29.08.2017 - 17:18 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Rolanda Biersl geht in Ruhestand und verrät etwas über Zahlen Lottofee kann einpacken

45 Jahre lang bestimmten "6 aus 49" das Leben von Rolanda Biersl. Am 9.9.2017 ist damit Schluss: Die Annahmestelle am Marktplatz geht mit der Inhaberin in Rente. Zum Abschied erinnert sich die Oberviechtacher Lottofee an viele Glückspilze und verrät auch eine Zahl.

Gewinne werden hier nur noch 10 Tage lang ausbezahlt. Die Lotto-Annahmestelle am Oberviechtacher Marktplatz schließt nach 45 Jahren ihre Pforten. Der Grund: Inhaberin Rolanda Biersl hat das Rentenalter längst erreicht und außerdem ist der Mietvertrag für die Geschäftsräume ausgelaufen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Ich kann es mir noch gar nicht vorstellen", sagt Rolanda Biersl beim Besuch der Lokalredaktion von "Oberpfalz-Medien". Doch mit jedem Tag der vergeht, wird der Laden am Marktplatz leerer. "Ausverkauf" steht in dicken Lettern am Schaufenster, was die Waren im Bestellshop, sowie Uhren, Handys und Bilderrahmen betrifft. Der Lotto-Schalter zeigt sich dagegen so bunt und fröhlich wie immer. Das gilt auch für die Inhaberin, die den letzten Lottoschein am Samstag, 9. September annimmt. Dann ist Schluss. Denn bis zum Ende des Monats müssen die Regale geräumt sein.

Schwere Entscheidung

"Der Mietvertrag läuft aus und so musste ich überlegen, ob ich weitermache", erzählt Rolanda Biersl - geschätzt für ihren Humor und ihre immense Tatkraft. Sie sei "über dem Rentenalter" und habe sich deshalb schweren Herzens fürs Aufhören entschieden. "Ich möchte keinen Tag missen. Man wird ein bisschen älter, aber die Freude am Geschäftsleben blieb immer bestehen."

Im Jahr 1973 startete die junge Frau mit einer Lotto-Annahmestelle im kleinen Ladengeschäft am Marktplatz. Als sich auch in der Stadt die Discounter ansiedelten, wechselte Biersl 1978 von Lebensmitteln zu einem Getränkemarkt und eröffnete später einen Quelle-Bestellshop. Nach Konkurs des Marktriesen setzte sie ab 2009 auf andere Versandhäuser. Eine Annahmestelle für Fotoarbeiten und Reinigung sowie der Handy-Shop ergänzten das Angebot bis heute und auch der von vielen geschätzte Service des Batteriewechsels für Uhren. Die Hilfsbereitschaft der selbstständigen Unternehmerin zeigte sich in vielen Dingen. "Ich verhätschle meine Kunden einfach gerne", sagte sie des öfteren. Den Spaß an der Arbeit hat sie jedenfalls auch im größten Stress nicht verloren.

Die Lotto-Toto-Annahmestelle wuchs Rolanda Biersl in den 45 Jahren ans Herz. "Ich bin ein Zahlenmensch", erklärt sie. Wenn etwas auf die "8" endet, dann sei das für sie immer ein sehr gutes Zeichen - mit Hinweis auf die chinesische Numerologie. Wenn sie selber einen Spielschein ausfüllt, dann fehlt nie die "21", ihre Lieblingszahl. Das war schon immer so, auch wenn sich in viereinhalb Jahrzehnten viel verändert hat. Sie erzählt von den Anfangsjahren, als es noch keine moderne Technik gab. Die Zahlen mussten in ein "Maschinen-Ungetüm" eingegeben werden, und vom Durchschlagpapier hatte sie jeden Tag schwarze Finger. Freitags um 14 Uhr mussten die Lottoscheine am Bahnhof in Oberviechtach sein, um mit dem Zugwaggon zur Bezirksstelle Cham zu gelangen. Jetzt läuft alles digital. Beim Einlesen des Scheins im Laden sind die Zahlen mit der Spielauftragsnummer im Rechenzentrum München gespeichert. Die Zukunft: Online-Spiel mit Bankabbuchung.

25 Hunderter

Glücksspirale, Pferdewetten, Losbriefe, Zusatzlotterien. Das Interesse der Bevölkerung am Glücksspiel stieg und Rolanda Biersl blieb immer am Ball. Während beim Start 1973 bayernweit nur 306 Millionen Euro im Lotto umgesetzt wurden, waren es zehn Jahre später schon 614 Millionen und 1995 mehr als 1,14 Milliarden Euro. Tendenz steigend. Gerüchte über Lottomillionäre gab es in Oberviechtach immer mal wieder. Doch Fakt ist, dass im Laden nur bis zu 2500 Euro ausbezahlt werden. Höhere Gewinne müssen bei der Zentrale in München angefordert werden. Und das haben ihre Spieler dann auch selbst erledigt, betont Biersl. Deshalb könne sie auch das Gerücht über einen Großgewinn im sechsstelligen Bereich nicht bestätigen: "Diskretion ist und war mir immer das Wichtigste." Drei- bis viermal im Jahr blätterte sie jedoch bei fünf Richtigen bis zu 25 Hunderter auf die Ladentheke. Und einen Super-Gewinn gab es vor etlichen Jahren auch: Bei einer Sonderauslosung freute sich ein Kunde über einen Mercedes der Luxusklasse. Manchmal kam ein Dank zurück: ein Blumenstrauß oder eine Flasche Wein. Besonders freute sich die Geschäftsfrau über eine Urkunde und "ein paar Kröten" der Staatlichen Lotterieverwaltung zum 40-jährigen Jubiläum. Diese Urkunde hängt nun auch schon seit 2012 im Laden.

Besuch von der Zentrale gab es öfters: Bei Testkäufen zwecks Einhaltung des Jugendschutzes. Denn Lottospielen darf man erst ab 18 Jahren. Das gilt auch für den Kauf der Losbriefe aus den sieben verschiedenen Boxen auf der Theke. Dieses Glücksspiel boomt und Gewinne von 5000 Euro gab es schon etliche in der Annahmestelle. Drei ihrer Kunden wurden zur "Zweiten Chance" (Bayernlos) nach München eingeladen; einer davon schaffte 12 500 Euro am Drehrad.
Doch wovon träumt die künftige Ruheständlerin? "Einmal in aller Ruhe und ohne Zeitdruck einkaufen zu können." Und Urlaub? "Nein, das war und ist für mich kein großes Thema." In 45 Jahren habe sie nur dreimal frei genommen; einmal war sie für acht Tage weg. Doch Zeit für das Hobby "Sportkegeln" war immer.

Neue Adresse

"Der große Gewinn zum Schluss", kommentiert Rolanda Biersl eine Losbrief-Auszahlung über 20 Euro an einen strahlenden Glückspilz. Faszinierend findet sie, was sie von den Kunden an Zufriedenheit zurückbekommen hat. "Ich bedanke mich bei allen, die mir die Treue gehalten haben", sagt sie mit Wehmut in der Stimme, und ergänzt: "Auf meine Mitarbeiter habe ich mich immer verlassen können." Ab Montag, 11. September, geht die Lotto-Toto-Annahmestelle Oberviechtach nahtlos in den Edeka-Markt Luger in der Nunzenrieder Straße über. Doch ein Anziehungspunkt in der Altstadt wird damit für immer verloren sein.

Ich möchte keinen Tag missen. Man wird ein bisschen älter, aber die Freude am Geschäftsleben blieb immer bestehen.Rolanda Biersl

Zahlen

Niemand kennt die Zahlen der nächsten Lottoziehung. Doch die Statistik weist bei der Ziehungshäufigkeit aktuell die "49" als Spitzenreiter aus (447 mal). Übrigens: Obwohl sie als Unglückszahl gilt, wurde die "13" bei der Lotto-Premiere im Jahr 1955 als erste Zahl gezogen. Rolanda Biersl kennt auch die Geldzahl: "Wenn eine 44 bei den sechs Richtigen dabei ist, dann ist die Quote sehr hoch." (ptr)

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