02.08.2017 - 15:40 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Soldie Bauweise der über 800 Jahre alten Burganlage "Haus Murach" beeindruckt Experten Mit Mörtel wie anno dazumal

"Haus Murach, Burg voll stolzer Pracht, träumst Jahre schon in stiller Wacht": So beginnt der Refrain des aus alter Zeit überlieferten "Haus-Murach-Lieds". Heute zeugen nur noch Mauerreste von der einst stolzen Burganlage. Für einen Augenblick blitzte der alte Glanz noch einmal auf.

Der Burgfried von "Haus Murach" ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen. Bei der Sanierung fiel den Experten auf, wie exakt die Baumeister vor über 800 Jahren den Winkel der Mauern berechnet haben. Bilder: bgl (3)
von Ludwig BergerProfil

-Obermurach. Knapp eine Million Euro hat das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach in den vergangenen zehn Jahren in das Kleinod investiert. Baudirektor Simon Sieß zog nun Bilanz über die Sanierungsarbeiten, bei denen die Ausmaße der Burganlage so richtig deutlich wurden.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde eine Burg Murach zu Beginn des 12. Jahrhunderts. Als Erbauer wurden die Grafen von Sulzbach genannt. In diesem Zusammenhang existierte auch bereits der Name "von Murach". Die Titulierung als "Haus Murach" entstand gegen Ende des Mittelalters. Nachdem im Jahr 1803 das Pfleggericht Murach nach Neunburg verlegt wurde, hat man die Burg Murach an einen Privatmann verkauft. Seitdem verfiel die Burganlage zusehends. Anwohner nutzten sie als Steinbruch, der Material für eigene bauten lieferte.

Notdürftig konserviert

1844, als das Landgericht in Oberviechtach errichtet war, kaufte die Finanzverwaltung des Königreichs Bayern die Burg zurück. Damals gab es auch notdürftige Konservierungsmaßnahmen. Nach 1893 und im Verlauf des 20. Jahrhunderts folgten immer wieder Sanierungen, die letzte nun wurde 2016 abgeschlossen.

Die Burg Murach genießt als Wahrzeichen bei der Bevölkerung einen hohen Stellenwert. Darum besuchte auf Einladung des Museumsvereins nun der mit der Sanierung beauftragte Baudirektor vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach, Simon Sieß, das Kulturzentrum Oberviechtach. Er erklärte bei einem Vortrag im Beisein des baubegleitenden Architekten Christian Peter vom Ingenieurbüro Siegmüller stichpunktartig den Verlauf der jüngsten Sanierungsarbeiten. Sieß versicherte, dass sich seine Behörde fortwährend um das Baudenkmal kümmert.

So wurde in den vergangenen zehn Jahren knapp eine Million Euro verbaut. "Wir wollen nichts dazu bauen und nichts wegnehmen, sondern erhalten", erklärte der Fachmann. Knapp ein Jahr lang war der 20 Meter hohe "Bergfried" (Turm) von einem Gerüst umgeben. Hier waren umfangreiche Ausbesserungen notwendig. Risse und Ausbuchtungen wurden geschlossen. Probleme machte eine Mauer im Innenhof, hinter der sich ein Gewölbe befand. Auch archäologische Grabungen wurden nebenbei erledigt. "Wir hatten es bei der Sanierung auch mit unterschiedlichen Epochen zu tun", betonte der Bauamtsleiter. Die jüngsten seien kaum älter als 50 Jahre. Dabei hätten Handwerker durch die Verwendung von Zementmörtel auch viele Bausünden begangen. Diese seien nun behoben. Der jetzt verwendete Mörtel ähnle dem früheren, damals sehr wertvollen Kalk-Mörtel, der Bewegungen im Mauerwerk ausgleichen kann.

Sehr ausführlich berichtete Sieß von der Prüfung des Mauerwerks vor Beginn der Arbeiten. Außerdem wurden alte Pläne und Zeichnungen aus früheren Epochen gesichtet. Dabei musste man feststellen, dass diese Dokumente zwar sehr wertvoll sein können, aber nicht alles wahrheitsgetreu wiedergeben. Respekt hatte der Fachmann aber vor den Erbauern der Ringmauer, die auf enormer Länge ohne eine Dehnfuge die Jahrhunderte schadlos überstanden hat.

Exakt gebaut

Der Baudirektor berichtete außerdem von einer aufschlussreichen Laser-Vermessung: Demnach wurde der Turm absolut im rechten Winkel angelegt, die Maße von Krone und Sockel seien identisch. "Das Mauerwerk ist seit dem 12. Jahrhundert gut erhalten", so seine abschließende Bilanz. "Das Sanierungspaket ist abgehakt - bald geht's weiter." e)

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