07.12.2017 - 15:32 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Klinik und Hausärzte schaffen Weiterbildungsbasis für junge Mediziner: Lockruf für den Landarzt

Landärzte sind knapp. Die Politik versucht, mit Anreizen gegenzusteuern. Doch auch die Ausbildung muss stimmen. Die Asklepios-Klinik und fünf Hausärzte haben dafür jetzt ein Konzept parat.

Klinik und Hausärzte planen gemeinsam die Ausbildung von Landärzten. Von links die Mediziner: Georg Schwindl, Carmen und Friedrich Feldmeier, Christian Glöckner, Herbert Killer, Birgit Weinhold und Adolf Ried. Mit ihrer Unterschrift besiegeln sie die "Schönsee-Oberviechtacher Verbundweiterbildung in Allgemeinmedizin (SOVIA)". Bild: frd
von Christof FröhlichProfil

Eine stattliche Zahl an Abiturienten verlässt alljährlich das Ortenburg-Gymnasium, doch nicht viele studieren Medizin - und fast keiner dieser Medizinstudenten kehrt nach dem Studium als Hausarzt in die Region zurück. Ein Mangel an Hausärzten ist da absehbar. Von den 20 Planstellen im Raum Neunburg-Oberviechtach sind derzeit 15 mit Ärzten besetzt, die über 65 Jahre alt sind, und nur 4 von ihnen sind unter 45. Handlungsbedarf sahen deshalb auch diejenigen, die auf dem Land derzeit die Stellung halten.

Dr. Christian Glöckner (Asklepios-Klinik) sowie die Hausärzte Dr. Herbert Killer und Dr. Friedrich Feldmeier (Schönsee), Dr. Georg Schwindl und Dr. Adolf Ried (Oberviechtach) und Dr. Birgitt Weinhold (Tiefenbach) haben die "Schönsee-Oberviechtacher Verbundweiterbildung in Allgemeinmedizin (SOVIA)" gegründet. Damit wollen sie ihren Anteil dazu beitragen, junge Mediziner an die Region zu binden. Laut einer Prognose der kassenärztlichen Vereinigung wird sich der Mangel an Nachfolgern für die Allgemeinarztpraxen bis 2030 noch weiter zuspitzen. Um den Landärztemangel zu bekämpfen, haben Politik, Ärztekammer und kassenärztliche Vereinigung verschiedene Projekte ins Leben gerufen, so zum Beispiel die von der Bayrischen Gesundheitsministerin Melanie Huml initiierte Landarzt-Quote, die Studienplätze in Medizin für angehende Mediziner vorhält. Diese angehenden Ärzte müssen sich aber verpflichten, zehn Jahre nach ihrem Studium im ländlichen Raum zu arbeiten, außerdem erhalten sie zur Finanzierung ihres Studiums monatlich 500 Euro als Zuschuss.

Bildung im Verbund

Doch noch immer stellt sich dann die Frage, wie es nach dem Studium mit den angehenden Hausärzten weitergeht. "Damit die frisch gebackenen Ärzte ihren Verpflichtungen gerecht werden können, zehn Jahre in strukturschwachen Regionen zu arbeiten, müssen für die Jungmediziner Möglichkeiten geschaffen werden, ihre fünfjährige Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in solchen Regionen zu absolvieren", so Dr. Christian Glöckner, Chefarzt für Innere Medizin und Ärztlicher Direktor an der Asklepios-Klinik in Oberviechtach. Um das zu ermöglichen, haben Dr. Glöckner und fünf niedergelassene Hausärzte aus Oberviechtach und Umgebung diesen "Weiterbildungsverbund" gegründet. Über dieses System durchlaufen die jungen Ärzte die komplette Ausbildung zum Hausarzt nach einem bestimmten Plan.

"Wir begleiten die jungen Kollegen vom ersten Tag bis zum Erhalt der Facharzturkunde", so Dr. Georg Schwindl, einer der Mitbegründer des Verbundes, der zusammen mit seinen Ärztekollegen seine Unterschrift unter den entsprechenden Kooperationsvertrag gesetzt hat. Je nach Wunsch und Kapazität können die jungen Mediziner die Ausbildung in einer der Praxen oder auch in der Klinik beginnen. Sie wechseln dann zwischen Klinik und Praxis in festgelegten Abständen, die jedoch auch flexibel an die Wünsche der angehenden Allgemeinmediziner angepasst werden können. "Wir wollen unseren Ärzten ein möglichst großes Spektrum bieten - die Landarztmedizin ist sehr breitgefächert, so dass auch Kenntnisse aus Spezialbereichen wie Kinderheilkunde, Augenheilkunde, Urologie oder HNO zu den täglichen Aufgaben gehören", fasste Dr. Friedrich Feldmeier, Hausarzt in Schönsee, das Spektrum zusammen. Die Kooperation von Klinik und Hausärzten sei dafür ideal.

Basis in der Klinik

"Durch die Tätigkeit in der Klinik erlernen die Assistenzärzte sowohl die Grundlagen der Inneren Medizin als auch die der Viszeral- und der Unfallchirurgie", erläutert Dr. Glöckner. Da Mittwoch nachts, wie auch an Wochenenden und Feiertagen, ab 18 Uhr die KV-Bereitschaftspraxis, also der hausärztliche Notdienst, von der Oberviechtacher Klinik übernommen wird, erhalten die Mediziner hier bereits Einblicke in die alltägliche hausärztliche Versorgung.

"Gemeinsam haben wir hier die Grundlage für den Fortbestand der hausärztlichen Versorgung in der Region schaffen können", waren sich Dr. Herbert Killer aus Schönsee, Dr. Adolf Ried aus Oberviechtach und Dr. Birgitt Weinhold aus Tiefenbach einig, nachdem der Kooperationsvertrag an der Asklepios-Klinik Oberviechtach bei einer kleinen Feierstunde unterzeichnet war.

Wir begleiten die jungen Kollegen vom ersten Tag bis zum Erhalt der Facharzturkunde.Dr. Georg Schwindl

 

 

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