03.09.2017 - 20:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Aushilfspfarrer André wieder in Oberviechtach Viel Sonne, viele Sorgen

Pfarrer André Jaques Kionga Phanzu (60) ist wieder in der Seelsorgeeinheit Oberviechtach angekommen. Der Geistliche aus dem Kongo ist hier bestens bekannt. Die Menschen in seiner Heimat erhoffen sich davon etwas.

Die Narbe auf der Stirn des Pfarrers stammt von einem Autounfall (Überholmanöver) vor Jahren.
von Josef NiederaltProfil

"Ich bin in Oberviechtach ein alter Bekannter", sagt Pfarrer André aus der Demokratischen Republik Kongo schmunzelnd. Dafür gibt es einen guten Grund: Es sind mittlerweile fast 15 Jahre, dass der nun 60-Jährige in die Seelsorgeeinheit Oberviechtach kommt. Als Urlaubsvertretung oder Aushilfe ist er hier immer sehr willkommen. Bei einem Gespräch mit "Oberpfalz-Medien" nimmt er bewusst einen Schattenplatz ein und meint: "Von der Sonne habe ich in Afrika genug."

"Wird überschätzt"

Der stets freundliche Kongolese bekennt: "Ohne Europa bin ich ein toter Mann." Dabei werde diese Verbindung in seiner Heimat, was das Finanzielle betrifft, sowohl von seinen Mitbrüdern als auch vom Bischof gerne überschätzt, erzählt er. Bescheiden bringt er zum Ausdruck, dass er umso mehr auf die finanzielle Hilfe von hier angewiesen ist, um die vielfältigen Probleme, die auf ihn als Krankenhausseelsorger zukommen, zumindest teilweise zu lösen.

"Da ist eine mittellose alleinstehende Frau, die soeben Drillinge bekam oder der Tote, für den ein Sarg zu besorgen ist", nennt er Beispiele. Dazwischen liegt eine Bandbreite der verschiedensten Problemsituationen des Lebens in dem Land, das keine Krankenversicherung kennt. In der "DR Kongo", dem zweitgrößten Flächenstaat Afrikas mit etwa 80 Millionen Einwohnern, regiert Präsident Joseph Kabila (46). "Es ist zurzeit sehr schlimm", berichtet Pfarrer Andre.

Ausgeblieben ist die Neuwahl, die bereits im Dezember 2016 fällig gewesen wäre. Es herrscht eine enorme Inflation in dem Land, in dem sich etwa die Hälfte zur katholischen Kirche bekennen. Auch die Korruption ist sehr stark geworden. Es gibt inzwischen viele Demos. Viele arbeiten oft acht bis zehn Monate und haben immer noch kein Geld. "Die Leute haben die Nase voll", sagt er.

Nur mit Schulgeld

Weiter berichtet der Krankenhauspfarrer: "Im Osten des Landes sind immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen mit vielen Toten." Die Not in dem von ihm zu betreuenden Krankenhaus Kangu, wo er versucht helfend einzugreifen, ist allgegenwärtig. Zu viel erhofft man sich dort von ihm: Zum Beispiel Lebensmittel oder Medizin für die Ärmsten, im voraus zu leistende Operationskosten oder ein Schulgeld, das ab Schulbeginn zu zahlen ist.

"Wer nicht zahlt, kommt nicht zur Prüfung und wird entlassen." Ähnlich ist es bei den Kranken, die eben ohne Hilfe sterben. "Im Kongo besitzt eine Gruppe von etwa 20 Prozent alles und rund 80 Prozent gar nichts. Die Bevorzugten können sich Villen in Europa leisten", stellt er fest. Pfarrer André genießt gerne eine Tasse Kaffee und ein kleines Stück Kuchen. Doch eher steht er auf deftiges Essen und abends auch mal eine kalte Halbe Bier. Er erzählt vom Auto, welches er vor zehn Jahren von der Seelsorgeeinheit geschenkt bekam.

Nachdem der Motor vor zwei Jahren ausgetauscht wurde, leistet es wieder wertvolle Dienste für die Lebensmittelbesorgung oder Krankentransporte. Angesprochen auf die Narbe auf seiner Stirn erzählt er von einem missglückten Überholmanöver mit dem Auto vor etlichen Jahren.

Der Flug nach Europa (hin und zurück) kostete ihm diesmal - wegen der Ferienzeit - ein wenig mehr als sonst, und zwar rund 2000 Dollar. Dies war möglich, da ihm bekannte Händler das Geld vorstreckten. Der Geistliche wird Oberviechtach voraussichtlich Anfang Oktober wieder verlassen. Fest steht, dass zuvor eigens eine Kirchenkollekte für seine Aufgaben stattfinden wird. Der Termin wird im Pfarrbrief veröffentlicht.

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