methoden der Eisgewinnung praktiziert.

Schwere Arbeit: Mit langen Stangen wurden die Eisschollen auf dem Weiher ans Ufer befördert. Bilder: lg (4)
von Georg LangProfil

"Mit Eis stopf deine Keller voll, wenn dir dein Bier gelingen soll!" Mit diesem Rat ruft der Brauer-Kalender von 1880 die Mitglieder des Berufsverbandes zu einer winterlichen Aufgabe auf, die für die Betriebe einst überlebenswichtig war. Das während der kalten Jahreszeit eingebrachte Natureis war ein billiges Kühlmittel. Vor der Erfindung der künstlichen Kühlung durch Carl von Linde war man auf diese natürliche Variante angewiesen.

Viele Klein- und Mittelstandsbrauereien Bayerns praktizierten bis in die Nachkriegsjahrzehnte "das Eisen", wie die Einlagerung des auf Flüssen und Seen gewonnenen Eises im Fachjargon genannt wurde. Die für diese Saisonarbeit verpflichteten Männer, die sich in der kalten Jahreszeit ein Zubrot verdienten, waren die "Eiserer". Deren Werkzeuge waren Sägen, Hacken, Stangen und Zangen.

Gerüst über Felsenkeller

Die einstige Brauerei Pröls in Niedermurach lagerte noch vor einem guten Vierteljahrhundert im brauereieigenen Stirneiskeller das Naturprodukt aus nahe gelegenen Weihern ein. In der Fuchsberger Schlossbrauerei wurde bis Mitte der fünfziger Jahre Natureis gewonnen, erinnert sich Braumeister Franz Vogl senior. Hier wurde aber weniger das Weihereis verwendet, sondern man gewann Eis auf künstlich errichteten Gerüsten, die mit Wasser aus der nahe gelegenen Faustnitz besprüht wurden. Diese Gerüste waren direkt über den Felskellern der Brauerei errichtet worden. Bei einer Länge von etwa 80 Zentimetern wurden die Eiszapfen abgeschlagen und landeten dann unmittelbar im Keller. Auf diese Weise ersparte man sich die aufwendige Bergung des Eises und den Transport.

Ein weiterer Vorteil war in der Reinheit zu sehen. Das Gerüsteis war nicht mit Verunreinigungen aus den Gewässern durchsetzt, wie es manchmal bei Weihereis der Fall war. Blasen und Schmutz beschleunigten während des Jahres den Schmelzprozess. In einem gut isolierten Keller sollte aber den Sommer über ein Rest des Eisberges bis zur nächsten Frostperiode erhalten bleiben. Die Abschlagarbeit auf den etwa fünf Meter hohen Eisgerüsten mit mehreren Etagen war freilich eine gefährliche Tätigkeit, die beim Weihereis in dieser Form nicht gegeben war.

500 Fuhren jährlich

Beim Betz-Bräu in Winklarn standen der Gemeindeweiher und die gräflichen Teichanlagen für die Eisgewinnung zur Verfügung. Hier wurden jährlich rund 500 Fuhren Eis in zwei riesigen Kellern eingelagert. Beim Betz-Bräu rückten die Eiserer bis Ende der sechziger Jahre nach Weihnachten aus, wobei das Naturprodukt auf Lastwagen eingeholt wurde. Die Pferdefuhrwerke von einst hatten ausgedient. Im Keller mussten die Brocken zerkleinert und verdichtet werden. Ein kompakter Eisblock musste entstehen, wobei die funktionierende Ableitung etwaigen Schmelzwassers an der Basis für die Haltbarkeit des Eisberges sehr wichtig war. Für die Brauereien hatte das Eis auch eine wesentliche Funktion bei der Bierherstellung, weil auf diese Weise die gärende Würze heruntergekühlt werden konnte. Natürlich durfte das Natureis nie unmittelbar mit Bier, Hefe oder Würze in Berührung kommen.

Für die Wirte, die meist ebenfalls Eis einlagerten, zählte nur die Kühlfunktion. Den Oberviechtacher Gastronomen stand der Marktweiher als vorrangige Entnahmestelle direkt vor der Haustüre zur Verfügung. Fritz Roßmann (Weißgerber) bediente sich noch in der Nachkriegszeit des Marktweiher-Eises. Beim Thammer und Forster oder im Gasthof "Zur Post" wurde ebenfalls Eis eingelagert. "Streit um das Eis gab es nie", bekundete einst der Weißgerber-Fritz, "weil das Naturprodukt immer schnell nachreifte". Den Klimawandel gab es damals noch nicht, die Winter waren wohl noch strenger und lieferten zuverlässig das begehrte Eis.

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