27.08.2014 - 00:00 Uhr
PfreimdOberpfalz

Paintballanlagen-Betreiber möchte aufklären: Am 6. September "Tag der offenen Tür" Ball gegen Negativ-Image spielen

"Paintball in Pfreimd": In einer 33 Seiten starken Broschüre hat Marco Böhmer alle Facetten des Sports und der Anlage, die er in Pfreimd bauen möchte, zusammengefasst. "Negativ-Image abbauen" - das ist sein Ziel beim "Tag der offenen Tür" am 6. September in der Freyung.

Mit Metallzaun und Netz ummantelt soll auch die in Pfreimd geplante Paintballanlage sein. Bild: hfz
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Die Stadt macht es sich nicht leicht: Wenn Böhmers noch ausstehendes Lärmschutzgutachten vorliegt, die Antragsunterlagen vollständig eingereicht sind, werden im Verfahren zur Flächennutzungsplan- und Bebauungsplanänderung in einer zweimaligen Auslegung und Anhörung alle Aspekte abgeklopft. Auf den Ratstisch käme das Thema dann wohl wieder im Oktober. Parallel dazu hat die "Interessensgemeinschaft gegen die Paintballanlage" eine Unterschriftenaktion laufen: Die Gegner befürchten Lärm- und Verkehrsbelästigung für die benachbarte Wohnsiedlung, sehen den Standort falsch gewählt und fürchten um das Image der Stadt (wir berichteten). Böhmer möchte nun mit einem "Tag der offenen Tür" Aufklärungsarbeit leisten und stellte im Vorfeld bei einem Pressetermin eine 32-seitige Broschüre über sein geplantes Projekt vor.

Für Böhmer ist Paintball nach Snowboarding, BMX und Rugby "der Sport der nächsten Generation", der nichts mit "blutrünstig und zwielichten Gestalten" zu tun habe, sondern Schnelligkeit und Strategie erfordere. Paintball stehe "Sportarten wie Völkerball nahe, wo es darum geht, den Gegner mit einem Ball zu treffen, um ihn aus dem Spiel zu nehmen". Über 1,2 Millionen Menschen in Deutschland hätten schon mal Paintball gespielt, "es gibt 200 Felder, 130 Unternehmen leben davon". Marco Böhmer ist Liga-Koordinator, betreibt drei Anlagen, seine "MM Paintsport GmbH" besitzt eine davon.

Liga und Freizeit

Im Pfreimd plant er am nördlichen Ortsrand an der A 93 ein Liga- und ein Trainingsfeld - je 35 mal 36 Meter - dazwischen einen Aufenthaltsbereich, seitlich Büro- und Umkleidecontainer, 46 Parkplätze. Ummantelt ist die Anlage von einem drei Meter hohem Wall, der bepflanzt würde. Der Abstand zur Wohnbebauung beträgt nach einem Grundstückstausch 440 Meter. Böhmer unterstreicht, dass der Verkehr über die Hauptstraße, nicht über die Otmar-Reger-Straße und das Wohngebiet geleitet werde und entsprechend beschildert würde. Alle Erschließungskosten habe er als Antragsteller zu tragen.

Die Pläne sehen eine Fläche mit Kunststoffrasen vor, seitlich werden Metallpfosten eingeschlagen und mit Stahlseilen ein Netz gespannt, damit die Anlage nach allen Seiten geschlossen ist. Die Paintballfelder - mit aufblasbaren Luftkissen bestückt - könnten, ohne Spuren zu hinterlassen, zurückgerüstet werden. Die Gelantine-Geschoße landen in der Biogasanlage.

An einem Wochenendtag geht Böhmer von 70 Spielern aus. Die Anlage sei für Liga- als auch für Freizeitspieler gedacht: "Da werden sogar Junggesellen- und -gesellinnenabschiede gefeiert". Für Pfreimd sieht Böhmer in der Anlage - die einzige im Umkreis von 140 Kilometern - Effekte für Tourismus, steigenden Freizeitwert, Gastronomie und Kaufkraft. Zudem würden zwei Vollzeit- und sechs Teilzeitarbeitsplätze und weitere auf 400-Euro-Basis geschaffen. Der Pfreimder verweist auf Gutachten zur Gewaltaffinität, die den Schluss zögen, "dass es sich bei den Spielern "um ganz normale Menschen handelt, die arbeiten, ihr Geld verdienen und keineswegs abgestumpft sind". Es handle sich um eine "Null-Kontakt-Sportart", Tarnkleidung sei verpönt. Die Paintball-Szene sei eher "familiär, fast spießig".

Teueres Hobby

Böhmer hatte übrigens schon Anfragen für Kindergeburtstage. "Undenkbar" kommentiert er kopfschüttelnd. Nutzer der Anlage müssen 18 Jahre alt sein. Zielgruppe sei die Mittelschicht, die 18- bis 35-Jährigen. Die Liga-Spieler hätten alle Schulabschlüsse, stünden fest im Beruf und müssten sich das Hobby leisten können: Bei einer guten Ausrüstung liege ein Paintballer schon mal bei 3000 Euro. Aktive Spieler buttern rund 450 Euro pro Monat in ihr Hobby an weit entfernten Spielorten.

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