15.04.2018 - 20:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger Fichtenstädter setzen auf Tanne

Den Wald fit für den Klimawandel machen. Als Hoffnungsträger gilt die Weißtanne, die bei künftigen Neuanpflanzungen eine große Rolle spielen soll. Forstanwärter Stefan Amann stellt Vorteile heraus und informiert über die Problematik der Fichtenwälder.

von Christof FröhlichProfil

Die Forstverwaltung und die Waldbesitzervereinigung (WBV) Neunburg/Oberviechtach hatten in den Stadtwald eingeladen. Forstanwärter Stefan Amann, Revierförster Markus Lobinger und WBV-Geschäftsführer Alfons Vogl freuten sich über das Kommen von rund 40 Waldbesitzern. Für Amann war diese Sammelberatung ein Teil seiner Prüfungsaufgaben. Der Schwerpunkt galt der heimischen Weißtanne mit den verschiedenen Arten der Tannenbegründung und der Pflege, mit dem Ziel, stabile Wälder für die Zukunft zu schaffen.

Wie Amann ausführte, steckt bereits im Ortsnamen Oberviechtach das mittelhochdeutsche Wort "viehtach", was Fichtenwald bedeutet und weshalb die Oberviechtacher oft auch als die "Fichtenstädter" bezeichnet werden. In den vergangenen Jahrhunderten seien die früheren heimischen Mischwälder aus Buchen, Tannen und Fichten in nadelholzreiche Forste umgewandelt worden. Die Fichte ist für viele Waldbesitzer zum Brotbaum geworden, da sie pflegeleicht ist, einen hohen Ertrag liefert und ihr Holz vielfältig verwendet werden kann. Wie der Forstanwärter betonte, habe diese Beliebtheit der Fichte dazu geführt, dass sie auch in Gebieten angebaut wird, in denen sie gerade noch geeignet ist. Die Fichten im Raum Oberviechtach litten in den Trockenjahren 2003 und 2015 unter Wassermangel und verstärktem Borkenkäferbefall, zusätzlich ist sie auf einigen Standorten windwurfgefährdet. Amann erklärte den Waldbesitzern anhand einer Anbaurisikokarte, dass sich die Problematik um die Fichte im Zuge des Klimawandels verschärfen wird: "Bereits jetzt gibt es Schäden in Millionenhöhe zu verkraften."

Es gibt jedoch Baumarten wie die heimische Weißtanne, welche mit dem künftigen Klima auf manchen Standorten wesentlich besser zurechtkommt als die Fichte. Damit kann die Weißtanne vom Sorgenkind in den 80er Jahren, als in den Medien vom "Tannensterben" berichtet worden ist, zum Hoffnungsträger für den "klimaangepassten Wald" werden. Jeder Waldbesitzer könne mit der Anpflanzung von Weißtannen schon jetzt seine Wälder fit für die Zukunft machen, das Betriebsrisiko minimieren und sich sein Walderbe sichern.

"Mischwälder mit einem Tannenanteil von 10 bis 30 Prozent können auf bestimmten Standorten zur Risikominimierung beitragen", betonte Stefan Amann. Dies sieht auch WBV-Geschäftsführer Alfons Vogl so. Wenn dann auch noch der Wildbestand auf ein natürliches Niveau angepasst ist und einige Alttannen im Bestand vorhanden sind, schenkt die Natur dem Waldbesitzer eine kostenlose Naturverjüngung", erklärte Amann. Die Weißtanne sei bei den Rehen so beliebt, wie bei den Menschen die Schokolade, In einer eingezäunten Waldfläche wurde gezeigt, wie verjüngungsfreudig die Tanne ist. Sollten keine Alttannen im Ausgangsbestand vorhanden sein, dann muss der Waldbesitzer aktiv werden. Der Referent zeigte die sachgemäße Tannenpflanzung als "Voranbau" unter dem schützenden Altholzschirm, welcher vor Spätfrösten und Unkraut schützt. Voraussetzungen dafür sind stabile Altbestände, welche nur durch regelmäßige Durchforstung erreicht werden können. Alfons Vogl stellte das Tätigkeitsfeld der Waldbesitzervereinigung vor und zeigte Lösungsmöglichkeiten auf. An Beispielbeständen wurden verschiedene Möglichkeiten des Verbissschutzes (Einzäunung, Schutzclip) gezeigt.

Beim Waldumbau unterstützt der Freistaat Bayern mit einer kostenfreien Beratung durch den örtlichen Förster und einer finanziellen Förderung. Welche Maßnahmen förderfähig sind, wurde bei der Waldführung näher erläutert. Abschließend stellten Vogl und Amann verschiedene Verwendungsmöglichkeiten für Tannenholz vor und zeigten Absatzmöglichkeiten und aktuelle Holzpreise für Tannenholz in der Region auf.

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