Geologen-Tagung am historischen Abbaugebiet in Oberviechtach
Nah dran am Gold

Geologen aus ganz Deutschland machten sich bei ihrer Tagung zu einer Exkursion zum "bayerischen Eldorado" nach Unterlangau/Oberviechtach auf. Der Gneisbrocken am Info-Pavillon des Goldlehrpfades hatte es den Experten angetan. Gerhard Lehrberger (Vierter von rechts) freute sich über das Kommen von Wolfgang Ruhland (rechts daneben), Zweiter Bürgermeisterin Christa Zapf und Goldwäscher Erhard Wagner. Bilder: Portner (3)
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Oberviechtach
20.04.2017
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"Die ganze Gegend ist mit kleinen Goldvorkommen durchsetzt", sagte der Vollblutgeologe und zeigte auf die Stelle am Hang, wo er in den 1980er-Jahren im bröseligen Gneis fündig wurde. Gemeinsam ging es über historische Schürfgräben zum Gütting-loch im Wald.

Verwitterte Lagerstätten, ein mystisches Loch und eine neue Karte. Der Tagungstitel "Geologie und Rohstoffe in Ostbayern" führte gestern Experten aus ganz Deutschland ins Oberviechtacher Land. Die Spuren des historischen Goldabbaus faszinierten und auch das, was ein "Goldstück" zu erzählen hatte.

Mit dem Titel "Goldstück von Oberviechtach" wird Dr. Gerhard Lehrberger, akademischer Direktor am Lehrstuhl für Ingenieurgeologie der TU München öfters bezeichnet. Schließlich war er es, der die Chancen aufzeigte, wie die historischen Bodendenkmale und die Gold-Geschichte für den Tourismus genutzt werden können. Als Student katalogisierte er das Abbaugebiet bei Bohrungen in den 1980er Jahren und entfachte das Goldfieber mit Publikationen.

Spektakuläre Karte

Am Donnerstag führte Gerhard Lehrberger - als Organisator der Jahrestagung des Oberrheinischen Geologischen Vereins - zahlreiche Geologen aus ganz Deutschland zu den historischen Abbauspuren im Oberpfälzer Wald. Zunächst ging es zum Goldlehrpfad in die Langau und anschließend ins Museum mit Goldstollen und Pochwerk. Zweite Bürgermeisterin Christa Zapf und Verwaltungsamtsrat Wolfgang Ruhland freuten sich über den Besuch und dankten für die jahrelangen Forschungen.

"Das hier ist der am besten untersuchte Goldort der Oberpfalz", sagte Lehrberger am Startpunkt des Lehrpfades vorm Info-Pavillon. Mit etlichen Karten erläuterte er seinen Kollegen die geologischen Besonderheiten: wenig Granit und viel Gneis, keine Quarzgänge und kein Vulkangestein. Und doch: "Jede Schaufel Sand, die man aus dem Bach nimmt, ist goldhaltig. Die ganze Gegend ist mit kleinen Goldvorkommen durchsetzt." Dazu präsentierte er eine neue, noch druckfrische Karte mit den digitalen Geländemodell-Daten (DGM-Bilder) und meinte: "Die sind schon spektakulär." So sei die Gegend "komplett durchwühlt", was kilometerlange Abbauspuren beweisen - und auch, dass sich hier bei Gütting der "Brennpunkt der Aktivitäten" befunden hat. Er berichtete vom Fund eines Stollenplanes aus dem Jahr 1763 und zeigte die "kuriose Geschichte" in einer Grafik auf.

Ein Glückstreffer

Lehrberger erinnerte an die Kernbohrungen und Schürfungen der Firma Preussag in den 1980-er Jahren. Sieben Gramm pro Tonne seien auch in 2008 festgestellt worden. Als "einen Glückstreffer in meinem Leben" bezeichnete er die Goldkörner mit Wismut-Vererzung in einem Bohrkern (im Museum ausgestellt). Das Problem beim Abbau des im Gneis eingelagerten Goldes seien allerdings hohe Arsen-Werte im Untergrund. "Die Wirtschaftlichkeit wäre gegeben", so die Einschätzung des Münchner Universitäts-Direktors.

Spannend wurde es für die Exkursionsteilnehmer an der Stelle, wo Lehrberger als studentische Hilfskraft im Gneis gebuddelt hat: "Hier steht das Gold im Berg an", meinte er und klopfte mit dem Hammer am bröseligen Abhang. Über tiefe Krater ging es weiter zum mystischen, etwa fünf Meter tiefen Güttingloch, eine Pinge durch den Einsturz eines Stollens aus dem 18. Jahrhundert. "Im Bach ist Gold drin. Fünf Schaufeln Sand und sie haben es", machte er Lust aufs Goldwaschen.

Ein Wunsch

Auch der Vollblutgeologe hat einen Wunsch: Das es möglich wird, den Quellbereich des Güttinglochs freizulegen. "Es ist die zentrale Stelle, wo das Wasser aus dem Berg quillt." Im Oktober kommt Dr. Gerhard Lehrberger wieder nach Oberviechtach, diesmal zu einem Vortrag im Kulturzentrum. Das Thema: Gold natürlich.

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Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/

Gerhard Lehrberger ist ein würdiger Träger des Ehrentellers der Stadt. Der Münchner nutzte gestern die Gelegenheit, die Geologen aus ganz Deutschland auf den Goldlehrpfad und die Vorzüge der Region hinzuweisen: "Kommen Sie im Urlaub wieder her. Es gibt Ferienwohnungen und Pensionen zu günstigen Preisen und guten Fisch. Man kann die Gegend gar nicht genug loben."

GoldwanderungZur ersten Goldwanderung der Saison 2017 hat sich für 24. April eine Schulklasse aus Nürnberg angemeldet. Infos zu Terminen des Goldschürfens im Bach oder zur Route des Goldlehrpfads unter www.oberviechtach.de. (ptr)
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