30.08.2017 - 20:34 Uhr
PfreimdOberpfalz

"Ich bin der gleiche geblieben"

Georg Pfannenstein ist davon überzeugt: "Freundschaft gibt es auch in der Politik". Zwei Wahlperioden saß der Pfreimder für die SPD im Bundestag. Heute, mit 74, blickt er zurück auf eine spannende Zeit mit viel Arbeit. "Doch ich hab's gerne gemacht".

Ein Höhepunkt war der Besuch von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (rechts) 1999 in Pfreimd. Hier versprach er Georg Pfannenstein (links), dass der Bundeswehrstandort erhalten wird.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Das Arbeitszimmer steckt voller Erinnerungen und Auszeichnungen: Bundesverdienstkreuz, ein hoher Orden Kroatiens. Daneben hängt das Gedicht seiner Frau Erika, das sie ihm zum Einzug in den Bundestag geschrieben hat und natürlich das Bild vom Scharping-Besuch in Pfreimd. Pfannenstein ist stolz auf das Erreichte. "Ich war ein lediges Kind", erzählt er. Damals ein Makel. Doch Georg Pfannenstein setzte sich durch, lernte Elektriker. Auf einer Zugfahrt plauderte er mit einem älteren Herrn. Der gab ihm etwas mit auf den Weg: "An Ihrer Sprache müssen sie noch arbeiten". Vom Dialekt ins Hochdeutsch umschalten - Pfannenstein beherrscht es perfekt. Der Elektromeister fand seine berufliche Heimat bei der BHS Weiherhammer, war hier Betriebsratsvorsitzender. Dem Unternehmen, das seine politische Karriere stets unterstützte, ist er noch immer sehr verbunden.

Im zweiten Anlauf

Seit 1972 ist Pfannenstein SPD-Mitglied. Der eloquente Mann machte im Unterbezirk Eindruck. Bei der Wahl 1990 blieb ihm der Sprung in den Bundestag zwar noch verwehrt, der zweite Anlauf 1994 gelang mit Platz 25. Den Einzug über die Liste schaffte er vier Jahre später erneut mit knapp fünf Prozent Stimmenzuwachs. 2002 hat es nicht mehr gereicht. Der Abgeordnete wurde von seiner Partei "nicht gut behandelt" und auf Platz 27 gesetzt, "zugunsten von Florian Pronold". In Pfannensteins acht Amtsjahren hieß es pendeln zwischen Pfreimd, Bonn und Berlin. Am Wochenende warteten Termine in der Region. "Das ist nur mit einem intakten Familienleben zu schaffen. Viele Ehen zerbrechen daran." Er verbrachte jede freie Minute mit Frau Erika und den Kindern.

Im Bundestag wird er 1998 Beauftragter für Kroatien, ist Mitglied im Verteidigungsausschuss. In dieser Funktion gelingt es ihm, die schon totgesagte Oberpfalzkaserne aus der Schusslinie zu bringen. Pfannenstein holt etwas aus: Der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping sei wegen des Vorwurfs, dass die Bundeswehr radioaktive Munition verwende, in die Bredouille geraten. "Doch manchmal muss man Glück haben", meint Pfannenstein. Er konnte seine Anfrage an den früheren Verteidigungsminister der Union, Volker Rühe, aus der Schublade ziehen, in der dies verneint wurde. Scharping war aus dem Schneider.

Als dann das große Bangen wegen der Bundeswehrstandortschließungen kam, wurde Pfannenstein nicht müde, klarzumachen, wie wichtig die Bundeswehr für die Region sei. Noch drei Tage vor dem Tag X "verkündete der Generalinspekteur, warum Pfreimd geschlossen wird". Dann Kehrtwende. Pfannenstein wird Scharpings erlösender Anruf immer in Erinnerung bleiben. "Sonst hätten wir wegziehen können". Die SZ titelte "Pfreimd, aber dann kam Schorsch." Ist das Kungelei? "Nein. Jeder ist doch seinem Wahlkreises und seinen Bürgern am nächsten," betont Georg Pfannenstein. Für sie trat er auch ein, als die geplante A 6 zu nah an Iffelsdorf heranrückte. In vielen Verhandlungen gelang es, sie 800 Meter zu verschieben. "Man braucht Glück, Sachwissen, den richtigen Ton und die richtigen Leute", fasst der frühere MdB zusammen. Viele Anliegen wurden an ihn herangetragen. "Ich habe geholfen, wo es möglich war, manche Fälle waren auch aussichtslos".

"Nicht verheizen lassen"

Sein Rat für Bundestagsnachfolger: "Sich im ersten Vierteljahr nicht verheizen lassen und Auseinandersetzungen nicht persönlich nehmen". Man müsse versuchen, Probleme der Menschen zu lösen, dürfe aber nicht mitleiden und die ganze Bürde mit nach Hause nehmen. Und auch wenn im Parlament um der Sache willen gestritten wird, "kann man doch abends miteinander Karten spielen". So haben sich Freundschaften über Parteigrenzen hinweg erhalten. "Man muss authentisch sein. Ich bin der gleiche geblieben" .

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.