08.02.2018 - 20:10 Uhr
Pfreimd

"Männerhort" im Luftschutzkeller

Besser ließe sich der Aufführungsort kaum wählen können. Das "Ovigo-Theater" spielt die wahnwitzige Mundart- Komödie "Männerhort" im ehemaligen Luftschutzkeller des Feuerwehrhauses. Das Publikum ist von dieser Inszenierung hellauf begeistert.

Im "Männerhort" des Ovigo-Theaters geht es turbulent zu. Bild: twi
von Anton (Rufn. Toni) WildProfil

"Männerhort" ist ein turbulentes Boulevardstück des isländisch-deutschen Theaterschriftstellers Kristof Magnusson und wird seit 2003 mit großem Erfolg an vielen deutschen Theatern aufgeführt. Es wurde auch schon verfilmt. Unter der hervorragenden Regie von Florian Wein und Theresa Weidhas wurde der Rückzugsort für die drei gebeutelten Männer in den Heizungskeller des Donaueinkaufszentrums in Regensburg verlegt, und die Texte werden in authentischer, regional-oberpfälzischer Mundart vorgetragen.

"Männerhort" erzählt von Lars (Christian Gnan), Helmut (Stefan Neubauer) und Eroll (Michael Zanner), die jeden Samstag von ihren shopping-süchtigen Frauen stundenlang durchs Einkaufszentrum geschleppt werden. Sie verbringen einen großen Teil des Wochenendes zwischen Kleidungsstücken, Schuhen und Modeschmuck, genervt vom langen Warten vor Umkleidekabinen und von aufdringlichen Verkäufern.

Im Heizungskeller des "DEZ" finden sie ihren Rückzugsort und gründen ihren persönlichen "Männerhort" als "ein letztes Refugium der Männlichkeit", wie es in der Programmankündigung heißt. Hier haben sie alles, was ein Mann für einen stressfreien Samstagnachmittag braucht. Sie sitzen heimlich bei Dosenbier und Pizza vor dem Fernseher auf dem Sofa und schauen Fußball. In ihren Gesprächen lästern sie über ihre sich im Kaufrausch befindlichen Gattinnen mit grotesken Übertreibungen und Machosprüchen. Sie genießen ihre neu errungene Freiheit. Plötzlich ist es mit der Idylle vorbei, als der diensthabende Feuerwehrmann Mario (Roland Fritsch) zufällig in den Geheimraum kommt und alles aufzufliegen droht.

In dieser ausweglosen Situation gelingt es den Dreien, den Brandschutzexperten von den Vorzügen des Männerverstecks zu überzeugen und sie geben sich den Leitsatz: "Einer für alle - alle für Einen!" Doch langsam kippt die Stimmung, als ihre Frauen sie vor die Tür setzen und Einer nach dem Anderen zum Schlafen in den Keller kommt, der plötzlich ein Notquartier darstellt. Nun treten Verunsicherungen und Lebenslügen der vier Stereotypen zutage, keiner will Schwächen zugeben oder als Verlierer dastehen.

Plötzlich schmieden sie Pläne, wie sie die ihre Frauen zurückgewinnen könnten und üben Shopping. Panik bricht aus, als Errol erzählt, er habe seiner Frau vom Männerhort berichtet. Jetzt wären die Frauen oben im DEZ und berieten die Scheidung. Doch schließlich löst sich alles in Wohlgefallen auf. Als Schlusspointe beschließen Helmut und Errol, den Keller nach oben zu verlegen und im Dachgeschoss des DEZ eine "Männerlounge" mit vielen Steckdosen für shopping-gestresste Männer zu gründen.

Die Schauspieler bekamen langen Applaus für ihre hervorragenden Darstellungsleistungen. Die vier Rollen hätten nicht besser besetzt werden können. Von Anfang an herrschte im Publikum eine großartige Stimmung, die sich in häufigen Lachsalven und Zwischenbeifall ausdrückte. Den beiden Regisseuren ist es vortrefflich gelungen, diese Komödie über Beziehungskisten-Wahrheiten und platte Mann-Frau-Klischees mit menschlichen Abgründen in Mundart auf die Bühne zu bringen.

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