02.04.2018 - 17:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Osterfeuer als Ritual und Symbol der Hoffnung Göttliches Licht in der Finsternis

Unmenschlich: Mit diesem Wort charakterisiert Pfarrer Alfons Kaufmann in der Osternacht den Kreuzestod Christi. In seine Nähe rückt er aber auch den Tod eines Geschwisterpaars, für den das NS-Regime vor 75 Jahren verantwortlich war.

Im Kreis der Ministranten entzündet Pfarrer Alfons Kaufmann in der Osternacht die beiden Osterkerzen am Feuer vor dem Südportal, das Kirchenpfleger Günther Flierl entfacht hat. Bilder: bgl (2)
von Ludwig BergerProfil

Die Osternachtfeier in der Stadtpfarrkirche St. Johannes bildete in der Seelsorgeeinheit Oberviechtach den Höhepunkt der Osterzeit. Der Kirchenchor St. Johannes erfüllte das Gotteshaus mit Liedern, und auch die zusätzlich aufgestellten Stühle in der Kirche waren restlos besetzt.

Treffpunkt der gut 30 Ministranten mit dem Zelebranten, Stadtpfarrer und Dekan Alfons Kaufmann, war der Vorplatz beim Südportal der Kirche. Dort entzündete schon vor Beginn des Rituals Kirchenpfleger Günther Flierl das Osterfeuer. Er verwendete dazu neben Holzscheiten auch Watte-Reste, die von Taufen und Krankensalbungen des vergangenen Jahre übrig geblieben und mit heiligen Ölen getränkt waren. Mit den Worten "Guter Gott, segne dieses österliche Feuer, das Licht in die Finsternis bringt", bat Stadtpfarrer Alfons Kaufmann dann vor dem lodernden Feuer um göttlichen Beistand. Dann entzündete er die beiden Osterkerzen für St. Johannes Oberviechtach und St. Vitus in Pullenried. Mit dem Einzug der brennenden Osterkerze, dem Sinnbild für die Auferstehung Christi, in das abgedunkelte Gotteshaus begann die offizielle Liturgie der Osternacht.

Nach dem dreimaligen Ruf des Priesters "Lumen Christi" (Licht Christi) und der Antwort der Gläubigen "Deo gratias" (Dank sei Gott), wurde das Licht an die Gottesdienstbesucher weitergegeben, und der Schein vieler kleiner flackernder Flammen erhellte den Kirchenraum. In dieser ganz besonderen Atmosphäre folgten die alttestamentlichen Lesungen.

Das vom Zelebranten angestimmte "Ehre sei Gott" ließ die Osterfreude über den Auferstandenen erkennen, als das Kirchenschiff schließlich in vollem Licht aufleuchtete und Paulinus Lesser die ganze verfügbare Klangfülle aus der Eisenbarth-Orgel herausholte.

In seiner Predigt wies der Stadtpfarrer auf die Unmenschlichkeit hin, die der Kreuzestod Christi darstellt. Er nahm dabei auch Bezug auf die Hinrichtung der Geschwister Scholl im Zweiten Weltkrieg, deren Todesjahr sich heuer zum 75. Mal jährt. Zum Ende des liturgischen Teils wurde das Taufwasser geweiht, die Kirchenbesucher wurden damit gesegnet. Die Osternachtsfeier in der Stadtpfarrkirche gestaltete der Kirchenchor unter der Leitung von Kantor Stefan Schäufl.

Nach gutem Brauch segnete der Geistliche am Ende der Feier die von den Gläubigen mitgebrachten Speisen. Von fünf Teams des Pfarrgemeinderats und der Kirchenverwaltung wurden prall gefüllte Körbe mit Osterbroten an den drei Ausgängen verteilt.

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