25.04.2018 - 17:34 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Oberviechtacher Kaplan übernimmt Leitung der deutschen Sektion der Kaiser-Karl-Gebetsliga Gedenkfeier für "Friedenskaiser"

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt es die "Kaiser-Karl-Gebetsliga für den Völkerfrieden". Die deutsche Sektion hält in Oberviechtach eine Gedenkfeier für den letzten österreichischen Kaiser. Hinsichtlich der Leitung der Sektion gibt es eine Überraschung.

Nach dem festlichen Pontifikalamt in der Stadtpfarrkirche stellten sich die Zelebranten Pfarrer Stefan Bäuerle (rechts) und Kaplan Martin Popp (links) mit Bischof em. Walter Mixa (Mitte) und den Ministranten zu einem Erinnerungsfoto auf. Bilder: lg (2)
von Georg LangProfil

Zahlreiche Friedensaktivitäten prägten die Politik des jungen Kaiser Karl von Österreich, als er 1916 mitten im Ersten Weltkrieg auf den Thron kam. Sein Engagement war bestimmt von den eigenen Kriegserfahrungen und vom "Mitleid mit allen Völkern, die im Krieg waren". Die deutsche Sektion der "Kaiser-Karl-Gebetsliga für den Völkerfrieden" (KKGL) hielt anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren in Oberviechtach eine Gedenkfeier ab, bei der Kaplan Martin Popp zum neuen Leiter der deutschen Sektion ausgerufen wurde.

Kaplan Popp folgt in diesem Amt auf Pfarrer Stefan Bäuerle aus Aachen, der zusammen mit dem emeritierten Bischof Walter Mixa ein Pontifikalamt zelebrierte. Der Gedenkabend stand unter der Schirmherrschaft von Erzherzog Markus Salvator von Habsburg-Lothringen, der in seinem Grußwort auf die Familiengeschichte blendete. Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Kaplan Martin Popp über die "Friedensbemühungen des seligen Kaiser Karl". Ehrengäste waren Landrat Thomas Ebeling und die Landtagsabgeordneten Joachim Hanisch und Alexander Flierl. Aus Körrenzig im Bistum Aachen war eine Abordnung der Schützenbruderschaft St. Antonius angereist. Bürgermeister Heinz Weigl wertete Kaiser Karl als Vorbild für heutige politisch Verantwortliche. Er habe "sein Herrscheramt als heiligen Dienst an seinen Völkern" gesehen, betonte er in seinem Grußwort.

Beim Festgottesdienst, der vom Kirchenchor musikalisch mit Joseph Haydns "Missa brevis tre voci" gestaltet wurde, stellte Bischof em. Walter Mixa den Kaiser Karl als Politiker dar, der mitten im Leben stand. Er sei Pragmatiker gewesen, der sich "in recht verstandener Freiheit für sein Volk eingesetzt" habe. Kaplan Martin Popp ging in seinem Vortrag detaillierter auf Karls Biografie ein, der erst durch das Attentat von Sarajewo an Erzherzog Franz Ferdinand auf die Thronfolge kam. Seine Herrscherwürde betrachtete er als persönliche Berufung Gottes und als geheiligten Auftrag. Kaplan Popp erkennt in Karls Politik Ideen der heutigen Europäischen Union. Zukunftsorientiert sei auch seine Sozialgesetzgebung gewesen. Als er mit 29 Jahren auf den Thron kam, wollte er in der sogenannten "Aktion Sixtus" über die verwandtschaftlichen Beziehungen der Herrscher einen Frieden erreichen. Einen anderen Friedensversuch startete er zusammen mit Papst Benedikt XV. Seine Initiativen wurden aber abgewürgt, nicht zuletzt auch von den deutschen Machthabern.

Bischof em. Mixa und Kaplan Popp würdigten den Kaiser auch als Familienmensch. Er war verheiratet mit der Prinzessin Zita von Bourbon-Parma. In den zehn Ehejahren hatte das Paar acht Kinder. Nach der Revolution von 1918 lebte das einstige Herrscherpaar verarmt in der Verbannung auf der portugiesischen Azoren-Insel Madeira. Dort starb der Kaiser, der formal nie abgedankt hatte, am 1. April 1922 mit 35 Jahren. Kaiserin Zita starb erst 1989. Otto von Habsburg, der als Abgeordneter ins Europäische Parlament eingezogen war, war der älteste Sohn des Kaiserpaares.

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