Der Winter kommt: Sicher fahren bei Schnee und Eis
Zauberwort gegen Rutschpartie

Im Zweifelsfall langsamer fahren: Das raten Verkehrsexperten, wenn die Straßen glatt oder schneebedeckt sind. Aber es gibt im Winter auch noch ein paar andere Faktoren, die Einfluss auf die Sicherheit haben. Bilder: Bugl/hfz
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Oberviechtach
02.01.2017
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"Bei glatten Straßen kann auch Tempo 30 schon zu schnell sein." Zitat: Rudolf Leibl, Vorsitzender der Verkehrswacht Oberviechtach und Umgebung

Mit Schnee war der Winter im Dezember geizig. Glatteis reichte aus, um für erste Blechschäden zu sorgen. Jetzt soll der Winter richtig ernst machen. Doch nicht jeder Autofahrer ist fit für diese Konfrontation, weiß Rudolf Leibl, Vorsitzender der Oberviechtacher Verkehrswacht.

Als Fahrlehrer ist Rudolf Leibl fast den ganzen Tag im Auto unterwegs und kennt die neuralgischen Punkte, die der Winter so mit sich bringt. Vor allem aber kennt er die Schwächen der Autofahrer und die Defizite ihrer Fahrzeuge: unangepasste Geschwindigkeit, schlechte Reifen, kaum freigekratzte Scheiben.

"Und dann gibt es noch die Leute, die nur auf gute Winterreifen achten und dabei den Frostschutz für die Autoscheiben vergessen", weiß der 55-Jährige. Dabei sei gerade bei schlechten Straßenverhältnissen die gute Sicht entscheidend. Und was tun, wenn die freigekratzte Scheibe nach den ersten Metern gleich wieder zufriert? "Da hilft nur, die Heizung laufen zu lassen und stehen bleiben, auch wenn das fürs Energiesparen nicht optimal ist", rät der Experte. Ansonsten gebe es auch noch chemische "Mittelchen" für die Scheibe im Handel, die ein Zufrieren verhindern sollen.

Nie mit Schneehaube

Sollte der Schnee etwas dicker auf dem Auto liegen, dann ist auch auf den Blechflächen Räumung angesagt. "Mit einer Schneehaube auf dem Dach sollte niemand losfahren, das ist brandgefährlich, wenn sich der Schnee dann bei schnellerem Tempo plötzlich verabschiedet", warnt Leibl. Überhaupt birgt der Schnee - wenn er dann tatsächlich kommt - gleich mehrere Tücken für den Verkehr.

"Schneehaufen links und rechts, unlesbare Verkehrsschilder und Fußgänger, die auf die Straße ausweichen", zählt der Verkehrswacht-Vorsitzende auf und fügt hinzu: "Das potenziert sich." Wie gut die Autofahrer mit widrigen Bedingungen zurecht kommen, ist für den Fachmann nicht unbedingt eine Frage des Alters. "Fahranfänger sind oft durchaus vorsichtig", berichtet er. Generell seien die meisten vernünftig. "Aber manche sind eben unbelehrbar und wollen ihr Auto auf glatter Fahrbahn gerne mal driften lassen", seufzt Leibl, solche Manöver sollten allzu Wagemutige deshalb lieber auf einem sicheren Übungsplatz erproben.

Eine böse Überraschung können auch jene erleben, die einen Schneepflug oder ein Streufahrzeug überholen: "Die rechnen oft nicht damit, dass die Straße, die vorher frei war, nach dem Überholen ganz anders ausschaut", gibt Leibl zu bedenken. Um selbst besser gesehen zu werden, sei es im Winter besonders wichtig, dass die Beleuchtung funktioniert, auch das gehöre zur Fahrvorbereitung.

Kühler kontrollieren

Und noch einen Tipp hat der Fachmann auf Lager, falls Väterchen Frost nun doch so richtig ernst macht: die Kühlerflüssigkeit kontrollieren, damit sie nicht "auffriert". "Wird das versäumt, kann es im günstigeren Fall den Schlauch zerreißen, wenn der Kühler selbst betroffen ist, dann beläuft sich der Schaden schnell mal auf 1000 Euro", erklärt Leibl.

Das "Zauberwort" für eine sichere Fahrt über winterliche Straßen heißt für den Verkehrswacht-Vorsitzenden aber ganz klar "angepasst", auch wenn das gar nicht so einfach zu definieren ist (siehe Info-Kasten). Und das bedeutet in der Regel: langsamer. Gute Planung kann da nicht schaden. Das Rezept, dass der Fahrlehrer immer wieder zitiert, hat sich bewährt: "Einfach früher losfahren, damit man rechtzeitig ankommt."

Bei glatten Straßen kann auch Tempo 30 schon zu schnell sein.Rudolf Leibl, Vorsitzender der Verkehrswacht Oberviechtach und Umgebung


Was ist "angepasst"?Welche Geschwindigkeit gilt bei Schnee und Eis als angepasst? Verkehrswacht-Vorsitzender Rudolf Leibl hat dafür ein Rechenexempel parat: Gilt auf Landstraßen Tempo 100 für die trockene Fahrbahn mit Asphalt, dann könne man bei 100 Prozent Reibung dieses Tempo ausloten. Bei festgefrorenem Schnee gehe man von 20 Prozent Reibung aus, das bedeute theoretisch Tempo 20 auf dieser Strecke. "Bei Eis ist die Reibung noch geringer, das wären dann nur 10 km/h". Bei Unfällen haben solche Berechnungen auch Konsequenzen, vor allem bei Fahranfängern. "Ich kenne da einen Fall, da ist ein junger Autofahrer auf der B 22 bei Teunz auf glatter Straße auf die Gegenfahrbahn gekommen und dort mit einem anderen Fahrzeug zusammengeprallt", berichtet Leibl. "Er war mit Tempo 30 unterwegs in einem Bereich in dem 70 km/h erlaubt sind, aber für die Verhältnisse war das zu schnell." Die Folge: Der Fahranfänger musste aufgrund der Kollision zur Nachschulung und eine verlängerte Probezeit in Kauf nehmen. (bl)
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