27.03.2004 - 00:00 Uhr
PfreimdOberpfalz

Anwohner machen gegen Bolzplatz mobil - Lanzl: "Platz für Autos, aber nicht für Kinder" Der "Sturm" auf zwei Fußballtore

Eine Wiese in Stadtnähe und zwei Fußballtore: Die Schüler der Landgraf-Ulrich-Schule hätten sich nicht träumen lassen, dass ihr bescheidener Wunsch so viele Gegner auf den Plan ruft und zur Gründung einer Interessensgemeinschaft führt. Das Thema wurden ausgiebig im Stadtrat diskutiert.

von Claudia Völkl Kontakt Profil

Die Vorgeschichte ist bekannt: Schüler hatten sich mit ihrem Anliegen an Bürgermeister Albert Maier gewandt. Für einen Bolzplatz bietet sich ein städtisches Grundstück an der Bürgermeister-Reichl-Straße an. Als das Vorhaben publik wurde, sammelte eine Interessensgemeinschaft Unterschriften und meldete ihre Bedenken an. Sie befürchtet, dass das Gelände durch heranwachsende Jugendliche zweckentfremdet wird, prognostiziert Lärm und Verunreinigungen.

Bürgermeister Maier war enttäuscht: Als die Anlieger Kinder im Alter von zehn, zwölf Jahren hatten, wäre ihnen der Platz bestimmt recht gewesen. Und wie könne eine Wiese, auf der zwei Tore stehen, zweckentfremdet werden? Die von den Gegnern genannten Jugendlichen seien älter, bevorzugen andere Treffs. Verschmutzungen werde man nicht vermeiden können. Aber dies sei jetzt schon der Fall, führe doch über die Wiese ein Trampelpfad Richtung Schule. Maiers Fazit: Wenn der Platz nicht gewünscht werde, "lassen wir es".

Petra Stubenvoll bedauerte die Haltung der Bolzplatzgegner. "Früher konnten die Kinder auf der Straße spielen, das geht nicht mehr wegen des Verkehrs. Doch sie brauchen doch Platz zum Toben". Wegen einiger schwarzer Schafe würden nun "alle anderen Kinder bestraft". "Anscheinend hat jedes Auto einen Platz, aber Kinder haben keinen Platz", ergänzte Hannelore Lanzl. Gerhard Schlögl sprach sich ebenfalls für den Bolzplatz aus, regte aber aus Rücksicht auf den Besitzer der Nachbarwiese an, einen Zaun zu ziehen. "Zu teuer", meinte Bürgermeister Maier. Hans Müller und Dr. Johanna Mertins plädierten dafür, das vorhandene Areal der Schulsportanlage besser zu nutzen.

Gisela Hösl empfand die Diskussion als "völlig überzogen". Warum stelle die Stadt nicht zur Probe zwei Tore auf? "Kinderlachen ist doch nicht störend". Wenn wirklich Lärm und Dreck zu groß sind, "kommen die Tore einfach wieder weg". Die zweite Bürgermeisterin war verwundert, "mit welcher Massivität vorgegangen wird. Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen."

Auf Nachfrage Arnold Kimmerls berichtete Bürgermeister Maier, dass es zwei städtische Bolzplätze gebe. "Dann ist es echt ein Mangel", schlussfolgerte Kimmerl. Daneben stellen laut Maier dankenswerterweise einige Bürger den Kindern ohne großes Aufhebens Wiesen zur Verfügung.

Bürgermeister Maier regte an, das Vorhaben ruhen zu lassen. Vielleicht finde sich an anderer Stelle eine Möglichkeit mit aufgeschlossenen Privatbesitzern. Auch mit der Schule soll ein Gespräch über die Anlagennutzung geführt werden. Die Mehrheit des Gremiums stimmte Maiers Vorschlag zu. Fünf Stadträte hätten allerdings lieber abgestimmt und klare Verhältnisse geschaffen.

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