04.02.2018 - 19:10 Uhr
Pegnitz

Gnadenhof Fränkische Schweiz päppelt gequälte Tiere auf Endlich Erlösung

Nie wieder leiden. Dieses Versprechen gibt Monika Pracht (64) jedem Tier, das Pfote, Hufe oder Klaue in ihren Hof setzt. Es ist ein Schritt in die Freiheit.

von Anne Spitaler Kontakt Profil

Könnten die Tiere auf dem Gnadenhof Fränkische Schweiz sprechen, würden sie immer wieder Danke sagen. Danke für Futter, danke für Medikamente, danke für Streicheleinheiten. Schlimme Schicksale haben die 130 Tiere, die im Haus und auf dem Hof in Pegnitz leben, gezeichnet. Wenn Monika Pracht daran denkt, wird ihr schlecht.

Die 64-Jährige kennt die Geschichte von jedem einzelnen Hund, jeder Katze, jedem Schaf. Die beiden Ponys "Lord" und "Lady" wurden mit glimmenden Zigaretten malträtiert. "Sie wurden an ihren Körpern ausgedrückt", erzählt Pracht. Hündin "Frieda" sollte 2015 eingeschläfert werden. Sein Halter hatte den Vierbeiner auf bis zu 60 Kilo gemästet und wollte ihn dann nicht mehr.

Durch das Übergewicht bekam der Labrador Retriever Diabetes und erblindete. Pracht rettete "Frieda" zwar vor dem Tod, das Augenlicht konnte sie trotz mehrerer Operationen nicht mehr zurückholen. "Über ein viertel Jahr bekam sie Augentropfen, von früh bis spät", erinnert sich Pracht. "Erst konnte sie wieder sehen." Aber die Hilfe kam zu spät. "Frieda" wurde wieder blind, einen Augapfel hat sie sogar ganz verloren. "Ich war so enttäuscht." Denn das Schlimmste für Pracht ist, wenn sie den misshandelten Tieren nicht mehr rechtzeitig helfen kann. So wie Pferd "Apollo", das nun eingeschläfert werden musste. Das trifft die Tierliebhaberin. Über 900 Tiere musste sie schon in den Tod begleiten. Vergessen kann sie keines davon.

Abgeschnittene Flügel

Dass sie es gut mit all ihren Schützlingen meint, merken die Tiere bei jedem Wort, das sie zu ihnen sagt. Und die Vierbeiner erwidern die Liebe. Eine Bande Katzen weicht nicht von Prachts Seite. Sie stupsen immer wieder mit ihren Köpfen an die Beine der 64-Jährigen, schmusen mit ihr. Ein weißer Kater ist besonders anhänglich. Auch er musste schon viel mitmachen. Über das Leid der Tiere kann Monika Pracht nur traurig den Kopf schütteln. Sie erzählt von abgeschnittenen Flügeln, herausgerissenen Zungen und Stimmbändern, weil die Hunde zu laut bellen würden. "Traurige Bilder sind das."

Deswegen tut sie alles dafür, dass das Leid für die meist abgemagerten Tiere endlich ein Ende hat. Sobald sie in dem Gnadenhof ankommen, beginnt für sie ein neues Leben. Jeder Schützling bekommt von Pracht einen anderen Namen, "damit sie ihr altes Leben vergessen". Das neue Zuhause erstreckt sich auf 1300 Quadratmetern. Dort reiht sich ein Stall an den anderen. Ziegen, Pferde, Ponys, Hühner, Schafe und Schweine wohnen dort. In der Mitte quaken Enten, schnattern Gänse in einem Weiher. Schwan "Balthasar" thront auf einer kleinen Insel, und Warzen-enten-Erpel "Klaus" keucht vor Freude über die Gesellschaft der Gänsedamen. In Prachts Haus wuseln Hunde und Katzen durch die Zimmer. Kanarienvögel und Papageien turnen in riesigen Käfigen, einer futtert genüsslich ein Stück Käse. Sie alle hat Pracht vor dem Tod oder weiteren Qualen bewahrt. Seitdem dürfen sie sich auf dem Gnadenhof pudelwohl fühlen. "Es ist ein Haus für die Tiere, nicht mehr für den Mensch", beschreibt die 64-Jährige ihr Zuhause.

Mit vier festen Angestellten und sechs ehrenamtlichen Helfern, die am Wochenende vorbeikommen, kümmert sich Pracht liebevoll um die Tiere. Und die brauchen viel Pflege. Bis zu 14 Stunden pro Tag ist das Team damit beschäftigt, Futter zu holen, Ställe zu misten, Medikamente zu geben. In Prachts Küche stehen mehrere große Boxen auf der Theke, voll mit Tabletten, Tropfen, Spritzen.

Kein Vertrauen

Seit 1990 macht die 64-Jährige das nun schon. Angefangen hat alles mit einem Pony, dem kleinen "Mucki". Pracht lebte mit ihrem Mann damals noch in Heroldsberg bei Nürnberg, hatte alles, was sie wollte. Silberbesteck, teueres Porzellan, aber das alles erfüllte sie nicht. Bis eines Tages das Pony "Mucki" in ihr Leben "galoppierte". "Im Zirkus habe ich ein kleines weißes Tier gesehen, abgemagert bis aufs Skelett." Sie konnte das Elend nicht mitansehen und kaufte es für 500 Mark. "Wir mussten ihn in Decken einwickeln, damit die Knochen nicht brechen", erinnert sich Pracht. In einer Hütte in ihrem Garten in Heroldsberg pflegte sie das geschundene Tier.

Doch ein Pony braucht die Gesellschaft eines anderen Tieres. Pracht fand eine Ziege, die Ähnliches durchmachen musste. Irgendwann reichte der Platz aber nicht mehr, Pracht wollte umziehen. In der Zeitung sah sie das "Paradies bei Pegnitz" und überredete ihren Mann, dorthin zu ziehen. In den vielen Jahren baute sich Pracht nach und nach mit viel Geld einen Gnadenhof auf, immer dabei: der kleine "Mucki", der heute noch dort lebt. "Dann hat mich alles überrollt", erinnert sie sich. Das Telefon klingelte Sturm, viele wollten ihre Tiere bei der Familie unterbringen, nur wenige riefen an, um eines bei sich aufzunehmen. Hergeben will die 64-Jährige aber auch keines mehr. "Ich vertraue niemandem. Ich habe lieber selbst die Hand drauf." Zwischen ihren vielen Mitbewohnern fühlt sich Pracht frei und angekommen. Eine Küche mit viel Schnickschnack braucht sie nicht mehr, ihr Herz schlägt nur noch für ihre Schützlinge und ein minimalistisches Leben.

Damit nicht noch mehr Tiere so ein Schicksal teilen müssen, rät Pracht, sich lieber kein Tier nach Hause zu holen, wenn zu wenig Zeit dafür ist. "Man muss davon ausgehen, dass es alt und vielleicht inkontinent wird", warnt sie. Wenn sich Menschen ein Haustier zulegen, sollten sie es auch in solchen Phasen pflegen. "Entweder ganz oder gar nicht." Denn Gnadenhöfe gebe es in der Umgebung kaum und auch die Finanzierung sei bei immer mehr Tieren schwierig. Allein die Tierarztkosten haben sich für Pracht im Jahr 2017 auf rund 80 000 Euro summiert. "Es war ein teueres Jahr", bilanziert sie. Das Geld dafür nimmt sie aus Spenden, Stiftungen oder bekommt sie durch Patenschaften und einen Förderverein. Staatliche und städtische Zuschüsse gebe es keine. Und woran viele auch nicht denken würden: Materielle Spenden wie ein Napf oder Hilfe bei Bauarbeiten sind immer willkommen, um den Tieren noch ein schönes restliches Leben bereiten zu können. Für eine gute Zukunft schuftet Pracht Tag und Nacht, und wenn sie selbst einmal nicht mehr kann, will Tochter Daniela für ihre Mutter weitermachen.

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Weitere Bilder und Infos im Internet:

www.onetz.de/bildergalerie www.gnadenhof-fraenkische-schweiz.de

Spendenkonto

Wer an den Gnadenhof spenden möchte, kann Geld auf folgendes Konto einzahlen: VR Bank Bayreuth E.G. IBAN: DE 45 77 39 00 00 01 09 05 00 00, BIC: GENODEF1BT1. (spi)

Hagebaumarkt-Aktion

Der Gnadenhof Fränkische Schweiz stellt sich am Samstag, 10. Februar, von 11 bis 13 Uhr in Kemnath bei der Haustierwoche des Hagebaumarkts vor. Damit verbunden ist auch eine Spendenkampagne zugunsten des Hofes. (spi)

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