Landesvorsitzender Ludwig Sothmann will "bayerisches Juwel" nicht für Basaltabbau opfern lassen
"Der Teichelberg muss leben"

Ludwig Sothmann, Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern, kündigte beim Aktionstag auf dem Teichelberg erbitterten Widerstand gegen eine Aufhebung des Naturschutzgebietes an. Bild: bkr
Lokales
Pechbrunn
03.05.2013
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Wie vertrauenswürdig ist die Politik? Naturschützer kommen immer wieder große Zweifel, ob der Staat es ernst meint mit dem von ihm erlassenen Gesetzen. Wäre es anders, müsste nicht um den Erhalt geschützter Flächen gekämpft werden, die dazu noch sinnigerweise im Besitz des Staates sind.

Ein Beispiel ist das Naturschutzgebiet Teichelberg. 1978 nahm die Staatsforstverwaltung den teils 230 Jahre alten Waldbestand als Naturwaldreservat aus jeglicher Nutzung. 1996 erfolgte die Ausweisung als Naturschutzgebiet. Es ist nach der FFH-Richtlinie geschützt und Teil des Netzes "Natura 2000".

"Der Erhalt prioritärer Arten und Lebensräume ist ohne Wenn und Aber ein EG-rechtliches Muss", untermauerte Ludwig Sothmann, Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz beim Aktionstag des Kreisverbandes. "Der Teichelberg muss leben!" Kreisvorsitzender Otto Hauenschild begrüßte dazu über 60 Teilnehmer aus den Oberpfälzer Kreisverbänden, um ein "Juwel bayerischer Schönheit" auf sich einwirken zu lassen. Gekrönt wurde dies mit dem Überflug und der Landung eines Seeadlers in der Spitze einer mächtigen, bereits unter dem Basaltabbau leidenden Buche.

Den wirtschaftlichen Interessen soll ein Teil des 114,8 Hektar großen Naturschutzgebietes geopfert werden. In der geschichtlichen Betrachtung ging Ludwig Sothmann auf den seit über 100 Jahren betriebenen Basaltabbau ein. Anfangs im bescheidenen Rahmen. Heute steht ein Großkonzern mit 450 Betriebsstätten dahinter. 1996 habe man dieser Firma, gegen erhebliche naturschutzfachliche Bedenken als letzten Kompromiss nochmals 17 Hektar schützenswerter Waldfläche zum Abbau zugestanden und ihr gut 15 Jahre Zeit gegeben, in eine im Regionalplan als Vorrangfläche für Basaltabbau nur wenige Kilometer entferntes 101 Hektar großes Abbaugebiet umzuziehen. "Es geschah nichts."
Dem Betrieb wurde vorgeworfen in dieser Zeit keine Initiative für den Umzug ergriffen zu haben. Dafür sei der politische Druck einzig für wirtschaftliche Interessen ausgebaut worden. "Wir werden diesen Wirtschaftsegoismus zu Lasten der Natur nicht dulden", versicherte Ludwig Sothmann. Der Landesvorsitzende bezeichnete den Teichelberg als einen nicht ausgleichbaren Naturraum. "Dies ist ein Schatz, der dem bayerischen Volk gehört und nicht irgendwelchen Unternehmen zur gewinnorientierten Zerstörung ausgeliefert werden darf." Sothmann listete 220 Arten Totholz bewohnender Pilze, 226 Nachtfalterarten und eine überaus reiche Käferfauna auf. Bechstein- und Mopsfledermaus, Uhu und Schwarzstorch nützten den Raum, die Wildkatze habe sich etabliert.

Unmissverständlich machte der Landesvorsitzende klar, dass der Teichelberg mit seinen Basalt-Blockschutt-Wäldern nicht einer Steinbrucherweiterung geopfert werden dürfe. Allerdings wäre das Problem längst vom Tisch, wenn die Staatsregierung das eigene Naturschutzgesetz konsequent anwenden würde.
Ludwig Sothmann sprach von einer hochpolitischen Peinlichkeit, wenn nicht die staatliche Führung, sondern Gerichte die Natur schützen müssen. In der Oberpfalz habe die Natur mehrfach von diesem Rechtsschutz profitiert.

Die Exkursion durch eine üppige Natur mit Vielblütigem Weißwurz, Neunblättrigen und Zwiebeltragenden Zahnwurz oder Lungenkraut leitete Anton Wolf von der Unteren Naturschutzbehörde aus Tirschenreuth.
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