Bei dritter Demokratiekonferenz Themen für neue Projekte vorgestellt
"Wie soll man mit Hass im Netz umgehen?"

Leiterin Anna Schätzler stellt den Konferenzteilnehmern die Themen für neue Projekte vor. Bild: fsb
Vermischtes
Parkstein
02.10.2017
105
0

Von verschiedenen Seiten stehen die jungen Flüchtlinge unter Druck: einerseits von ihrer Religion, Kultur und Herkunft her, andererseits in Deutschland vonseiten der Lehrer, die Sprache zu lernen, und der Gesellschaft, die Bräuche und Sitten des Gastlandes zu kennen und zu achten. In einer eindrucksvollen künstlerischen Auseinandersetzung beleuchten sechs minderjährige Flüchtlinge aus Syrien, Palästina und Afghanistan dieses Spannungsfeld im Kurzfilm "Gefangen im Netz der Erwartungen". Ein Werk aus der Mittelschule Grafenwöhr, das Anna Schätzler bei der dritten Demokratiekonferenz als beispielhaft für geförderte Projekte vorstellte.

Die Partnerschaft "Neustadt lebt Demokratie", gefördert vom Familienministerium, hatte in den Parksteiner Steinstadl zur Konferenz geladen. Schätzler, Leiterin der Koordinierungsstelle, berichtete über die Themenfelder für das neue Förderjahr, die der Begleitausschuss ins Auge gefasst hat: zur Demokratieförderung ein Projekt über das Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft und zu Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus sowie historisch-politische Bildung im Zusammenhang mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Andere sollen sich mit folgenden Fragen befassen: "Wie soll man mit Hass im Netz umgehen?", "Wie gehen die großen Firmen im Landkreis mit dem Flüchtlingsthema um?", "Wie kann im Vorschulalter schon eine Frühprävention erfolgen?" Angedacht ist eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Tschechien. Förderanträge sind auf der Homepage zu finden.

Schätzler zeigte in ihrem Rückblick Aktivitäten des Jugendforums auf. Die Ausschreibung des Jugendfonds - Projekte von Jugendlichen für Jugendliche - lief bis 22. September, bei einem dritten Treffen im Oktober werden sie vorgestellt. Vorgesehen für Herbst/Winter ist zudem ein Planspiel in Kooperation mit einzelnen Schulen. Von 17 eingegangenen Anträgen für Projekte 2017 wurden 14 genehmigt. Bisher wurden über 25 000 Euro im Aktions- und Initiativfond ausgegeben. Für den Restbetrag von knapp 13 000 Euro können bis zum 6. Oktober noch Anträge für Projekte eingereicht werden.

Zu Beginn der dritten Demokratiekonferenz waren 75 oft recht originelle Selfies über die Leinwand geflimmert, die im Vorfeld der Bundestagswahl zur Aktion "Frale geh i wähl'n!" des Kreisjugendringes eingesandt worden waren. Die Bildergalerie ist auch auf Facebook und auf der Homepage "neustadt-lebt-demokratie.de" zu sehen.

Identitäre Bewegung verführt JugendlicheDen Hauptteil der Demokratiekonferenz bildete der Vortrag eines Mitarbeiters vom Büro Nordost der "Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus". Sein Thema: "Die ,Identitäre Bewegung' - eine Jugendgruppe der ,Neuen Rechten'". Der Begriff "Neue Rechte" erfuhr einen Aufschwung insbesondere mit der Gründung der AfD 2013 und der Bewegung "Pegida" 2014. Er bezeichnet eine heterogene politische Richtung, die einen völkischen Nationalismus erneuern will, ausdrücklich die Ungleichheit und Unterschiedlichkeit der Menschen anerkennt und hierbei versucht, bei Konservativen anzudocken.

Die erstmals 2012 aufgetauchte "Identitäre Bewegung" (IB) ist eine Jugendgruppe der "Neuen Rechten" und betrachtet sich als Bestandteil einer europaweiten Bewegung. Ihr Ziel ist es, die europäische Jugend im Kampf für die ihrer Meinung nach bedrohte kulturelle Identität zu vereinen. Die IB sieht sich als letzter Retter der ethnokulturellen europäischen Identität vor ihrem Untergang durch Überfremdung und Islamisierung. Personell wie ideologisch bestehen laut Referent starke Überschneidungen mit altbekannten Gruppierungen und Akteuren der extremen Rechten.

Seit Anfang 2015 ist die IB in Bayern zunehmend mit Flugblattaktionen und Demonstrationen aktiv. Ab Sommer 2016 werden die "Identitären" - etwa 100 bis 600 Mitglieder, meist Studenten zwischen 20 und 30 Jahren - durch ihre medienwirksam inszenierten Aktionen verstärkt in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Hierbei setzen sie auf Aktionismus, Popkultur und einheitliches Auftreten. Provokation gilt ebenso als Stilmittel wie das Nutzen des Internets. Nur bestimmte Themen würden in die Diskussion gebracht, die Salonfähigkeit durch jugendliches, harmlos wirkendes Auftreten demonstriert, sagte der Experte. Besonders Jugendliche sollten auf rechtsradikale Denkweisen verändert werden.

In der Diskussion hegte ein junger Zuhörer die Befürchtung, dass etliche der neuen Bundestagsmitglieder der AfD ihnen bekannte "Identitäre", mit denen sie schon bisher Kontakte pflegten, als Berater und Helfer verpflichten. Ein weiterer Besucher hob die Bedeutung jedes Einzelnen hervor, gerade angesichts der nationalistischen Bewegungen aktiv für die Demokratie einzutreten. (fsb)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.