09.03.2018 - 18:30 Uhr
Oberviechtach

Manfred Becher räumt mit seinen Deutschen Reichshühnern alle Preise ab Mannequins im Federkleid

Manfred Becher (70) hat alles erreicht. Bayerischer Meister, Deutscher Meister und als Krönung zwei Mal das "Blaue Band" in Hannover. Mit 13 Jahren fing er als Jungzüchter an. Seither wählt er jedes Jahr seine schönsten Hennen für den Laufsteg aus. "5:3:3" lauten die Idealmaße.

Mit Hahn und Henne zum Erfolg: Manfred und Barbara Becher wurden im Jahr 2017 mit dem Farbenschlag "gold-schwarzgesäumt" zum zweiten Mal "Deutscher Meister". Bilder: Portner (3)
von Gertraud Portner Kontakt Profil

-Pullenried. Kikeriki. Wenn Barbara und Manfred Becher ihre Ranch am Ortsrand von Pullenried aufsperren, dann erwartet sie eine lautstarke Begrüßung. "Am liebsten würde ich mir oft einen Kopfhörer aufsetzen", sagt Barbara Becher lachend. Die 20 Hähne lassen stolz ihren Kamm anschwellen und machen auf sich aufmerksam. Dazu kommt das Gegackere von derzeit 70 Hennen. Mit dem Nachwuchs werden es im Sommer bis zu 300 Tiere, die auf dem etwa 2000 Quadratmeter großen Freigelände mit Stall heranwachsen. "Zuhause beim Betrieb kann ich die vielen Tiere nicht halten", sagt der Kunstschmiedemeister, "denn Kunden und Vertreter würden sich über den Lärm schon arg wundern." So wie er sich als kleiner Handwerker international einen Namen gemacht hat, ist er auch bei seinem Hobby mit viel Idealismus und Herzblut dabei - und deutschlandweit erfolgreich. Schon im Alter von 13 Jahren war der Jungzüchter aus Weislitz/Dieterskirchen Mitbegründer des Kleintierzuchtvereins Oberviechtach. Hier war er 50 Jahre lang Zuchtwart und 15 Jahre erster Vorsitzender. Jetzt ist er Jugendbetreuer und kümmert sich um die Zukunft des Vereins. "Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen haben wir keine Nachwuchssorgen", freut er sich. Allerdings sei es oft nicht so einfach, die Eltern davon zu überzeugen, dass ihre begeisterten Kinder ein schönes Hobby fürs Leben gefunden haben.

Becher stellte zum ersten Mal mit 16 Jahren in Hannover aus. Er wurde vom damaligen Kreisvorsitzenden dazu überredet, von Hasen auf Deutsche Reichshühner umzusteigen. Er hat es bis heute nicht bereut. Die Preise: "Blaues Band" von Hannover (2014 und 2017); Deutscher Meister (2014 und 2017); Bundessieger (2015); Bayerischer Meister (7 Mal).

Seit 55 Jahren kämpft er darum, die vom Aussterben bedrohte Hühnerrasse der Nachwelt zu erhalten (siehe Hintergrund). Die Maße für den Erfolg am Laufsteg lauten 5:3:3 (Länge zu Breite zu Tiefe). Die Schultern sollten breit sein und der Körper von der Brust bis zum Legebauch gleich breit. Die Farbschläge: weiß, weißschwarz-columbia, gelbschwarz-columbia, gestreift, rot, schwarz, silber-schwarzgesäumt, gold-schwarzgesäumt und birkenfarbig. Das Zuchtjahr beginnt im Herbst, wenn die Ausstellungen vorbei sind. Die Auswahl der Zuchtstämme (1 Hahn und 5 bis 6 Hühner) entscheidet, wie die Jungtiere ausfallen. In getrennten Ställen geht es dann ans Eierlegen. Seit 24. Februar ist der Brutapparat in Betrieb. "Am 17. März sind die ersten Küken da", freut sich Barbara Becher, die das Hobby ihres Mannes seit Anfang an mit ebenso viel Leidenschaft teilt. Schon seit Februar werden auch Brut-Eier deutschlandweit und nach Österreich versandt; das Stück für 1,60 bis 2,50 Euro. Auch wenn es eine sehr zeitintensive Freizeitbeschäftigung ist, die Vorfreude auf schöne Junghennen ist schon zu spüren! HintergrundDie Rasse "Deutsches Reichshuhn" wurde 1907 anerkannt und für das Klima als Lege- und Fleischhuhn gezüchtet. Der Name mag, geschichtlich gesehen, etwas seltsam anmuten. "Das hat aber nichts mit dem Dritten Reich zu tun", sagt Manfred Becher. Der Gedanke an ein Deutsches Nationalhuhn stand bei der Kreation dieser Rasse schon im Vordergrund, jedoch war das bereits im Jahr 1895, in der sogenannten "guten alten Zeit", die bis hin zum Ersten Weltkrieg andauerte. Auf der Homepage des Sondervereins wird erklärt, dass der Rasse-Name nie geändert wurde, weil er so typisch für die Ideen und Einstellungen seiner Entstehungszeit ist. Vom Wesen her sind diese Hühner sehr ruhig und werden auch zutraulich. Die Rasse gilt als gutes Legehuhn - auch im Winter.

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