26.02.2018 - 17:34 Uhr
Oberviechtach

Im Jahr 1318 wird das erste Goldbergwerk bei Oberviechtach urkundlich erwähnt 700 Jahre "Goldstück Bayerns"

Im Jahr 1318 wird das erste Goldbergwerk in der Langau urkundlich erwähnt. Demnach beschäftigen sich Menschen seit sieben Jahrzehnten mit dem Goldvorkommen im Herzen der Oberpfalz. Kommerzielle Interessen und wissenschaftlicher Forscherdrang wechseln sich bis in die Gegenwart ab.

Vom Mittelalter bis in die Gegenwart steht die Eisenbarthstadt bei der Suche nach Gold in Bayern mit an erster Stelle. Dazu wurde auch ein museumspädagogischer Leitfaden für Schulen entwickelt. "Wanderungen mit Goldwaschen" sind im Sommer bei allen Altersgruppen beliebt. Bilder: lg (3)
von Georg LangProfil

Die Stadt Oberviechtach kann in diesem Jahr das 700-jährige Jubiläum für den archivalischen Nachweis eines Goldbergwerks in der Langau feiern. Der Goldabbau wurde dort zwar noch früher betrieben, aber die entsprechende Urkunde stammt aus dem Jahr 1318. Just 700 Jahre danach kommt die Initiative des Wirtschaftsforums, Oberviechtach als "Goldstück Bayerns" stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und damit auch touristisch zu punkten.

"Goltwerch" fasziniert

Rückblick: König Ludwig der Bayer überschrieb Konrad III. Paulsdorfer von Tännesberg im Jahr 1318 das "Goltwerch in der Langenaw", weil ihn der Tännesberger im Thronstreit mit dem Habsburger Friedrich der Schöne unterstützt hatte. Letzterer war dann bekanntlich längere Zeit auf der Burg Trausnitz festgesetzt. Der Akademische Direktor Dr. Gerhard Lehrberger von der TU München hatte in den 80-er Jahren mit der Erforschung der Oberviechtacher Goldlagerstätten begonnen, als er zusammen mit einem Studententeam die geologischen Verhältnisse am Güttingloch und in den angrenzenden Abbaugebieten zwischen Plechhammer und Oberlangau detailliert erarbeitete. Vor 25 Jahren fand auch das erste organisierte Goldwaschen unter Leitung von Dr. Gerhard Lehrberger und dem damaligen Bürgermeister Wilfried Neuber statt.

Probebohrungen

Die im Hochmittelalter begonnene Suche nach dem wertvollen Edelmetall ließ die Menschen nicht mehr los. Auch wenn die Funde manchmal nicht berauschend waren, so wurde bis in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts immer wieder am Braunbeergraben, am Forellenbach und am Rösllohbach im Tage- oder Untertagebau nach Gold geschürft. Auch in unserer Zeit fanden mehrfach geologisch-mineralische Untersuchungen im Oberviechtacher Goldabbaugebiet statt. Die Preussag AG Metall wurde 1983 aktiv, die Rio Tinto Zinc GmbH nahm 1994/95 geochemische Untersuchungen vor und noch im Jahr 2008 testete die Deutsche Rohstoff AG mit Probebohrungen, ob in der Langau ein Goldabbau rentabel sei.

Wenngleich damals eine ökonomisch sinnvolle Schürfung nicht in Betracht kam, so rückten im Jahr 2017 immerhin 600 Goldwäscher am Forellenbach an, um mit der Waschpfanne ihr Glück zu versuchen. Kreisheimatpfleger Ludwig Berger leitet im Auftrag der Oberviechtacher Tourist-Information und des Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseums die Exkursionen in das Oberviechtacher Goldgebiet, wo heute noch Hügel, Wälle, Gräben und Senken an die bergmännischen Aktivitäten seit dem Mittelalter erinnern. Auch umfängliche Aktenbestände im Staatsarchiv Amberg und im Hauptstaatsarchiv München vermitteln davon ein beredtes Zeugnis.

Die Gewinnung des Goldes erfolgt je nach der Art des Vorkommens. Berggold findet sich im Gestein, das in einem Pochwerk zerkleinert wird. Seifengold kommt in den Sedimenten der Bäche und Flüsse vor und wird durch Auswaschen gewonnen. Walter Pusl hat dem Museum plättchenförmige Goldkörner zur Verfügung gestellt, die als Seifengold aus den Bächen des Langauer Abbaugebietes stammen.

Sage und Wirklichkeit

Der Stangenberg im nordöstlichen Stadtgebiet (an der Straße von Oberlangau nach Pirk) war einst ebenfalls Bergbaugebiet. Wenngleich die Flurbezeichnung "Silbergrube" heißt, so wurde dort ebenfalls nach Gold gegraben. Dr. Gerhard Lehrberger und Dr. Christine Paschen erforschten die Quellenlage zum Gold am Stangenberg, der die höchste Erhebung der Stadt ist.

Die ersten Hinweise stammen aus dem Jahr 1574, als der Muracher Pfleger Pielenhofer nach Amberg berichtet, dass dort ein "Wällischer" (von ihm leitet sich die volkstümliche Benennung Venetianer ab) ein Pochwerk betreibe und die Goldgewinnung ausbauen wolle. Zumindest im 16. Jahrhundert war diese Unternehmung nach Quellenlage aber nicht von überwältigendem Erfolg gekrönt. Trichterförmige Gruben am südöstlichen Abhang, ein drei Meter tiefer Einschnitt am felsigen Kamm, stollenartige Hohlräume im Fels am Nordosthang und gut erhaltene Halden deuten heute noch auf wiederholte bergmännische Aktivitäten am Stangenberg hin, die auch mehrfach quellenmäßig belegt sind.

Volkssagen spiegeln die Erzgrabungen in verklärter Form wider, da fremde Goldsucher aus dem romanischen Sprachraum (Italien, Frankreich) als Bergleute aktiv waren. Diesen zugewanderten Bergwerksleuten, die als Zwerge und Gnome und als Bewohner der Unterwelt galten, wurde auch eine Verbindung zum Teufel nachgesagt. Der einheimischen Bevölkerung waren diese Venetianer auch suspekt, weil ihre Kleidung (Dreispitzhut, Schurzfell) sowie ihre Werkzeuge zum Erzschürfen äußerst befremdlich erschienen.

Eine Sage erzählt die dramatische Begegnung des Stangenbauern mit den Venetianern. Bei dieser Sage wurde der Bauer des Stangenberghofs durch ein "Windgspral" (Wirbelwind) in die Heimat der Venetianer entführt, konnte aber mit deren Hilfe wieder zum Stangenberg zurückkehren. Auslöser war ein Messer, das er in eine Grube geworfen hatte, wodurch ein Venetianer ein Auge verlor. (lg)

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