16.08.2014 - 00:00 Uhr
PfreimdOberpfalz

Hildegard Reil übereignet die archäologischen Funde von ihrem Acker bei Iffelsdorf der Stadt Geschichte als Geschenk

"Was ich für einen guten Acker habe", schmunzelt Hildegard Reil mit einem Blick auf die slawischen Sensationsfunde auf ihrem Grundstück in Iffelsdorf. Alles, was hier aus dem Erdreich geborgen wurde, gehört nun der Stadt Pfreimd.

Reich an Funden: der frühmittelalterliche Friedhof. Bild: Götz
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Seit dem Jahr 2011 rücken jährlich Studenten der Universität Bamberg mit ihren Grabungsleitern Professor Dr. Erik Szameit (Universität Wien) und Privatdozent Dr. Hans Losert (Uni Bamberg) an. Was hier an archäologischen Schätzen entdeckt wurde, schreibt die Pfreimder Geschichte neu. Doch wem gehören die Tongefäße, Messer, Glasperlen und Gürtelteile? "Was geborgen wird, gehört zu 50 Prozent dem Finder, also der Universität, und zu 50 Prozent dem Besitzer des Grundstücks", so Bürgermeister Richard Tischler. Die Uni Bamberg hat bereits ihre Ansprüche auf die Funde an die Stadt Pfreimd abgetreten. Ob für die bereits geleistete Konservierung und Restaurierung noch Kosten in Rechnung gestellt werden? Tischler hofft, dass das unter Ausbildungsmaßnahmen für die Studenten laufen kann. Die schon bearbeiteten Fundstücke wurden sorgfältig in einzelnen Schachteln mit ausgeschnittenen Schaumstoffformen eingelagert. "Manchmal sogar mit einer Anleitung zum Auspacken", so Tischler.

Der ideelle Wert ist sehr hoch, materiell handelt es sich "nur" um Eisen, Glas und Faserreste. Hinzu kommt das Problem, dass Privatleute für die Restaurierung keine staatlichen Zuschüsse erhalten, die Kommune schon. Für Grundstücksbesitzerin Hildegard Reil stand schnell fest, dass die Funde in die Stadt gehören. Mit Sekt stießen Bürgermeister Tischler und Hildegard Reil auf die Vertragsunterzeichnung an, mit der sie ihren Teil der Funde an die Kommune übereignete. Übrigens nur die bisher zutage geförderten Stücke. "Falls doch mal ein Goldschatz entdeckt würde", lacht die Pfreimderin.

Die Stadt verpflichtete sich im Gegenzug die Kosten für die Verwahrung, Konservierung und Restaurierung zu übernehmen. Bürgermeister Tischler ist es wichtig, dass die Pfreimder Geschichte in der Hand der Kommune ist. Jetzt könne man daran gehen, ein Konzept zu entwerfen. Die Gedanken gehen dahin, einen Teil der Schätze in den Museumsräumen im Schloss Pfreimd zu präsentieren - wenn die klimatischen Bedingungen passen. Die Fundstücke könnten in Wechselausstellungen gezeigt, die restlichen Teile sicher verwahrt werden.

Auch die Funde auf der Gerresheimer-Baustelle sind übrigens an die Stadt gegangen - mit der Bereitschaft zu Dauerleihgaben an das Unternehmen.

Die Reils freuen sich, wenn die Felder abgeerntet sind und die Archäologiestudenten wieder kommen. "Die haben ja so eine Freude, wenn sie was entdecken". Wie groß das Interesse an den Funden ist, zeigt auch der immense Besuch bei Vorträgen. Als Dankeschön überreichte Tischler den Reils die Ehrengabe der Stadt, den "Pfreimder Gockel" aus Keramik.

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