16.03.2018 - 20:26 Uhr
Oberviechtach

Bergwacht muss bei Einsätzen mit vielen Unbillen rechnen Zielscheibe für Aggression

Aggressive Mitbürger machen inzwischen auch der Bergwacht bei Einsätzen zu schaffen. Die Retter aus dem Schönseer Land lassen sich davon aber nicht entmutigen. Sie investieren viel Zeit in eine gute Ausbildung - und sind als Helfer sogar bei einem Flugzeugabsturz gefragt.

Auch beim Einsatz auf der Piste bekommen die Retter von Bergwacht die Aggressivität von teilweise nicht einmal Beteiligten zu spüren. Bild: exb
von Christof FröhlichProfil

Teunz/Schönsee . "Die Sorge und Hilfe für andere Menschen ist das wertvollste Kapital im Haushalt der Menschheit", zitierte Bergwacht-Bereitschaftsleiter Dieter Güll den früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss bei der Jahreshauptversammlung. "Und solange es noch Leute gibt, die freiwillig bereit sind, für andere da zu sein, ist es um diese Welt nicht allzu schlimm bestellt", ergänzte er.

Dass diese Meinung nicht alle Mitbürger so sehen, und die Rettungsdienste gegen zunehmende Aggressivität ankämpfen müssen, auch das wurde allerdings bei der Bilanz im Gasthaus Lang in Wildstein (Gemeinde Teunz) offenbar. Güll erwähnte einen Vorfall, bei dem während der Versorgung eines verunfallten Skifahrers ein Helfer von der Bergwacht verletzt wurde. Ein nicht direkt beteiligter Skifahrer hatte ihn dreimal mit dem Skistock ins Gesicht geschlagen.

Rückholdienst inklusive

Den Mitgliederstand der Bereitschaft Schönseer Land inklusive Fördermitglieder bezifferte Güll mit 154, die Aktiven bestehen derzeit aus 18 voll ausgebildeten Helfern, 7 Anwärtern und 3 Jugendlichen. Ziel müsse es sein, auch in diesem Jahr weitere Fördermitglieder, aber auch Aktive zu gewinnen, meinte der Bereitschaftsleiter. Das müsse bei einem Mindestjahresbeitrag von 20 Euro (steuerlich absetzbar) und einem damit verbundenen Rückholdienst im In- und Ausland für die ganze Familie auch möglich sein.

Der Bereitschaftsleiter wies auf die Weiterentwicklung der gesamten Bergwacht Bayern und die damit verbundenen Veränderungen und Neuerungen hin, die auch neue Herausforderungen für die Bereitschaft Schönseer Land bedeuten. Noch nicht gelungen sei es, die aktiven Bergretter mit optimaler persönlicher Schutzbekleidung auszurüsten, diese müsse noch jeder selbst besorgen und bezahlen.

Güll listete die Aktivitäten und Ereignisse des abgelaufenen Vereinsjahres auf, wobei er alleine schon 154 Termine wahrzunehmen hatte. Durch die Integrierte Leitstelle (ILS) Amberg ist die Schönseer Bergwacht- im abgelaufenen Jahr 18 Mal verständigt worden. Es ging um einen Unfall auf der Loipe, Suchaktionen im ganzen Landkreis, eine Totenbergung, vital bedrohte Personen, einen angedrohten Suizid und einen Flugzeugabsturz. Beim Alarm habe der Rufbereitschaftsdienst immer funktioniert, lobte Güll.

Neue Räume

Im Februar fanden Gespräche mit der Schönseer Bürgermeisterin Birgit Höcherl und weiteren Beteiligten statt, in denen es um den Fortbestand oder Neubau einer Rettungswache in Schönsee ging. Weitere Termine in dieser Sache gab es mit den Verantwortlichen des Wintersportvereins Schönsee und dem Oberviechtacher Architekturbüro Schönberger. Am 19. Oktober erfolgte die Vertragsunterzeichnung für die neuen Räume der Bergrettungswache Schönsee.

Ausbildungsleiter Peter Horn berichtete über 23 Ausbildungen im Vorjahr und 4 Terminen in diesem Jahr, bei denen die Aktiven auf den Ernstfall und die professionelle Hilfe vorbereitet worden sind. Nach dem Dank Gülls an alle, die am guten Gelingen mitgewirkt haben, würdigten auch der Bürgermeister der Gemeinde Stadlern, Gerald Reiter, der Kreisgeschäftsführer des BRK-Kreisverbandes Schwandorf Otto Langenhan und Kreisbereitschaftsleiter Willi Klein die Schönseer Bergwacht für ihren Einsatz zum Wohl der Mitbürger. Sie betonten, dass diese ehrenamtliche Hilfe der Retter, in die sie im Vorfeld Hunderte von Ausbildungsstunden investieren, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Sie könnten deshalb mit Recht auf ihre Leistung stolz sein. Stolz war aber auch Güll darauf, dass er mit Anton Augustin, der bei der Stützpunktwehr Oberviechtach aktiv ist und auch die First-Responder-Ausbildung absolviert hat, Verstärkung zur Bergwacht stößt. Augustin bekam nun den offiziellen Dienstausweis und zählt damit bei der Bergwacht zu den Anwärtern.

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