Förderverein Goldene Straße besteht 20 Jahre
Goldene Straße mit Leben erfüllt

Gemeinsamer Einsatz für die Goldene Straße und die deutsch-tschechische Völkerverständigung: Mitglieder, Freunde und Wegbegleiter feierten mit Rainer Christoph (stehend, Achter von rechts) und seinem Förderverein im Steinstadel in Parkstein das 20-jährige Bestehen. Bild: Schönberger
Kultur
Parkstein
31.12.2016
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Die große Politik mit Blick auf Russland und Amerika gibt Anlass zur Sorge. Umso mehr Lob und Anerkennung ernten Rainer Christoph und sein Förderverein für die fruchtbare Arbeit zur Völkerverständigung entlang der 300 Kilometer langen Goldenen Straße zwischen Nürnberg und Prag.

Seit 20 Jahren besteht der Förderverein nun schon. Zugleich feierten über 50 Festgäste aus Deutschland und Tschechien am Donnerstag im Steinstadel drei weitere Jubiläen: 700 Jahre Kaiser Karl IV., 650 Jahre Goldene Straße und 70 Jahre Rainer Christoph. Reinhold Zapf, stellvertretender Vorsitzender, würdigte den Chef als Motor und Ideengeber. "Ohne dich könnten wir heute nicht feiern."

Bürgermeisterin Tanja Schiffmann verwies auf den idealen Ort für die Veranstaltung, direkt neben dem Landrichterschloss. Die Soldaten schützten früher die reichen Kaufmannszüge auf der Goldenen Straße.

Jugend eingebunden

Bei Christoph brenne die Begeisterung für die deutsch-tschechische Nachbarschaft, anerkannte Landrat Andreas Meier und hob die vielen Aktionen zur Verbesserung des Verhältnisses zwischen Böhmen und Bayern hervor. Leider laufe momentan die Weltpolitik in die andere Richtung. Mit Russland drohe der Kalte Krieg. "Wir sollten uns daher viel öfter darüber unterhalten, wie wir die Verständigung zwischen den Völkern verbessern können." Der Landkreischef lobte, dass der Förderverein in seine Arbeit viele junge Menschen mit einbinde und bat, nicht müde zu werden, die Geschichte weiter wachzuhalten.

"Die Goldene Straße braucht dich", bekannte Alfred Wolf aus Bärnau. Der Visionär und Antreiber Christoph habe die in Jahrhunderten gewachsene Kulturstraße nach der Grenzöffnung wieder mit Leben erfüllt und "unheimlich viele Kontakte aufgebaut". Ohne die Goldene Straße würde es keinen Geschichtspark Bärnau-Tachau geben, gestand der Vorsitzende des Vereins Via Carolina.

Frantisek Rejzek aus Cerhovice nannte Christoph einen großartigen Organisator und Verfechter deutsch-tschechischer Verbindungen. Zahlreiche Schulen in Tschechien seien ihm verbunden, weil sie Partnerschaften in Deutschland gefunden hätten. "Daraus sind Freundschaften entstanden", freute sich der Vize-Vorsitzende des Förderkreises auf tschechischer Seite.

Spenden für Böttgersäule

Für die erkrankte Bürgermeisterin Starosta Leska-Müller aus Obora erläuterte deren Mann Peter die angestrebte Renovierung der historischen Böttgersäule gleich hinter Bärnau. Es ist das letzte Relikt des verschwundenen Dorfes Wittichtal und ziert die höchstgelegene Kreuzung an der Goldenen Straße. Der Förderverein unterstützt das Vorhaben. Christoph hatte auf Geschenke zu seinem 70. Geburtstag verzichtet und dafür um Spenden für das Denkmal gebeten. 500 Euro zwackte Christoph zudem von seinem kürzlich vom Bezirk erhaltenen Kulturpreis ab und übergab sie an Miroslav Kaltenbrunner für die Renovierung des Kreuzweges auf dem Rondperg in Stríbro.

"Ich bin ein typischer Oberpfälzer. Mein Vater ist aus Prag, meine Mutter aus dem Landkreis Tachau", begann Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher gewohnt humorvoll seine Festansprache. Der Weidener outete sich als Fan von Viktoria Pilsen. "Das scheint im böhmischen Blut zu liegen, das in mir wallt."

Der Redner verwies auf die sehr engen Beziehungen zwischen Westböhmen und Oberpfälzern. Aus der über 1000-jährigen gemeinsamen Geschichte sei viel erhalten. Höher erinnerte an Nepomuksäulen, die Oberpfälzer Musik, Ess- und Trinkgewohnheiten. "Dass wir uns heute wieder gut verstehen, ist kein Geschenk, das haben wir uns hart erarbeitet. Wir haben gemeinsam begonnen, die Mitte Europas neu zu gestalten." Das könne die Politik nicht schaffen. "Christoph und sein Verein sind das beste Beispiel dafür, wie das funktionieren kann." (Angemerkt)

Grundstein bei Kindern legenAls Christoph 1989/90 mit der Erforschung der Goldenen Straße begann, habe das sein Leben verändert, blickte der Vorsitzende zum 20-jährigen Bestehen des Vereins zurück. "Die Geschichte der völkerverbindenden historischen Straße zwischen Nürnberg und Prag war nicht mehr existent." Es habe zehn Jahre gedauert, bis die meisten Lücken geschlossen worden seien.

Christoph verwies auf unzählige Kontakte mit Tschechen. Er erwähnte Schulpartnerschaften, Lehrer-Fortbildungen, Wettbewerbe, Ausstellungen, Mensch-ärgere-dich-nicht-Turniere. Die gemeinsame Rückkehr Bayerns und Böhmens in eine neue europäische Mitte habe große Fortschritte gemacht, sei aber noch nicht am Ende. "Ich bedauere es sehr, dass vielen Menschen besonders in unserer Region die südlichen Strände noch immer näher sind als unser Nachbarland." Der Grundstein für ein friedliches Zusammenleben in einem gemeinsamen Haus - früher Böhmen und heute Europa - müsse in der jungen Generation ohne erhobenen Zeigefinger im natürlichen Miteinander der Partnersschulen bereits bei den Kindern gelegt werden. (ms)


Ich bedauere es sehr, dass vielen Menschen besonders in unserer Region die südlichen Strände noch immer näher sind als unser Nachbarland.Rainer Christoph
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