Lukas Eckl kümmert sich um Kinder in Namibia
Nach dem Abi ins Waisenhaus

Lukas Eckl (Zweiter von rechts) mit einem Großteil der Heimkinder, den Hausmüttern und Volontären.
Vermischtes
Oberviechtach
21.12.2016
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Eintopf und Kuchen: Das gemeinsame Abendessen ist ein Erlebnis für die Voll- oder Halbweisen. Bilder: ekl (2)

Waisenhaus statt Universität. Lukas Eckl hat sich nach dem Abitur für ein Jahr "Auszeit" entschieden. Er arbeitet als Freiwilliger im "Omaruru Children's Haven" in Namibia mit. Auf Weihnachten freuen sich hier alle besonders.

"Als ich mich Ende Juli in mein Flugzeug Richtung Windhoek setzte, wusste ich noch nicht wirklich was mich erwartet", schreibt Lukas Eckl an die Lokalredaktion von Oberpfalz-Medien. Kurz zuvor hatte der junge Oberviechtacher sein Abiturzeugnis am Ortenburg-Gymnasium in Empfang genommen. Die ersten Wochen waren kompliziert: Sich in einem fremden Land zurechtfinden, sich mit den Kollegen anfreunden und das Vertrauen der Kinder erreichen.

Fünf Volontäre

Namibia ist ein sehr großes Land mit einer vergleichbar winzigen Einwohnerzahl. Auf einer Fläche doppelt so groß wie Deutschland leben nur knapp 2,5 Millionen Menschen, was Windhoek bei der Ankunft nicht ganz so bedrohlich und riesig wirken ließ wie andere Hauptstädte. Zweieinhalb Stunden nordwärts liegt die Einsatzstelle, das "Omaruru Children's Haven". Derzeit befinden sich etwa 30 Kinder im Heim. Dazu kommen die fünf Hausmütter und fünf Volontäre sowie Heimleiter Lazarus Musambani, von allen Omo (Onkel) genannt.

Die Aufgaben der Volontäre sind vielfältig. Im Vordergrund steht die Arbeit mit den Waisenkindern. Sie helfen bei den Hausaufgaben, organisieren Projekte und lernen mit den Größeren für das Examen. In der Freizeit steht Malen, Basteln von Handpuppen, Singen oder Tanzen an. Dazu gibt es die Lesezeit, in der die Kinder den Erwachsenen vorlesen, um die englische Aussprache zu üben. "Den ,Räuber Hotzenplotz' vorgelesen zu bekommen, hat auch mich ein bisschen in meine Kindheit zurückversetzt", schreibt Eckl.

Eine weitere Arbeit ist der Wochen- und Monatseinkauf von Lebensmitteln auf den Farmen. Um Geld zu sparen, wird für die Sonntage immer eine "Weekend Activity" organisiert, wie Drachen basteln, im ausgetrocknetem Flussbett spielen oder Filme anschauen. "Die letzte Zeit waren wir außerdem mit der Renovierung eines alten Blocks beschäftigt, das heißt Wände verputzen, streichen, Betten reparieren und Möbel schleppen", berichtet der Oberviechtacher. Im September und Oktober mussten sie mit einem "steinalten VW-Bus" Wasser auftreiben und an die Hausmütter verteilen. Namibia leidet seit Jahren unter extremer Dürre, die Regenzeit fällt inzwischen quasi aus, so dass die Trinkwasserreserven in Omaruru noch für schätzungsweise fünf Jahre reichen. Es wurde eine Regulierung eingeführt, die das Wasser bis zu acht Tage abdreht.

Wie der englische Name "Haven" bereits suggeriert, soll das Waisenhaus den Kindern ein Hafen sein, den viele von ihnen sehr dringend brauchen. Die meisten Kinder haben heftige Gewalt erfahren, Vernachlässigung, Alkoholismus und Missbrauch. Besonders stark zeigt dies das Schicksal eines 13-Jährigen. Er wurde als Baby von seiner drogenabhängigen Mutter in einer verschlossenen Hütte zurückgelassen, wo er nach drei Tagen gerade noch gerettet werden konnte. Einige Jahre später kam er hinzu, als ein Obdachloser sich erhängte. Solche Erfahrungen hinterlassen seelische Narben, die immer noch nicht verheilt sind. Viele der Kinder mussten für sich selbst sorgen oder ihre noch jüngeren Geschwister alleine durchbringen. Andere lebten auf der Müllhalde, bis sie der Heimleiter "einsammelte".

Viele der Kinder sind Halb- oder Vollwaisen. "Es dauert bis einem die Kinder vertrauen und eine Beziehung aufbauen, was die ersten Wochen nicht einfach machte", schreibt Lukas Eckl. In ganz Namibia sei auch HIV ein großes Problem. Derzeit sind fünf Kinder im Heim HIV-positiv, sie bekommen hier jedoch eine gute Medikation und sind damit geborgener als sie es anderswo je sein könnten. Erkrankte werden oft ausgestoßen und wie Aussätzige behandelt. "Doch obwohl viele der Kinder ein schreckliches Schicksal haben, zeigen sie eine ungebrochene Freude am Leben, ob beim Herumtollen, beim Singen und Tanzen oder auch beim Veräppeln der Volontäre," berichtet der Oberpfälzer, und er ergänzt: "Hier bekommen sie das, was ihnen lange verweigert wurde und Kinder so sehr wollen - Liebe".

"Ich bin glücklich"

Auf Weihnachten freuen sich alle besonders: "Wir bastelten einen Weihnachtskalender und es wird sogar Plätzchen geben." Kürzlich sagte ein Kind zu Lukas in der Bantusprache Herero: "Ami mevulanawa" (Ich bin glücklich). Die Organisation ist für jeden Cent dankbar: Förderverein Omaruru Children's Haven; Konto bei Kreissparkasse Schwalm-Eder; Iban: DE 405 205 215 410 600 283 37; Bic: HELA DEF1 MEG.

WaisenhausDas Omaruru Children's Haven ist ein staatlich anerkanntes Waisenhaus im Norden Namibias und beherbergt 30 Kinder, fünf Hausmütter und fünf Freiwillige. Seit Juli 2012 leben die Kinder nach dem Modell der SOS-Kinderdörfer in familienähnlichen Kleingruppen und besuchen eine der drei Grundschulen im Ort. Die Einteilung erfolgt je nach Stammeszugehörigkeit. Es gibt einen Garten und eigene Hühner.
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