24.07.2013 - 00:00 Uhr
PfreimdOberpfalz

Schwurgericht soll Todesumstände eines 39-Jährigen klären - Verfahren beginnt am 9. September 16 Verhandlungstage bei Mordprozess

Wenn das aus drei Berufs- und zwei Laienrichtern bestehende Schwurgericht am Montag, 9. September, den Sitzungssaal im zweiten Stock des Amberger Landgerichts betritt, steht ihm ein Prozessmarathon bevor, der nach bisheriger Planung erst am 7. Oktober endet. Auf der Anklagebank sitzt dann eine 34 Jahre alte Frau aus Pfreimd, die in dem Verdacht steht, in einer Aprilnacht 2012 ihren 39-jährigen Ehemann mit einem Gewehrschuss umgebracht zu haben.

von Autor HWOProfil

Nach der Anklageerhebung durch die Amberger Staatsanwaltschaft musste die Schwurgerichtsvorsitzende Ros- witha Stöber alle ihr zugegangenen Unterlagen prüfen. Das geschah über Wochen hinweg. Jetzt ist das sogenannte Hauptverfahren gegen die Beschuldigte eröffnet und der Beginn des Prozesses auf den 9. September festgelegt worden. Ab dann soll an insgesamt 16 Tagen verhandelt werden. Es könnte aber durchaus noch länger dauern. Die Urteilsverkündung ist vorläufig für den 7. Oktober ins Auge gefasst.

Tatraum nachgebaut

Nach Lage der Dinge dürfte die Hauptaufgabe des Schwurgerichts darin bestehen, gleichsam mosaikartig die Geschehnisse im Keller eines schmucken Einfamilienhauses in Pfreimd zusammenzusetzen. Dazu wurden durch die Staatsanwaltschaft im Rahmen ungewöhnlich aufwändiger Ermittlungen zahlreiche Gutachten in Auftrag gegeben. Die damit beschäftigten Experten, darunter Sachverständige aus dem DNA-Bereich, der Ballistik, der Spurensicherung und der Medizin, sind nun zur Verhandlung geladen. Zur Unterstützung ihrer Ausführungen ist im Landgericht Amberg das mutmaßliche Tatzimmer maßstabsgetreu nachgebaut worden. Von dort aus sollen die Erklärungen der Gutachter per Video in den Sitzungssaal übertragen werden.
Auf der Ladungsliste des Schwurgerichts befinden sich auch zahlreiche Zeugen, darunter Personen aus dem Umfeld des Ehepaares und Polizeibeamte. Unmittelbare Zeugen des Vorfalls in dem Kellerzimmer aber gibt es nicht. Dort war in einer Aprilnacht letzten Jahres die Leiche des 39-Jährigen aufgefunden worden. Sie wies schwerste Kopfverletzungen auf, hervorgerufen durch den Schuss aus einem Jagdgewehr. Seine Frau hatte die Polizei verständigt, wobei zunächst von einer Selbsttötung ausgegangen wurde. Doch dann begannen die Behörden an der Suizid-Theorie zu zweifeln. Erste Verdachtsmomente richteten sich gegen die Ehefrau. Sie kam erst im Oktober in U-Haft, sitzt seither hinter Gittern und schweigt. Ob sie aussagt, wird sich erst im Prozess erweisen.

Habgier und Heimtücke?

Der Fall erregte bundesweites Aufsehen. Journalisten wollen recherchiert haben, dass der 39-Jährige und seine Frau, eine ehemalige Lehrerin, im Unfrieden miteinander lebten und der heute 34-Jährigen angekündigt worden war, sie habe bis zum 1. Mai 2012 das Haus zu verlassen. Das wäre dann, so konnte man weiter lesen, ohne finanzielle Entschädigung vor sich gegangen. Beide waren passionierte Jäger. Von daher erklärt sich das Vorhandensein der Jagdwaffe.

Die Anklagebehörde, vertreten durch den Oberstaatsanwalt Joachim Diesch, qualifiziert die Tat als Mord. Dafür sind vom Gesetz her besondere Merkmale notwendig. Im vorliegenden Fall, so hatte der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl vor Monaten erklärt, seien das Habgier und Heimtücke.

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