09.02.2018 - 16:34 Uhr
Oberviechtach

Beim Besuch der Partnerschule des Ortenburg-Gymnasiums werden geschichtliche Schmankerln ... Für Pfalzgraf auf Brautschau in Frankreich

Oberviechtach/Neunburg. Kriege und Bündnisse prägen die gemeinsame Geschichte von Frankreich und Bayern. Die Jugendlichen der Partnerschule des Ortenburg-Gymnasiums staunten über manches Detail, das Theo Männer zum Auftakt des Besuchs aus Saint-Pourcain im Schwarzachtaler Heimatmuseum präsentierte.

Die französischen Jugendlichen vor dem Neunburger Pfalzgrafenschloss, wo sie Museumsleiter Theo Männer (Hintergrund rechts) für eine aufschlussreiche Führung empfing. Bilder: lg (2)
von Georg LangProfil

Das Museum in Neunburg vorm Wald und der KZ-Ehrenfriedhof am Plattenberg bestimmten den ersten Tag des Besuchsprogramms der 28 Schüler aus Saint-Pourcain, die im Rahmen des langjährigen Austauschprogramms für zehn Tage an das Ortenburg-Gymnasium gekommen sind. Museumsleiter Theo Männer bot den Jugendlichen eine anschauliche Geschichtsstunde, wobei er besonders auch auf die bayerisch-französischen Beziehungen einging, die im Schwarzachtaler Heimatmuseum mit seinen 18 Abteilungen mehrfach dokumentiert sind.

Begleitet werden die knapp 30 Jugendlichen aus dem französischen Zentralmassiv von den Lehrkräften Audrey Schiess, Sylvinane Perrot und Emmanuel Torregrosa. Erfreulich war bei der Museumsführung, dass neben den französischen Lehrkräften und Betreuer Stephan Sturm auch zwei Schüler aus Saint Pourcain als versierte Übersetzer fungierten, so dass die Kommunikation bei den zahlreichen Exponaten meist wunderbar klappte. Wenn die geschichtlichen Zusammenhänge zu komplex erschienen, dann wurden gemeinsam die richtigen Worte gefunden. Erstaunt waren einige Schüler aus Frankreich, dass bei der bayerischen Herrschaftsgliederung des 15. und 16. Jahrhunderts Neunburg tatsächlich eine "kleine Residenzstadt" war.

Noch mehr verwundert waren die Jugendlichen, als sie von Theo Männer erfuhren, dass König Ruprecht für seinen nachgeborenen Sohn Johann in Frankreich auf Brautschau ging. Die Ehe kam aber nicht zustande, weil König Karl VI. von der Dynastie der Valois Johanns Pfalzgrafschaft zu unbedeutend erschien. Nach der Abhandlung der kriegerischen Ereignisse seit dem 15. Jahrhundert kam man schließlich zum Ende des Zweiten Weltkriegs auf die Todesmärsche zu sprechen, die im Neunburger Museum mit aufwühlendem Fotomaterial dokumentiert sind. Dies leitete über zur Fahrt auf den Plattenberg sowie zur KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, deren Besuch ebenfalls auf dem Programm der französischen Jugendlichen steht.

Während ihres Aufenthalts sind auch Fahrten nach München, Nürnberg und Amberg eingeplant. Am Montag wurden die Gäste von Schulleiter Ludwig Pfeiffer und Bürgermeister Heinz Weigl begrüßt. Das Stadtoberhaupt ging hierbei auf den Elysée-Vertrag von 1963 als Grundlage der florierenden Schulpartnerschaft ein. "Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland gehören zu den schönsten Erfolgen unserer Geschichte", bekräftigte Weigl.

Ein Kinobesuch sowie ein gemeinsamer Sportnachmittag mit den Gastgebern stehen ebenfalls noch auf dem Programm. Während ihres zehntägigen Aufenthalts am OGO sind die Schüler bei den Familien ihrer deutschen Partner untergebracht. Diese starten in der zweiten Märzhälfte zum Gegenbesuch nach Saint-Pourcain.

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