Laienschauspielgruppen in der Oberpfalz begeistern Zuschauer
1001 Helfer machen Theater

Kultur
Parkstein
17.07.2017
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In der Oberpfalz gibt es etwa 400 gemeldete Laienspielgruppen. Unzählige Aufführungen bringen noch mehr theaterbegeisterte Helfer jedes Jahr auf die Bühne. Das bedeutet viel Arbeit. Einen Eindruck davon gibt es bei der Probe des Basalttheaters Parkstein zum Kinderstück „Aladin und die Wunderlampe“.

Regie, Bühnenbild, Kostüme, Musik, Technik: Hinter einer Theateraufführung steckt viel Arbeit. Arbeit, die der Besucher vielleicht nicht sofort sieht. Besonders beachtlich ist der große Zeitaufwand dann, wenn keine Profis am Werk sind, sondern Laien.

Auf der Bühne stehen und in neue Rollen schlüpfen – das reizt viele Oberpfälzer. Selbst in kleinen Dörfern gibt es Theatergruppen. Gespielt werden häufig ländliche Komödien im Dialekt oder Bauernschwänke. Aber auch Klassiker und moderne Stücke kommen auf die Bühnen. Nikol Putz ist seit 1996 Laienspielberater des Bezirks Oberpfalz und betreut in dieser Funktion nichtprofessionelle Theatergruppen in Seminaren und individuellen Beratungsgesprächen. „Ich gehe von insgesamt etwa 400 gemeldeten Laienspielgruppen, Amateurtheatern und größeren Festspielvereinen in der Oberpfalz aus“, sagt der Regisseur.

Dazu zählt auch das 2001 gegründete Basalttheater Parkstein. Die Parksteiner inszenieren jedes Jahr drei Stücke. Zwei davon, ein Erwachsenen- und ein Kinderstück, spielen sie auf der Freilichtbühne unterhalb des Basaltkegels. Am Sonntag, 16. Juli, ist die Premiere des Kinderstückes „Aladin und die Wunderlampe“. Regie führt Susanne Spörer. Sie nimmt sich seit 2003 dieser besonderen Herausforderung an: Theater von Kindern für Kinder.

Für Kinder sei die Arbeit am Theater besonders wertvoll, weiß Putz. Sie sind neugierig und haben dort viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren und finden damit auch einen Zugang als Zuhörer. Das fördere eine Affinität für das Theater.

Hinter den Kulissen

Zusammen mit 57 Darstellern und vielen Helfern inszeniert Spörer die Geschichte von Aladin. Der gelangt in den Besitz einer Wunderlampe, die von einem Flaschengeist bewohnt wird. Der Flaschengeist Djini hilft Aladin, den Sultan zu beeindrucken. Denn Aladin hat ein Auge auf dessen schöne Tochter Shalimar geworfen. Als der böse Zauberer Salazar die Prinzessin entführt, begibt sich Aladin auf eine abenteuerliche Reise.

Hinter der Bühne geht es drunter und drüber. Überall liegen weiße Fussel: Die Aasgeier-Kostüme lassen Federn. Leise raschelt und klimpert es, wenn Mädchen in bunten, orientalischen Gewändern vorbeihuschen. Sie machen sich gegenseitig Frisuren und ratschen. „Während der Auftritte ist die Stimmung ruhiger und konzentrierter“, erzählt ein Darsteller. Bei der Probe aber nutzen alle die Zeit zwischen den Einsätzen. In der einen Ecke wird noch Text gelernt – oder für Religion. Andere spitzen neugierig auf die Bühne oder lauschen angestrengt, um ihren Auftritt nicht zu verpassen. Es gibt Wasser und Äpfel zur Stärkung. Und irgendwann zieht der unverkennbare Geruch von Pommes vorbei. Ein paar Darsteller haben sich im Bergstüberl nebenan mit etwas herzhafterem eingedeckt.

„Frag mal die Susanne!“, „Wo ist die Susanne?“, „Geh am besten zu Susanne!“ schallt es über den Platz am Fuße der Basaltwand. Die Regisseurin ist Ansprechpartnerin in allen Fragen. Aber alleine wäre die Arbeit nicht zu schaffen. Wenn ein Flaschengeist große Wünsche erfüllt zum Beispiel. Etwa einen pompösen Palast aus dem Nichts herbeizaubert – dann müssen sich auch die Theatermacher ganz schön ins Zeug legen und kreativ werden. Unterstützung erhält Spörer dabei von Luise Ritter, Beate Hösl, Angelika Neumann, Ingrid Senft und Edeltraud Bergler, die jederzeit mit flinken Fingern, Nähmaschine, Nadel, Faden und vielen Ideen zur Stelle sind.

Kostüme von knapp 60 Darstellern

In einem Raum neben der Bühne werden die Requisiten gelagert. Damit bei den Kostümen von knapp 60 Darstellern nichts durcheinander gerät, teilen sich immer zwei Kinder eine rote Bäckerkiste. Die sind mit Klebeband-Streifen und Namen beschriftet. Susanne weist die Schauspieler darauf hin, dass es im Bauwagen auch Sicherheitsnadeln und Scheren gibt. „Falls etwas kaputt geht, kann dort jeder selber schauen.“ So ein großes Team muss organisiert werden. Spörer freut sich über den großen Zulauf. Mit 57 Darstellern, davon etwa 40 Kinder, sei nun aber eine Grenze erreicht.

„Ein Eichhörnchen!“, ruft ein Mädchen während die Regisseurin mit den Kindern die nächste Szene bespricht und schon wenden sich fast alle Blicke von ihr ab. Sie bleibt gelassen. „Es gibt keine Probe, in der alle da sind, aber irgendwie klappt es dann trotzdem immer“, erzählt sie und lacht.

„Theater sind von hoher Bedeutung für das gesellschaftliche Leben in den einzelnen Kommunen. Sie wirken als Bindeglied zwischen Altersgruppen und sozialen Gruppierungen, fördern kulturelle Aktivität und Phantasie bei den Akteuren und verbinden eine Ortsgemeinschaft“, schildert Franz Xaver Scheuerer. Er war von 1994 bis 2012 Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz.

Generationenübergreifendes Erlebnis

Generationenübergreifend arbeitet auch das Theater in Parkstein. Ab der dritten Klasse dürfen Nachwuchsschauspieler beim Kinderstück mitmachen. Und jedes Jahr gibt es ebenso Rollen, die von Erwachsenen besetzt werden. Diesmal ist der 70-jährige Christian Witt der älteste Darsteller. Er spielt einen Aasgeier und ist mittendrin, wenn die ausgehungerten Vögel plötzlich Futter wittern und vor Freude richtig abrocken. Über eine Sache freut sich Spörer besonders: „Normalerweise hören Jugendliche irgendwann auf, weil es ihnen peinlich wird. Aber bei uns machen noch viele mit. Die meisten sind dabei seit sie klein sind. Wir sind eine tolle Gemeinschaft.“ Dazu zählen nicht nur die Darsteller, sondern alle Vereinsmitglieder und Helfer, wie Markus Hösl, Wenzi und Wenzel Zupfer und Matthias Dorner, die sich um die Technik kümmern.

Direkt unter dem Basaltkegel haben die Parksteiner die Bühne aufgebaut. Martin Lang, Michael Götz, Mario Piller, Jörg Weiß, Martin Bodenmeier und viele weitere packen dabei kräftig mit an. Spörer malt dann das Bühnenbild. „Das macht mir einfach Spaß und können tut das jeder. Wenn mal ein Patzer passiert, kann man den wieder übermalen. Da kann man ja nichts kaputt machen.“

Nach der letzten Aladin-Aufführung am 21. Juli, muss die Bühne jedoch schnell umgebaut werden. Bereits eine Woche später am Freitag, 28. Juli (20.30 Uhr), ist unter der Regie von Michael Simmerl die Premiere von „Eine ganz heiße Nummer“ – kein Kinderstück, sondern FSK 12.

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