Exkursion mit Naturschützern
Kampf um Teichelberg

Vermischtes
Pechbrunn
18.10.2017
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Auf dem Teichelberg gibt es Tierarten, die in Deutschland kaum mehr vorkommen. "Aber wie lange noch?", fragt der Bund Naturschutz.

Pechbrunn. Die Naturschützer luden am Sonntag am Sonntag zur Exkursion in das Gelände ein. Die beiden Wildkatzen-Familien, die dort leben, hielten sich zwar ebenso versteckt wie die seltenen Eulen, Käuze und Fledermäuse, die dort kartiert worden sind. Trotzdem war die Wanderung ein Erlebnis für die über 100 Teilnehmer.

Mit von der Partie waren Vertreter der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis (KEB) sowie Gerhard Schneider und Markus Liegl von den Bayrischen Staatsforsten, die einen großen Teil der Erklärungen übernahmen.

Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzender Josef Siller nannte den Teichelberg eine "Perle der Naturwälder". Jahrhunderte sei dieses abgelegene und steile Gebiet kaum genutzt worden, 1978 sei darin das Naturwald-Reservat "Gitschger" ausgewiesen worden, seit 1996 sei es Naturschutzgebiet und seit 2006 sogar FFH-Gebiet. Siller: Der ,Gitschger' ist 68 Hektar groß, insgesamt umfasst das Schutzgebiet 115 Hektar. In ganz Nordostbayern gibt es keinen vergleichbaren Wald."

Angst vor Abbau

Trotzdem sei der Teichelberg noch immer in großer Gefahr, da die Basalt AG den Steinbruch erweitern und die ganze Kuppe des Berges abbaggern wolle. Der Antrag auf Abbau von weiteren 37 Hektar liege seit 2011 beim Bergamt Nordbayern. Laut Siller gehört die Basalt AG zum Werhahn Konzern. Dieser betreibe allein in Deutschland über 100 Steinbrüche.

Gerhard Schneider, Chef des Forstbetriebs Waldsassen, wusste, dass der Antrag zurzeit überarbeitet werde. Nach dem gültigen Bergrecht habe die Rohstoffsicherung Vorrang vor Naturschutz. Dieses Recht stamme aber noch aus den Zeiten von Bismarck. Schneider betonte, dass den Bayrischen Staatsforsten der Naturschutz sehr wichtig sei.

Die Tour durch den ältesten Wald im Landkreis beeindruckte die Wanderer sehr. Sie sahen uralte Buchen, Linden und Ahornbäume mit mehr als drei Metern Stammumfang und auch die höchste Fichte Bayerns mit über 50 Metern Länge. Umgestürzte und vermodernde Baumriesen mussten umgangen oder überklettert werden.

Revierförster Liegl erklärte, dass in diesem Totholz Hunderte von Tierarten lebten, darunter viele, die inzwischen sehr selten geworden seien. Über 500 Käferarten, 230 Arten von Großpilzen, mehr als 400 verschiedene Nachtschmetterlinge 12 Fledermausarten und viele Waldvögel gebe es hier. "Manche dieser Arten sind vielerorts bereits ausgestorben, denn ungenutzte alte Laubwälder sind in Deutschland extrem selten. Deshalb ist der Teichelberg von nationaler Bedeutung." Von hier könnten sich gefährdete Arten wieder in die Umgebung ausbreiten. Für manchen Vogel, wie den Zwergschnepper, sei das Reservat bereits jetzt zu klein. Liegl: "Werden noch weitere Hektar weggebaggert, dann werden viele Tiere ganz verschwinden - aus dem Landkreis und aus ganz Deutschland."

Durch alle Instanzen

Der Bund Naturschutz will um den Teichelberg kämpfen, und - wenn nötig - durch alle Instanzen klagen. Siller nannte es eine Schande, dass der bayrische Staat nicht in der Lage sei, sein Eigentum zu schützen. "Nicht alles darf man auf dem Altar der Wirtschaft opfern!", meinte er.
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