24.04.2018 - 15:38 Uhr
ParksteinOberpfalz

"Neustadt lebt Demokratie" stellt "Kirwa ohne Nazis" vor Kunterbunter Kirwa-Kalender

Was tun, wenn Nazis die Flosser Kirwa aufmischen? Oder wenn sie eine kleinere der zig Kirwa-Veranstaltungen zwischen Mai und Oktober im Landkreis stören, wie im September vergangenen Jahres in Erbendorf geschehen? "Neustadt lebt Demokratie" hat einen Plan.

Eine aufmerksame Zuhörerschaft findet im Steinstadl der Vertreter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, der aus Sicherheitsgründen nicht fotografiert werden will. Bild: eig
von Redaktion OnetzProfil

Das landkreisübergreifende Jugendforum von "Neustadt lebt Demokratie", eine Aktion des Bundesprogramms "Demokratie leben", stellte im Steinstadl einen Kalender mit allen Kirwa-Veranstaltungen im Landkreis vor. Er trägt den Titel: "Kirwa ohne Nazis".

Es ist die erste Aktion des vor einem Jahr gegründeten Jugendforums. Hintergrund ist der Vorfall in Erbendorf, bei dem zwei Fahnen mit rechtsradikalen Symbolen an einem Kirwa-Wagen sichergestellt worden waren. Darüber hinaus soll sich der rechtsextreme frühere NPD-Bundestagskandidat Patrick Schröder auf dieser und anderen Kirwa-Veranstaltungen in der Umgebung Erbendorfs aufgehalten haben.

Einen ähnlichen Vorfall habe es im Landkreis Neustadt zwar noch nicht gegeben, sagte Anna Schätzler, Koordinatorin der Partnerschaft für Demokratie, im Beisein der Jugendforums-Vertreter Stefan Weig und Michael Kick. Aber genau aus diesem Grund wolle man frühzeitig tätig werden, damit es dazu auch gar nicht komme. Darum stünden die mehr als 40 Kirchweih-Veranstaltungen heuer unter dem Motto "Kirwa ohne Nazis". Die Auflistung aller 46 Kirwa-Feste in einem Kalender für die Hosentasche ist das eine, aber es gehe im wesentlichen darum, die Veranstalter zu sensibilisieren für den Fall, dass Besucher mit eindeutigen Symbolen oder Parolen auftauchten, erläuterte Schätzler.

Dazu müsse der Veranstalter aber auch die Codes der Rechtsextremen kennen. Und genau diese beschrieb und zeigte den überwiegend jugendlichen Zuhörern Markus Schwarz von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, einer bayernweiten Einrichtung, die Aufklärung betreibt unter Privatleuten ebenso wie in Vereinen oder auf der Ebene von Gemeinden. Schwarz konzentrierte sich auf die Erkennungsmerkmale der Rechtsextremen und machte deutlich, dass Neonazis, wenn sie sich eindeutig zu erkennen gäben, nicht auf einer Veranstaltung toleriert werden sollten, auch wenn sie vermeintlich nur harmlos ihr Bier tränken. Es gelte, die Gefahr zu erkennen, Straftaten nicht als belanglos abzutun ("der Hitlergruß ist strafbar") und Zivilcourage zu zeigen.

Als Veranstalter könne man bereits in der Einladung deutlich machen, dass eine bestimmte Haltung unerwünscht sei und man von seinem Hausrecht Gebrauch machen werde, sollte dies nicht respektiert werden.

An diesem Punkt warnte jedoch der Vertreter der Polizeiinspektion Neustadt, Polizeihauptkommissar Günther Burkhard: "Zivilcourage ja, aber bitte kein Heldentum."

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