Markus Nickl referiert bei KAB Pechbrunn
Renten sind unsicherer denn je

Markus Nickl. Bild: jr
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Pechbrunn
28.06.2017
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(jr) Nicht gerade optimistisch zeigte sich KAB-Diözesansekretär Markus Nickl, was die Zukunft der Renten angeht. "Wer jetzt schon wenig verdient, bekommt später auch wenig Rente", sagte Nickl in einem Vortrag bei der KAB Pechbrunn. Betroffen davon seien vor allem Frauen, die in Dienstleistungsberufen arbeiten. "20 Prozent aller Beschäftigten sind im Niedriglohnbereich, das ist das Problem."

Der Rentenexperte der KAB berichtete: "Wenn jemand zu mir wegen der Rente kommt, ist es meist schon zu spät. Dies bekomme ich in der Praxis oft zu spüren." In Deutschland gebe es fast 25 Millionen Rentner. Die Durchschnittsrente im Westen betrage 1024 Euro im Monat, Frauen erhielten nur 574 Euro. Im Osten Deutschlands bekomme ein Rentner im Schnitt 1115 Euro, eine Rentnerin 842 Euro. Nickl wusste, dass ein Rentenpunkt einem Brutto-Einkommen von 37 103 Euro entspricht.

Wer dieses Jahresgehalt bekomme, erhalte später 1235 Euro Netto-Rente im Monat. "Wer verdient so viel?", fragte Nickl in die Runde. "Kaum vorstellbar, was Menschen an Rente bekommen, die weit weniger verdienen", sah Nickl die Höhe für einen Rentenpunkt viel zu hoch angesetzt. Bislang habe er nur drei Personen beraten hat, die mehr als 2000 Euro im Monat erhielten. Wenn ein Ehepaar gemeinsam Rente beziehe, lasse es sich in der Regel schon ganz gut leben. Anders sehe es bei Alleinstehenden oder Geschiedenen aus. Weiteres Problem sei das Absinken der Renten. Gab es 1985 noch 54,7 Prozent Rente des Monatsverdienstes, seien es 2030 nur noch 43 Prozent. Nickl sprach von Perspektivlosigkeit der künftigen Rentner. Für sich selbst hatte der Referent errechnet, dass er einmal so viel Rente bekommt wie momentan schon sein Vater. "Dabei muss unsere Generation ja noch kräftig einbezahlen. Bin mal gespannt, wie die Gesellschaft später darauf reagieren wird." 40 Prozent der Anspruchsberechtigten würden auf einen Antrag auf Grundsicherung verzichten, meist aus Angst, dass ihre Kinder finanziell belangt werden. Dabei müssten diese mehr als 100 000 Euro im Jahr verdienen, ehe sie herangezogen würden.

Die Riesterrente sei nur etwas für Menschen mit hohem Einkommen: "Für Niedriglohnempfänger ist sie völlig unzureichend und viel zu teuer." Nickl unterstrich die KAB-Forderung nach einer festen Sockelrente in Höhe von 515 Euro für jedermann, ohne Kosten für die Wohnung. Das garantiere eine Mindestsicherung für die Menschen ohne Bedarfsprüfung.
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