11.03.2018 - 17:00 Uhr
Oberviechtach

Wie Krankenkassen den Pflegegrad bestimmen Punktesystem mit Blick auf den Alltag

Früher zählte jeder einzelne Handgriff, jetzt haben Fachleute das ganze Umfeld eines Menschen Im Visier. Das ist wichtig, um zu beurteilen, wie pflegebedürftig er ist - besonders, wenn auch Demenz eine entscheidende Rolle spielt.

Petra Ihring von der Geschäftsstelle des Caritasverbandes in Schwandorf informierte beim Krankenpflegeverein Dieterskirchen über Kriterien für die Pflegestufen. Bild: frd
von Christof FröhlichProfil

Dieterskirchen. Noch gar nicht so lange ist es her, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MdK) ins Haus oder ins Alten- und Pflegeheim kam und errechnete, wie viele Minuten für einen Kranken oder Pflegebedürftigen aufgewendet werden müssen. Sogar für das Haarekämmen gab es einen Zeitansatz.

"Pflegebegutachtung"

Seit dem 1. Januar 2017 läuft das etwas anders. Nun wird bewertet, was der Patient noch kann und wofür er der Hilfe seiner Angehörigen oder eines Pflegedienstes bedarf. Über diese "Pflegebegutachtung" und Neuerungen in der Pflege berichtete bei der Jahreshauptversammlung des Krankenpflegevereins Dieterskirchen Petra Ihring von der Kreisgeschäftsstelle des Caritasverbandes.

Wie Ihring ausführte, wird seit Januar 2017 der Pflegebedarf anhand von sechs Modulen ermittelt. Es wird geprüft, was der Patient selbst noch kann und wofür er Hilfe benötige. So werde beispielsweise die Mobilität bewertet, was im Wesentlichen die Fortbewegung innerhalb des Wohnbereiches oder über Treppen betrifft. In einem weiteren Modul werden die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten untersucht, die das Erkennen von Personen des näheren Umfeldes, die zeitliche Orientierung und das Verstehen von Sachverhalten betreffen. Ein weiteres Thema ist die Fähigkeit zur Selbstversorgung, bei der Körperpflege, die Zubereitung von Nahrung und das Bewältigen von Problemen durch Erkrankungen eine Rolle spielen. Diese Selbstversorgung wird mit 40 von insgesamt 100 möglichen Punkten bewertet.

Mit weiteren 20 Prozent bewertet der MdK den selbstständigen Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen, die Ausführung von Therapiemaßnahmen in der häuslichen Umgebung, Arztbesuche und sonstige Einschränkungen. Im letzten Modul werden mit 15 Prozent die Gestaltung des Alltagslebens und die Pflege sozialer Kontakte sowie der Umgang mit Personen außerhalb des direkten Umfeldes bewertet.

Thema "Demenz"

Hierbei werde besonders auch auf Einschränkungen des Patienten durch eine Demenz großen Wert gelegt, berichtete Ihring. Gerade dieser Punkt sei bei den Begutachtungen vor 2017 relativ unbeachtet geblieben.

Bei dieser Gesamtbewertung gibt es für Menschen mit weniger als 27 Punkten den Pflegegrad 1, bei bis zu 47,5 Punkten Grad 2, unter 70 Punkten den Grad 3, unter 90 Punkten den Pflegegrad 4 und bei über 90 Punkten die fünfte Stufe. Vor dieser Bewertung erfolge auch eine Aufklärung, wie der Patient und die Familienangehörigen darauf vorbereitet werden, um eine möglichst gerechte und objektive Bewertung erzielen zu können, informierte die Fachfrau.

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