26.02.2018 - 20:00 Uhr
Oberviechtach

Mit Quali zum besten Bautechniker-Abschluss Auch das Handwerk bietet Perspektiven

Die Zwischenzeugnisse am Freitag sorgten sicher wieder für so manche Panik. Besonders dann, wenn es mit dem Übertritt wohl doch nichts werden wird. Doch beruflicher Erfolg geht auch ohne Gymnasium: Eugen Zimmerling (30) hat bewiesen, dass man es auch mit dem Hauptschulabschluss und einer Schreinerlehre zu etwas bringt - und dabei große Zufriedenheit ausstrahlen kann.

Zwei Schreinermeister auf Augenhöhe. Chef Hubert Bauer (rechts) gratuliert seinem ehemaligen Gesellen Eugen Zimmerling (30) zum Abschluss als bester Bautechniker des Jahrgangs und betont: "Erfolg ist kein Zufall." Bild: Portner
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Schreinermeister Hubert Bauer aus Pirkhof ärgert ein Satz besonders: "Wenn es mit der Mechatroniker-Lehre nicht klappt, dann wirst halt Schreiner!" Diese Abwertung habe das Handwerk nicht verdient. Und außerdem habe eine Schreinerwerkstatt schon lange nichts mehr mit Meister Eder und dem Pumuckl zu tun. Bauer freute sich deshalb umso mehr, als er am Freitag seinen ehemaligen Gesellen Eugen Zimmerling (30) aus Rötz zu einem Festakt in den Betriebsräumen begrüßen konnte. Der Grund: Zimmerling hat die Prüfung zum Bautechniker an der Eckert-Akademie als Jahrgangsbester (Note 1,36) abgeschlossen und auch einen Förderpreis der Wirtschaft erhalten. "Du hast Dir mit Fleiß und Ausdauer ein hohes Maß an fachlichem Wissen angeeignet und alle Chancen genutzt", lobte der Chef. Im 1994 gegründeten Familienunternehmen wird derzeit der siebte Lehrling ausgebildet. 2006 kam Eugen Zimmerling als Geselle zur Schreinerei "Bauer-Familie". Für sein Gesellenstück - ein Sideboard - hatte er die Höchstpunktzahl erhalten.

Ab 2008 probierte er sich in drei weiteren Betrieben aus, darunter als Sicherungsposten bei der Deutschen Bundesbahn. "Da war für mich klar. Ich werde nur im Handwerk glücklich, denn auf dem Bau da fühle ich mich einfach wohl" Der strebsame junge Mann drückte zwei Jahre die Schulbank und legte 2015 den Abschluss "Schreinermeister" bei der Handwerkskammer Oberpfalz ab. Aufgrund der guten Noten erhielt er den silbernen Meisterpreis der bayerischen Staatsregierung.

Nachdem der Kontakt zu Hubert Bauer nie abgerissen war, fing er im August 2015 wieder im Betrieb an. Für zwei Meister war hier natürlich kein Platz und so habe er sich "überreden" lassen, nochmals zwei Schuljahre in Vollzeit dranzuhängen. Dies hat sich nun mit dem Abschluss "Bautechniker/Hochbau" ausbezahlt. Zimmerling freute sich über die lobenden Worte und ein Präsent seines Chefs, den er als "Mentor und Freund" bezeichnete. Nachdem er die Schulzeit ohne staatliche Förderung (Bafög) "überleben" musste, dankte er seinen anwesenden Eltern für die Unterstützung. Diese können sich nun im Gegenzug auf eine neue Küche und eine Sauna freuen. Auch wenn sich der Arbeitsschwerpunkt des Bautechnikers künftig im Büro abspielen wird, will er dennoch Zeit in der Werkstatt verbringen.

Übrigens: Zimmerling ist in Kasachstan geboren und kam mit der Familie im Alter von sechs Jahren nach Deutschland. Selber bezeichnet er sich als "Spätzünder und zu Hauptschulzeiten lernfaul". Die Freude am Lernen sei erst mit dem Spaß am Beruf gekommen. Jetzt hat er sogar die Fachhochschulreife in der Tasche. Zimmerling und Bauer wünschen sich ein Umdenken. Sie appellieren an die Eltern: "Wenn Sie merken, dass ihr Kind handwerklich begabt ist, fördern Sie es. Denn wir brauchen auch Handwerker und nicht nur Anwälte!"

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