24.08.2017 - 17:36 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Schlechte Apfelernte beschert den Saftpressen der Gartenbauvereine "Kurzarbeit" Spärlich, klein und wurmig

Kistenweise knackige Äpfel, die vor der Saftpresse warten: Damit sieht es heuer schlecht aus. Eher selten biegen sich die Äste der Bäume in den Hausgärten unter der Last der beliebten Früchte. Die Gartenbauvereine rechnen mit einer mageren Ernte - und haben dafür mehr als einen Grund ausgemacht.

Im vergangenen Jahr gab es in Oberviechtach und Umgebung reichlich Äpfel zu ernten. Entsprechend groß war die Anlieferung bei den Saftpressen der Gartenbauvereine. Heuer dürfte sich der Andrang in Grenzen halten. Archivbild: Portner
von Monika Bugl Kontakt Profil

Oberviechtach/Dieterskirchen/Schönsee. Auf der Streuobstwiese und dem Obstlehrpfad in Dieterskirchen sind die Bäume nahezu leer. "Nur vereinzelt gibt es einen Baum mit Äpfeln dran", hat Monika Roßkopf festgestellt. Und selbst dann ist die Ernte nicht garantiert: "Alles wurmig, die Äpfel fallen ab, die Größe lässt zu wünschen übrig, oder die Bäume tragen nur spärlich", berichtet die Gartenbauvereinsvorsitzende von Dieterskirchen, die diesmal selbst auch kein Glück hat mit der Apfelernte.

"Der Kälteeinbruch im Frühjahr hat schon sehr geschadet", vermutet Roßkopf, "die Bäume in geschützter Lage sind da besser weggekommen". "Ich weiß noch nicht, ob wir heuer überhaupt die Apfel-Presse anlassen", überlegt sie mit Blick auf den Aufwand, den das Putzen erfordert. "So 30 bis 40 Zentner sollten es schon sein, aber vielleicht können wir ja einiges zusammenfassen."

Kein Totalausfall

"Ein bisserl was geht immer", meint Andreas Ebnet vom Obst- und Gartenbauverein Schönsee. Der Klarapfel neben seinem Haus zum Beispiel, der trage an einer Seite reichlich, eben da, wo er vom Haus geschützt ist. Auf der anderen Seite und in der Krone dagegen gebe es keine Früchte. "Die Saft-Ernte wird heuer nicht üppig", weiß er schon jetzt, "aber wenn die Kundschaft kommt, machen wir die Presse an".

Wahrscheinlich nur samstags wird heuer ab Anfang September in Oberviechtach gepresst, kalkuliert Karl Ruhland, Vorsitzender des dortigen Obst- und Gartenbauvereins, den die Apfel-Flaute heuer nicht überrascht. "Ich beobachte das jetzt seit 30 Jahren", erzählt er, "und in den ungeraden Jahren gibt es immer relativ wenig zu pressen". Doch Ausnahmen gibt es eben auch in den ungeraden Jahren. "Ich bin neulich erst an einer Kapelle vorbeigekommen, da standen drei Apfelbäume voller Früchte", berichtet Ruhland. Manchmal sei das auch abhängig von der Höhe. "Wir hatten schon Jahre, da gab es in Oberviechtach gar keine Äpfel, und ein paar Kilometer weiter in Nunzenried sah es ganz anders aus." Als Ursache für den Einbruch bei der Ernte 2017 hat Ruhland aber nicht nur den Spätfrost ausgemacht. Auch Apfelwickler und andere Schädlinge würden dem Kernobst stark zusetzen.

"Früher mal sind die Ernten ganz ausgefallen", weiß der Oberviechtacher Gartenbauvereinsvorsitzende und kennt auch die Vorteile einer solchen Pause: Wenn es in einem Jahr keinen "Wirt", also keine Nahrung für die Schädlinge gibt, dann reduziere das auch den Befall im Folgejahr. "Ein Totalausfall wäre so gesehen gar nicht übel", spekuliert er.

Gut gebunkert

Immerhin hat der Oberviechtacher Verein noch Saft vom Vorjahr. "So etwa 60 Liter sind noch übrig", freut sich Ruhland. In Dieterskirchen sieht es ähnlich aus: "Gut, dass wir in weiser Voraussicht noch einen Vorrat eingelagert haben, schön verpackt in Fotokartons", meint Monika Roßkopf mit Blick auf eine Feier am 15. Oktober. Denn was wäre ein Jubiläum "20 Jahre Obstlehrpfad" ohne den Ausschank von selbst gepresstem Dieterskirchener Apfelsaft.

Nicht alles, was fällt, ist reif

Wenn im August schon die Äpfel abfallen, dann ist laut Karl Ruhland vom Oberviechtacher Obst- und Gartenbauverein meistens der Wurm drin. Theoretisch kann man die Äpfel dann zwar noch zum Pressen verwenden, falls sie nicht bereits faul sind. "Aber einige Leute meinen dann, man sollte den Baum abernten und pflücken mit Gewalt den Rest, der dranhängt", berichtet Ruhland und rät von dieser verfrühten Ernte ab. Sein Tipp: die "natürliche Ausdünnung" einfach akzeptieren und das vorbeugende Spritzen von Gift lieber dem Erwerbsgartenbau überlassen. "Eigentlich sind doch - wenn man es genau nimmt - hinterher auch noch genügend Äpfel dran." (bl)

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