28.08.2017 - 10:30 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Waldbesitzervereinigung warnt vor Borkenkäfer-Welle Wenn das Bohrmehl rieselt

Alarm im Fichtenwald: Gefräßige kleine Käfer bringen sogar Baumriesen zu Fall. Die Waldbesitzervereinigung warnt vor einer Borkenkäfer-Welle. Auch Förster Markus Lobinger appelliert, die Bestände laufend zu kontrollieren. Denn die dritte Generation ist schon in Anmarsch.

Ertappt: Die Käfer bohren sich in die Rinde von noch lebenden Bäumen, legen dort ihre Eier ab und ernähren sich vom Bast, wodurch der Baum in der Regel abstirbt. Typische Kennzeichen sind die Fraßgänge auf der Innenseite. Waldbesitzer sollen nach braunen Bohrmehlspuren am Stamm achten. Weithin sichtbar sind dagegen der Nadelfall und die Nadelverfärbung, die sogenannten "Käfer-Nester" in den Wäldern. Bilder: Portner (2)
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Oberviechtach/Neunburg. (ptr) Die Borkenkäfer-Aktivität ist besonders im südlichen und westlichen Bereich der Waldbauernvereinigung Neunburg/Oberviechtach derzeit enorm, heißt es in der WBV-Presseerklärung. Mittlerweile würden auch im restlichen Zuständigkeitsgebiet vermehrt Käfer-Nester auftreten. In den Fichtenbeständen sollten Waldbesitzer auf abfallende Rinde und/oder braunes Bohrmehl, das den Stamm entlang herunterrieselt, achten. "Bei diesen Symptomen sollten Sie sofort aktiv werden und die Stämme einschlagen lassen", lautet der Rat.

Im Zweifel nachfragen

Die Lokalredaktion von Oberpfalz-Medien fragt bei Förster Markus Lobinger nach. "Im Bereich Oberviechtach und Schönsee ist die Lage derzeit nicht so dramatisch. Ich kann aber auch keine Entwarnung geben", erklärt dieser. Erst diese Woche habe er einen neuen Käferbefall bei Oberviechtach (20 Bäume in Nähe der Bundesstraße 22) und in Teunz bei der Hebermühle entdeckt. Er animiert deshalb an alle Waldbesitzer, ihre Flächen laufend zu kontrollieren. Wer Zweifel hat, sollte sich beim zuständigen Förster melden.

Als "eiserner Bestand" sei der Forstschädling stets in mäßiger Anzahl vorhanden, doch die Grundpopulation habe sich seit Sturm "Niklas" (2015) erhöht. Der letzte kalte trockene Winter hat dem Borkenkäfer nicht geschadet. Im Gegenteil; bei Feuchte würde der Käfer eher verschimmeln. Nachdem dieser im Frühjahr schon zeitig starten konnte (ab 12 bis 15 Grad Celsius), ist der Erstbefall jetzt deutlich erkennbar: Dürre Gipfel und rote Bäume. "Es sind ausgeprägte Nester von 10 bis 20 Bäumen", erklärt der Privatwald-Förster. Vor acht Wochen seien diese Kronen noch grün gewesen.

Die zweite Generation ist mittlerweile geschlechtsreif und auch die Altkäfer schwärmen nochmals zur Geschwisterbrut aus. "Die Familien vergrößern sich. Das ist kein Kleinbefall mehr", bekräftigt Lobinger. Nun komme es darauf an, wie sich das Wetter bis Oktober zeigt.

Interaktive Karte

Der Buchdrucker befällt ab der zweiten Generation nahezu ausschließlich stehendes Holz. Um die Vermehrung der streichholzkopf-großen Käfer zu verhindern, sollten die Bäume bei Befall schnellstmöglich gefällt und entrindet oder abtransportiert werden, um Eier, Larven, Puppen und Käfer unschädlich zu machen. Besonders dramatisch ist die Situation in Mittelfranken, Schwaben, Ober- und Niederbayern. Das zeigt eine interaktive Karte der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF). Auch in der Region gibt es Monitoring-Standorte (Teunz, Schönthal, Burglengenfeld und Vohenstrauß). Für die beiden forstlich wichtigsten Borkenkäferarten, Buchdrucker und Kupferstecher, wurde das bayernweit einheitlich organisierte Überwachungssystem schon im April 2004 gestartet.

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Weitere Informationen:

www.lwf.bayern.de/waldschutz

Waldbauernvereinigung unterstützt

Wenn die WBV den Einschlag übernehmen soll, wird wegen der Vorplanung so bald wie möglich um Anmeldung gebeten. Momentan sind drei Harvester über das Gebiet der WBV Neunburg-Oberviechtach verteilt unterwegs, damit an jedem Hiebort relativ zeitnah eingegriffen werden kann.

Für Sonderfälle stehen begrenzt auch Arbeitskräfte zur Verfügung, die den Einschlag per Hand vornehmen. Grundsätzlich bittet die WBV alle Waldbesitzer, sich vor Einschlagsbeginn oder bei Bekanntwerden des Schadens, mit der Geschäftsstelle (09673/913266 oder info[at]wbv-neunburg-oberviechtach[dot]de) abzusprechen. Dies sei dringend notwendig, um die Lage richtig beurteilen und reagieren zu können. Bei größeren Schadholzmengen empfiehlt die Vereinigung eine Anmeldung bei der Oberfinanzdirektion in Nürnberg, um in den Genuss eines ermäßigten Einkommensteuer-Satzes zu kommen.

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