11.03.2005 - 00:00 Uhr
ParksteinOberpfalz

Hohe Gastschulbeiträge bei Bildung einzelner Zentren befürchtet - Verwandte Berufe miteinander ... Landkreise ringen um Berufsschüler

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Rot, schwarz oder Freier Wähler - die Oberpfälzer Landräte lehnen die geplante Bildung von Kompetenzzentren im Berufsschulwesen in den meisten Fällen ab. "Ein Bankkaufmann kann in Neustadt genauso gut ausgebildet werden wie in Cham", sagt Theo Zellner.

Gerade der ländliche Raum drohe durch die Reform auszubluten. Simon Wittmann machte dies am Berufsbildungszentrum Neustadt fest. Dort würden vor allem "grüne Berufe" wie Floristen, Landschaftsbauer oder auch Köche und Restaurantfachleute unterrichtet. Ursprüngliche Pläne hätten vorgesehen, diese jungen Leute nach Regensburg zu schicken. Dort aber gäbe es sieben Parallelklassen. "Man kann auch mal in die andere Richtung fahren", regte Wittmann an. Denn die hohen Gastschulbeiträge nagten gewaltig an den Finanzen der Landkreise.

Zellner nannte ein Beispiel aus seinem Cham: "Wir zahlen im Jahr 116 000 Euro und bekommen nur 16 000 zurück." Aber auch die Ausbilder stünden der 2008 vorgesehen Reform mit Argwohn gegenüber. Würden ihre Lehrlinge durch längere Fahrzeiten länger ausfallen, drohten sie, auf Ausbildung künftig zu verzichten. Zellner: "Wir können uns nicht den Verzicht auf eine einzige Lehrstelle leisten."

Abhilfe könnten Umstrukturierungen an den bisherigen Standorten schaffen. So könnten verwandte Berufe in den ersten Jahren gemeinsam beschult werden. "Der Automobilkaufmann und der Fahrradverkäufer haben schon einiges gemeinsam. Im Metallbau wird noch mehr differenziert", kritisiert Zellner. Vor allem dort, wo die nötigen Klassenstärken fehlen, könnte man ohne weiteres Berufe zusammenfassen. Dafür hätten die Landkreischefs auch die Unterstützung von Regierungspräsident Wolfgang Kunert.

Dennoch wollten Zellner, Wittmann und Kollegen Kompetenzzentren nicht generell verdammen. Sie machten dort Sinn, wo der ländliche Raum gestärkt werde, etwa durch die Zimmerer in Furth in Wald oder durch die Bankkaufleute und Steuergehilfen in Neustadt/WN. Die Kreise Amberg und Schwandorf böten sich dank Siemens als Schwerpunktstandorte für Mechatroniker an.

Auch ihre Hauptschulen wollen die Landräte nicht verlieren. Zellner sprach sich deswegen für eine engere Verknüpfung mit den Berufsschulen aus. Der Hauptschüler müsse als Lehrling wieder begehrt sein, sonst drohe der gesamten Wirtschaft ein Dilemma, warnte der Chamer: "Wir haben in Bayern doppelt so viele Architekturstudenten wie Maurerlehrlinge. Das heißt, wir werden zwei Mann haben, die unten stehen und einem auf dem Gerüst sagen, was er tun soll."

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